Stefan Kölbl, Vorstandsvorsitzender Dekra Zoom

Schadenprävention: "Sicherheit ist ein Megatrend"

Der Bedarf nach Sicherheit wächst weltweit. Davon profitiert die Prüforganisation Dekra, die im laufenden Jahr wieder um sechs bis acht Prozent wachsen will. Mit welchen Angeboten sie sich zur IAA Nutzfahrzeuge präsentiert, erläutert der Vorstandsvorsitzende Stefan Kölbl.

Was vor der Gründung vor fast 90 Jahren galt, ist für Dekra als weltweit tätige Expertenorganisation auch heute noch aktuell: der satzungsgemäße Auftrag, sich um das Thema Sicherheit zu kümmern.  Zu tun gibt es in dem Zusammenhang genug, wie der Vorstandsvorsitzende Stefan Kölbl im Gespräch mit trans aktuell erläutert.

trans aktuell: Herr Kölbl, zu welchem Stand zieht es Sie auf der IAA Nutzfahrzeuge als Erstes?

Kölbl: Als Erstes gehe ich zu unserem Dekra-Stand (Halle 17, B07), wo ich Kundengespräche führen werde. Dann schaue ich mir sicherlich die Stände der großen Fahrzeughersteller an. Mich interessiert das breite Spektrum der Neuigkeiten und vorrangig alles, was mit Sicherheitssystemen zu tun hat. Solche Systeme tragen wesentlich dazu bei, Menschenleben zu retten und sind daher immens wichtig. Denn noch immer sterben bei Verkehrsunfällen mit Lkw jährlich etwa 800 Menschen allein in Deutschland.

Was erwartet die Besucher auf dem Dekra-Stand?

Wir werden den Fachbesuchern den ganzen Katalog unserer Leistungen für die Branche vorstellen. Der beginnt bei automobilen Services wie Fahrzeugprüfungen und Gutachten und reicht bis zu unseren industriellen Angeboten, wozu zum Beispiel das Prüfen von Aufzügen oder Rolltoren, Auditieren und Zertifizieren zählt. Hinzu kommen Beratungsdienstleistungen – sei es zur Energieeffizienz von Gebäuden oder zur Qualifizierung. Hier geht es unter anderem um Angebote für Berufskraftfahrer, Flottenmanager oder um den "sicheren Versender" im Luftfrachtgeschäft.

Gibt es Themen, die im Mittelpunkt des Messeauftritts stehen werden?

Wir stellen zwei Themen in Zusammenarbeit mit dem ETM Verlag vor. Da ist zum einen der Fuhrparktest bei der Spedition Fehrenkötter, der die Wirtschaftlichkeit der neuen Euro-6-Zugmaschinen aller relevanten Fahrzeughersteller untersucht. Zum anderen präsentieren wir gemeinsam die neue ZF-Studie zur Zukunft des Berufsbildes des Fernfahrers, die uns wichtige Erkenntnisse über künftige Entwicklungen in der Transport- und Logistikbranche geben wird.

Welche Bedeutung hat für Sie die Messe?

Die IAA Nutzfahrzeuge ist die Leitmesse für die Transport- und Nutzfahrzeugbranche schlechthin. Nirgends sonst wird der Besucher so umfassend über Technik-, Mobilitäts- und Logistiktrends informiert wie alle zwei Jahre in Hannover. Alle wichtigen Hersteller, Zulieferer und Dienstleister sind dort vertreten. Daher versteht es sich von selbst, dass auch Dekra dort mit einem Stand präsent ist. Dekra ist seit 1925 der Partner der Transport- und Nutzfahrzeugbranche, getragen von einem Verein, dem rund 23.000 Mitglieder – allesamt aus der deutschen Transport- und Logistikbranche – angehören. Wir sind stolz darauf, dass wir immer noch unserem satzungsgemäßen Auftrag nachgehen können, den unsere Gründerväter uns ins Stammbuch geschrieben haben. Er lautet: Kümmert Euch um die Sicherheit.

Für Ihre Mitglieder haben Sie zur IAA neue Pakete geschnürt. Was haben Sie in diese Pakete alles reingepackt?

Sie enthalten weitere Leistungen für unsere Mitglieder – wozu heute schon Sondertermine für Fahrzeugprüfungen, ein elektronisches Prüfberichtswesen, eine elektronische Führerscheinkontrolle, das Datenmanagement des digitalen Tachografen gehören – und nicht zu vergessen: das umfassende Informationsangebot digital und als Zeitung. Auch mit zur IAA neu eingeführten Leistungen wollen wir den Dekra-Mitgliedern echten Mehrwert weitergeben: in Form von Einkaufsvorteilen bei relevanten Produkten, in Form von Sonderkonditionen bei der Miete von Fahrzeugen oder mit Rabatten bei der Aus- und Weiterbildung durch die Dekra Akademie.

"We make the world a safer place". So lautet einer Ihrer Slogans. Welche Rolle spielt in dem Zusammenhang das autonome Fahren?

Das autonome Fahren wird dazu beitragen, die Sicherheit auf der Straße zu erhöhen. Dahinter stehen wichtige Fahrerassistenzsysteme, die in idealer Vernetzung zueinander das Fahrzeug in Abhängigkeit von der Verkehrslage bewegen. Ich hätte vor ein paar Jahren noch bezweifelt, dass das Thema so schnell kommen würde. Aber das teilautonome Fahren wird in den nächsten Jahren kommen. Das haben uns die Hersteller schon eindrucksvoll demonstriert.

Welche Folgen ergeben sich daraus für Dekra, etwa mit Blick auf die Fahrzeugprüfungen?

Dekra sieht sich gerüstet, was das Prüfen der Assistenzsysteme angeht. Wir sind heute schon in der Lage, die Funktionsfähigkeit von aktiven und passiven Assistenzsystemen zu überprüfen, indem wir die betreffenden Daten über die On-Board-Diagnose (OBD)-Schnittstelle auslesen. Doch letztlich können und dürfen wir nur die Systeme prüfen, die der Gesetzgeber auch in den Vorschriftenkatalog aufnimmt.

Wie hat sich das Geschäft mit der Sicherheit für Ihr Unternehmen im laufenden Jahr entwickelt?

Wir gehen unseren Weg erfolgreich weiter, der uns seit mehr als zehn Jahren kontinuierlich und zunehmend international wachsen lässt. Wir haben ein gutes erstes Halbjahr hinter uns. Für das zweite Halbjahr erwarten wir weiter gute Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis.

Können Sie das durch Zahlen präzisieren?

Wir gehen beim Wachstum wieder von einem Korridor zwischen sechs und acht Prozent aus. Wie in der Vergangenheit wird Dekra die Zuwächse sowohl aus eigener Kraft als auch durch Übernahmen realisieren. Im ersten Halbjahr haben wir Akquisitionen im Automotive- und im Industrial-Bereich getätigt. Eine weitere größere Übernahme bahnt sich an. Zum Jahresende werden wahrscheinlich wieder zwischen fünf und zehn Unternehmen neu unter das Dach von Dekra gerückt sein.

Welche Märkte stehen bei Ihrem Wachstum besonders im Fokus?

Das kommt auf unsere jeweiligen Geschäftseinheiten an. Im Bereich Automotive – unserem Rückgrat – stehen zunehmend Märkte außerhalb von Europa im Fokus. Das hängt damit zusammen, dass wir in vielen Ländern Europas bereits Marktführer beim Prüfen und Bewerten von Fahrzeugen sind und daher in anderen Regionen der Erde Fuß fassen möchten. Spannend sind dabei die Märkte Nordamerika, China oder Südostasien. Aktuelle Studien belegen: Sicherheit ist ein Megatrend. Das gilt besonders für Schwellenländer.

Und wo liegen die Zukunftsmärkte für Ihre Industriesparte?

Der globale Bedarf nach dem Know-how eines unabhängigen Überwachers und Prüfers ist riesig. Auch in Europa gibt es noch Potenzial – von der Beratung über Produktprüfungen bis hin zur Prozesssicherheit. Ein vielversprechendes neues Betätigungsfeld ist die Neuzulassung von Schienenfahrzeugen. Das Engagement von Dekra Rail ist ein Beispiel dafür, wie man auch in einem Markt wie Deutschland noch mit neuen Services wachsen kann.

In elf Jahren wird Dekra 100 Jahre alt. Wo wollen Sie dann stehen?

Wir wollen eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Sicherheit bleiben. Und wir wollen unsere Position, was das Prüfen und Zertifizieren von Produkten und Dienstleistungen sowie das Qualifizieren von Menschen angeht, weiter ausbauen. Dekra ist fast 90 Jahre nach der Firmengründung kerngesund, arbeitet solide und ist wirtschaftlich gut aufgestellt. Daher sehen wir uns für die Zukunft gut gerüstet.

ZUR PERSON

Stefan Kölbl ist seit 2010 Vorsitzender der Vorstände von Dekra e.V. und Dekra SE. Der 46-Jährige gehört der Sachverständigenorganisation bereits seit 14 Jahren an. Angefangen hatte er dort als Assistent des Vorstandsvorsitzenden, anschließend bekleidete er unterschiedliche Führungspositionen. Zuletzt war Kölbl seit 2006 Chef der Geschäftseinheit Dekra Automotive International. Seine Karriere begonnen hatte der gebürtige Nürnberger 1994 als Projektleiter bei der Wirtschaftsinitiative für Deutschland in Berlin. Der Diplom- Volkswirt ist verheiratet und hat zwei Kinder. Das Unternehmen, das Kölbl repräsentiert, ist eine der weltweit führenden Sachverständigenorganisationen. Dekra ist mit mehr als 32.500 Mitarbeitern in über 50 Ländern aktiv.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Fred Arnold

Datum

11. September 2014
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