Scania R 500 Sperl Transporte, Sigrid London, Scania-Kipper 16 Bilder Zoom

Scania-Kipper: Frauenpower

Zwischen Sand, Kies und Asphalt sind Sigrid London und ihr Scania-Kipper ein echter Hingucker.

Wackeldackel „Pink Vabis“ auf dem Armaturenbrett nickt den ganzen Tag zufrieden vor sich hin. Er fährt gerne mit seinem Frauchen mit, ist aber nur ein Detail von vielen lila- und pinkfarbenen Akzenten im 500 PS starken Scania von Sigrid London aus Hochdorf-Assenheim. Seit ein paar Jahren übt die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte ihren Traumberuf aus. Täglich ist sie vorwiegend in Rheinland-Pfalz mit ihrem aufsehenerregenden Kippsattelzug unterwegs. Ausschließlich im Baustellenverkehr ist sie für das Transportunternehmen ihres Lebensgefährten Christian Sperl tätig. Im Jahre 2008 hatten sich Sigrid London und Christian Sperl, ebenfalls Supertruck-Fan und -Besitzer, kennengelernt und es hat gefunkt - gesucht und gefunden. Obwohl schon vorher gehörig mit dem Truck-Virus infiziert, hatte dies für Sigrid London zur Folge, dass sie sich gänzlich hinter das Lenkrad eines Lkw schwang.

Frauenpower in einer Männerdomäne

Fast spielerisch behauptet sie sich seitdem in einer reinen Männerdomäne und verschwendet keinen Gedanken an eine andere Arbeit: „So lange ich die Stufen zu meinem Truck raufklettern kann, mache ich diesen Job auch!“ Aber nicht nur das Fahren begeistert sie, sondern auch die Technik. An ihrem Scania tauschte Sigrid London eigenhändig sämtliche LED-Leuchten im Armaturenbrett und im Lenkrad gegen pinkfarbig leuchtende Elemente aus. Die LEDs hatte sie sich selbst besorgt und auf die Platinen gelötet. Einem professionellen Elektriker oder Elektroniker wäre diese Arbeit wohl sicherlich leichter von der Hand gegangen. Darum ging’s aber auch gar nicht. „Ich will an meinem Truck unbedingt so viel wie möglich selbst machen. So ist doch alles viel persönlicher“, erklärt Sigrid London ihre Bastelarbeiten.

Selbst ist die Frau 

Außerdem nähte sie nicht nur sämtliche Vorhänge im Truck, sie bezog auch alle Kunststoffteile in Eigenregie mit weißem Leder und lackierte die restlichen Kabinenteile in Weiß und Violett. Selbst ein neues Pioneer-Radio sorgt nun in der Scania-Hütte für tollen Sound. Das alte Musikgerät hatte sich verabschieden müssen - das Display war nicht pink beleuchtet. So liebevoll und heimelig der Scania im Innenraum auch sein mag, so ganz anders gibt sich der Sattelzug von außen. Gruselige Knochengerüste, nervös flatternde Mini-Vampire und unappetitliche Nagetierchen tummeln sich hier in der Finsternis unter düsteren Gewitterwolken. „Im Gegensatz zum Truck meines Lebensgefährten Christian und dessen Feen-Fantasy-Lackierung wollte ich schlichtweg das ‚böse Auto haben!“, erklärt Sigrid mit einem Augenzwinkern. Die Lackierung fertigte Airbrush-Künstler Lothar Bohn aus Hambrücken schließlich ganz nach den Vorstellungen von Madame Chauffeurin. Er brachte im Frühjahr 2010 genau die gruseligen Gestalten und das düstere Szenario aufs Blech, welche sich Sigrid London gewünscht hatte.

Schöner Truck, hübsches Mädchen und harte Arbeit auf der Baustelle

 Die Konstellation von einem schönen Truck, einem hübschen Mädel hinter dem Lenkrad und der harten Arbeit auf der Baustelle ist schon eine echte Ausnahme. Neben ihrem Fulltime-Job in der Männerwelt schafft Sigrid es auch noch, ihre zehnjährige Tochter Nina ordentlich aufs Leben vorzubereiten und nach den Tagestouren für sie da zu sein. In der Schmitz-Mulde landen für gewöhnlich Sand, Splitt, Kies, Fräsgut, Asphalt, Glas, Dünger und Mutterboden. Im Winter kommen noch Transporte von Streusalz hinzu. Circa vier bis fünf Touren absolvieren Fahrerin und Zug täglich. Die Arbeit ist abwechslungsreich, das Niveau hoch. Ihren Job erledigt die 33-Jährige mindestens genauso gut wie ihre männlichen Kollegen. Anfangs bekam sie zwar noch Unterstützung und -viele gut gemeinte Tipps. Das hat sich aber mittlerweile erledigt. 

Hinter dem Lenkrad sitzt ein echter Profi

Denn die Baustellentrupps und ihre Fahrerkollegen wissen längst, mit wem sie es zu tun haben, und dass in dem Scania mit dem lackierten Gruselkabinett ein echter Profi hinter dem Lenkrad sitzt. In der Tat ist noch nicht einmal der beim Straßenbau so obligatorische Kasten Bier für ein versehentlich vor dem Deckenfertiger abgekipptes Asphalthäufchen fällig gewesen! Wackeldackel „Pink Vabis“ kann dies durch ein kräftiges Nicken jederzeit bestätigen.

Truck: Scania R 500;

Erstzulassung: März 2007;

Leistung: 500 PS/368 KW;

Laufleistung: 310.000 km;

Trailer: Schmitz-Alumulde mit Getreideschieber und elektrischem Schiebeverdeck;

Fassungsvermögen: 30 Kubikmeter; Besitzer: Christian Sperl, Hochdorf-Assenheim;

Fahrerin: Sigrid London, Hochdorf-Assenheim; Artwork: Lothar Bohn, Hambrücken;

Aufgabengebiet: Straßenbau- und Schüttguttransporte

Foto

Otto Miedl

Datum

23. Dezember 2011
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