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Scania-Fünfzylindermotoren in Euro 6: Die Schweden stellen neue Motoren vor

Vorstellung: Scania hat zur IAA den Fünfzylinder DC9 in Euro-6-Ausführung vorgestellt. Bei der Motorentechnik und beim Kraftstoff – Diesel oder Gas – ziehen die Schweden alle Register.

SCR only: Dieser Slogan, den Iveco im Zusammenhang mit Euro 6 verwendet, gilt jetzt teilweise auch für Scania. Denn beim neuen 9,3-Liter-Fünfzylinder in Euro-6-Ausführung fahren die Schweden zweigleisig.

In den Leistungsstufen 184 und 206 kW (250 und 280 PS) kommt zusätzlich zur SCR-Abgasnachbehandlung eine Abgasrückführung (AGR) zum Einsatz, analog zur Technik der bereits im Jahr 2011 eingeführten Euro-6-Motoren mit 12,7 Liter Hubraum. Die beiden stärkeren Varianten mit 235 und 265 kW (320 und 360 PS) kommen jedoch ohne Abgasrückführung aus. Verbunden freilich mit einem deutlich höheren Verbrauch des Reduktionsmittels Adblue.

Mit bis zu zehn Prozent des Dieselverbrauchs beziffert Scania-Motorenentwickler Magnus Mackaldener den durchschnittlichen Bedarf. Auf der Habenseite nennt er einen etwas günstigeren Dieselverbrauch, rund 45 Kilogramm Gewichtsersparnis und einen weniger komplexen Motor.

Koplettes Motorprogramm ab Ende 2013

Ob sich die Aussage „weniger komplex“ auch in einem Preisvorteil niederschlägt, bleibt abzuwarten. Interessant ist die Technik allemal für Kunden, die ab und an mit schlechter Dieselqualität zurechtkommen müssen – mit Abgasrückführung ein Problem.

Mit oder ohne AGR: In jedem Fall behält der Endschalldämpfer die Maße bei, die auch für die Euro-5- und EEV-Motoren gelten. Für die Aufbauoptionen und gewünschten Tankgrößen soll es also keine Einschränkungen geben.

Die „Chemiefabrik“ mit Oxikat (DOC), Partikelfilter (DPF) und je zwei SCR- und Ammoniak-Schlupf-Katalysatoren passt in ein kompaktes Gehäuse mit 600 Millimeter Länge. Die 9,3- und 12,7-Liter-Reihenmotoren kommen in Lkw und Bussen gleichermaßen zum Einsatz, beim neuen Niederflur-Stadtbus Scania Citywide auch quer eingebaut.

Wie die Euro-6-Lösung für den V8 aussieht, lässt Scania noch offen. Die Schweden belassen es bei der Aussage, dass das komplette Motorenprogramm spätestens zum Inkrafttreten von Euro 6 verfügbar sein wird, also am 31. Dezember 2013.

Der Ruf nach mehr Leistung als die aktuell mit Euro 6 maximal möglichen 480 PS sollte laut Scania aber ohnehin vorerst ausbleiben. Generell empfehlen die Schweden, bei der saubersten Abgasnorm tendenziell etwas weniger Leistung als mit Euro 5. Grund: Je härter der Motor arbeiten muss, um so leichter lässt sich die Temperatur für die Abgasnachbehandlung hoch halten.

Gasmotoren für Verteiler- und leichten Fernverkehr

Im Fernverkehr sollte das generell kein Problem sein, aber bei Fahrzeugen die viel „kalt“ fahren oder lange Leerlaufzeiten aufweisen, dürften sich die notwendigen temperaturtreibenden Maßnahmen – etwa Fahren gegen die Motorbremse – in einem etwas höheren Verbrauch niederschlagen.

Eine Ergänzung des Motorenprogramms gibt es schon jetzt, denn in Hannover präsentierte Scania den Euro-6-Fünfzylinder auch für den Einsatz mit komprimiertem oder flüssigen Bio- oder Erdgas. Das Prinzip kurz gefasst: Ein Ottomotor mit Zündkerzen und stöchiometrischer Verbrennung, Turbolader mit Waste-Gate-Ventil, fünf bis 20 Prozent gekühlte Abgasrückführung, Multi-Point-Kraftstoffeinspritzung und Drei-Wege-Katalysator.

Zwei Varianten mit 206 oder 250 kW (280 oder 340 PS) stehen zur Wahl. Beachtlicher als die Nennleistung ist aber das maximale Drehmoment, das mit 1.350 beziehungsweise 1.600 Nm den vergleichbaren Dieselvarianten kaum nachsteht.

Scania sieht die Einsatzfelder der Gasmotoren daher auch durchaus im regionalen Verteiler- und leichten Fernverkehr. Zumal sich der Aktionsradius einer Sattelzugmaschine mit dem optionalen Flüssiggastank gegenüber der CNG-Variante fast verdoppeln lässt: von 600 auf bis zu 1.100 Kilometer.

Autor

Foto

Leon

Datum

14. November 2012
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