Elbekanal, Brücke 6 Bilder Zoom

Sachsen-Anhalt: Werbung in eigener Sache

Werbung in eigener Sache macht das Land Sachsen-Anhalt. trans aktuell machte sich vor Ort ein Bild von der Leistungsfähigkeit der Logistikbranche.

Es kracht und ächzt. Die Gischt spritzt in hohem Bogen. Eisschollen schieben sich übereinander, um anschließend auseinander zu treiben. Ursache für dieses Spektakel ist der Eisbrecher mit dem passenden Namen Eisbär, mit dem trans aktuell auf Einladung der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt unterwegs ist. Es ist eines der Schiffe, die im Winter dafür sorgen, dass die Elbe sowie die zugehörigen Kanäle weiter befahrbar sind. Tatsächlich sind an diesem Tag allerdings nur wenige Binnenschiffe unterwegs. Rund 3.000 sind es pro Jahr stromauf- beziehungsweise stromabwärts. Zum Teil haben sie Container geladen, oft natürlich aber auch Schüttgut der unterschiedlichsten Art.  Spätestens am sogenannten Südhafen des Mittellandkanals wird aber das Kapazitätsproblem klar. Das heißt nicht, dass die Binnenschifffahrt ausgereizt wäre. Eher das Gegenteil ist der Fall. In dem erst letztes Jahr erschlossenen Gewerbegebiet ist unter anderem die Hermes Fulfilment beheimatet. Allerdings nur mit einer Immobilie, die als Reservelager sowie darüber hinaus als Umschlagpunkt für das Mandantengeschäft gedacht ist. Kunden sind in diesem Fall die Textilhersteller Tom Taylor, Wolford, Bestseller, Seidensticker, Motion Sports und Arqeonautus. »Bislang erfolgt die Belieferung sowie Abholung ausschließlich per Lkw«, sagt Thomas Herrlich, Leiter des Versandzentrums in Haldensleben, zu dem auch der Außenposten am Südhafen gehört.

Per Schiff geht noch nichts

Doch obwohl der Hafen nur einen Steinwurf entfernt ist, kommt und geht bislang nichts per Schiff. "Das ist nicht unsere Entscheidung, sondern die der Kunden", erklärt Herrlich. Und die würden bislang eben lieber auf den Zeitvorteil des Straßentransports setzen. Gleichwohl räumt er ein, dass sich das natürlich auch einmal ändern könne und man dann über diese Option froh sein werde. Die Entscheidung für Haldensleben sei eher aufgrund der guten Erreichbarkeit gefallen. Auch wenn er sich weiterhin wünscht, dass die A 14 weiter ausgebaut und "etwas näher an Haldenleben herangeführt wird". Bislang trennen das Logistikzentrum und die Autobahn noch rund zehn Kilometer. Das ist dann auch die eigentliche Logistikhochburg des zum Otto-Konzern gehörenden Dienstleisters. Burg in diesem Fall sogar doppeldeutig, da bei den jüngsten Erweiterungsarbeiten Überreste einer Burg gefunden wurde, die nun an anderer Stelle wieder aufgebaut wird. 

Hermes Fulfilment ist das größte Versandzentrum seiner Art

Das Versandzentrum von Hermes Fulfilment ist das größte seiner Art in der Unternehmensgruppe. 3.000 der insgesamt 5.000 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Die übrigen Angestellten verteilen sich auf die Zentrale in Hamburg sowie die Standorte Löhne und Ohrdruf. In Haldensleben hat man sich auf Kleinartikel spezialisiert. Dort gibt es alles, was in die auf sieben Normgrößen reduzierten Versandkartons passt. Und zwar nicht nur für Otto, sondern auch für die Versandhändler Bon Prix, Schwab, Heine, Alba Moda und Eddi Bauer. Die Textilware, die vornehmlich aus dem Nahen Osten sowie Asien kommt, landet per Schiff an den Häfen Rotterdam und Hamburg. Von dort geht es auf der Straße weiter nach Haldensleben. Rund 50 Lkw docken an den 18 Toren des Versandzentrums täglich an. Es ist der Dreh- und Angelpunkt für Versandhändler - und auch für deren Endkunden. Es wurde 1994 in Betrieb genommen und seitdem in drei Stufen weiter ausgebaut. Bislang flossen damit rund 470 Millionen Euro in den Standort, an dem mehr als 3.000 Menschen im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten.

Größter Arbeitgeber ist Hermes

Hermes ist damit nach eigenen Angaben der größte Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt. Von 4.30 Uhr morgens bis zum nächsten Tag um ein Uhr in der Früh ist Hochbetrieb. Bis zu 40.000 Kartons kommen von den Zulieferern aus aller Welt pro Tag an. Die Ware wird dann zunächst stichprobenartig geprüft. Die einfache Kontrolle, ob es Webfehler gibt oder der Stoff Flecken hat, ist dabei nur der Anfang. Stimmen Farbe und Material mit dem Muster überein? Ist die Bluse auch nach dem Probewaschen noch so groß wie zuvor? Alles Fragen, die die Qualitätskontrolle beantwortet. Wie oft diese Stichproben je Charge gemacht werden, hängt vom Kundenauftrag ab, erklärt Herrlich. Vom Wareneingang aus gehen die Kartons dann in eines der beiden vollautomatischen Hochregallager. Sie sind jeweils 200 Meter lang, 80 Meter hoch und 30 Meter breit. In Windeseile sausen die Kommissionier-Roboter durch die Gänge, und picken die Artikel heraus, die als nächste gebraucht werden. "Es geht dabei allerdings nicht nach dem System first in - first out", so der Leiter des Versandzentrums. Die Lagerhaltung sei chaotisch. Zu tief in die Karten schauen lassen möchte man sich bei Hermes aber natürlich nicht. So bleibt etwa die Frage unbeantwortet, welche Software-Lösungen zum Einsatz kommen, um doch noch Struktur ins Chaos zu bringen.

1,2 Millionen Kartons befinden sich in den Hochregallagern

In den beiden Hochregallagern befinden sich übrigens rund 1,2 Millionen Kartons. Die Bluse liegt zwischen Uhren und Mobiltelefonen. Das sprichwörtliche Chaos ist dabei nicht nur dem Umstand geschuldet, dass man nie weiß, was in welcher Menge kommt beziehungsweise nachgefragt wird. Je Hochregallager gibt es darüber hinaus vier Brandabschnitte - ein weiterer Grund für die chaotische Lagerhaltung. Denn weil die Artikel wild verteilt sind, wäre man im Falle eines Brands oder einer Überschwemmung in einer der Sektionen dennoch weiterhin lieferfähig. Von dort kommen die Kartons ins eigentliche Kommissionierungslager. Dort stellen die Mitarbeiter die Artikel händisch zusammen. Unterstützt von der EDV wissen Sie genau, welches Produkt wohin geht. Entscheidend ist an dieser Stelle allerdings noch nicht der Endkunde. Bei dieser Vorsortierung geht es vielmehr um die Versandrichtung, also etwa für den Großraum München.  Die Mitarbeiter holen die Artikel einzeln aus den Regalen und legen sie in lilafarbene Wannen.

Mittels eines Förderbands werden die Wannen zur nächsten Station gefahren - dem sogenannten Wannenpuffer. Dabei handelt es sich um das Bindeglied zwischen Kommissionierung und Versand - sozusagen das Parkhaus, in dem die Wannen grob sortiert werden. Kriterien sind dabei der Zeitpunkt, an dem die Sendung das Versandzentrum verlässt sowie wiederum die Versandrichtung. Weiter geht es auf den grünen Förderbändern zu dem sogenannten Loader-Arbeitsplätzen. Dort legen die Mitarbeiter die Artikel einzeln auf ein Transportband. Durch das automatische Scannen des Barcodes kann das System die grob vorsortieren Touren nun einzelnen Empfängern zuordnen. Im Versand werden alle Teile einer Bestellung zu einer Sendung zusammengefasst. Dazu gibt es sieben unterschiedlich große Kartons sowie fünf Tüten. Die Verpackungsgröße gibt die EDV vor. Nun kontrollieren die Versandmitarbeiter, ob alles stimmt, bevor es zum Warenausgang geht. Dort werden die Sendungen in Container geladen, die per Lkw an einen der 54 Hermes-Depots gehen.

Per Flugzeug kommen maximal zehn Prozent der Sendungen

Ein kleinerer Teil von fünf bis maximal zehn Prozent bekommt Hermes übrigens per Flugzeug. Die Frachtmaschinen steuern dabei entweder den Flughafen in Frankfurt oder aber den in Leipzig/Halle an. Auch dort findet der Nachlauf dann per Lkw statt. Zweiterer liegt zwar im benachbarten Sachsen, ist aber auch für die Anhaltiner eine wichtige Drehscheibe. Dort wiederum ist Aerologic beheimatet. Bei der Frachtfluggesellschaft handelt es sich um ein Joint Venture von DHL Express und Lufthansa Cargo. So ist der Leipziger Flughafen - wenn er im Passagierverkehr auch eher ein Schattendasein führt - für den Bereich Cargo eine große Nummer. Nach Frankfurt ist der sächsische Landeplatz der zweitgrößte Umschlagplatz für Luftfracht - auch wenn zur Main-Metropole ein deutlicher Abstand besteht. Eigentlich ist Aerologic nur für seine Mutterkonzerne unterwegs. Dennoch kann es sein, dass über diese das eine oder andere Paketstück für Hermes mit an Bord ist, womit sich der Kreis nach Haldensleben schließt. Übrigens ist der Flughafen Leipzig/Halle in Sachen Winterdienst vorne dabei. Dafür bürgen 40 Fahrzeuge für den Winterdienst, sowie 23 Enteisungsfahrzeuge. Auch an dieser Stelle ist das Eis also schnell gebrochen.

Portraits

Autor

Foto

Carsten Nallinger

Datum

5. März 2012
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