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Ronny Meixner im Profil: Kartoffel-Lieferung für den Handel

Nicht nur mit seiner Familie hat Ronny Meixner sein Glück gefunden. Seit 2011 hat er auch den dazu passenden Job, der es ihm nunmehr ermöglicht, jeden Abend wieder daheim zu sein.

Tausende Erdäpfel fallen aus dem Kipper von Wolfgang Pluder. Er hat sie in Uelzen bei einem Landwirt geholt. Sie rollen über eine der beiden Annahmelinien von Kartoffel Deyerling in Dollbergen östlich von Hannover. Und sie landen direkt in der Produktion: waschen, sortieren und in Netze verpacken. 15 Lkw liefern täglich frische Ware an – zur Zeit sind es vor allem Frühkartoffeln. Dazu kommen einige Landwirte, die ihre Ware von den umliegenden Feldern per Traktor bringen. Alles in allem etwa 400 Tonnen. Draußen an der Rampe steht auch der DAF von Ronny Meixner. Es ist eine von vier Zugmaschine aus der kleinen Flotte von neun Kühlzügen, die Deyerling im Werkverkehr betreibt. Somit ist sichergestellt, dass die Kunden in einem Radius von rund 350 Kilometern stets pünktlich beliefert werden.

Ein Job nach der Stechuhr, im Stundenlohn bezahlt. Ronny kommt um kurz vor sieben Uhr in den Betrieb. Er holt seine Papiere, macht die Abfahrtkontrolle und geht dann ins Lager. Dort sind die Mitarbeiter von Deyerling bereits dabei, die ausgehende Ware in den auffallend bedruckten Boxen zu verladen.

Auffahrunfälle häufen sich

"Zwei Größen sind jeweils in den Netzen verpackt.", erzählt Ronny. "Zwei Kilo beziehungsweise zweieinhalb Kilo Kartoffeln. Dazu gibt es noch die richtig dicken Netze mit fünf Kilo. Die werden allerdings auf Euro-Paletten verladen." Ronny sichert die 66 Düsseldorfer-Paletten nach hinten ab. Schließlich stellt er die Temperatur auf plus sechs Grad ein. Sommerfrische für die Fracht – im Winter sind lediglich zehn Grad vorgeschrieben. Es ist eine einfache Ladung, ein Kunde, Josef Jennings auf dem Großmarkt in Wuppertal. Der Koffer ist allerdings doppelstockfähig. "Maximal 198 Düsseldorfer-Paletten kann ich laden, abhängig von der Größe der Netze, der Höhe der Boxen und wie viele Netze in den Boxen sind. Das bestimmt der Kunde."

Eigentlich ist es eine entspannte Tagestour. Ein paar Kilometer Landstraße zur A 2, weiter über die A 1, die A 46 und zum Großmarkt in Wuppertal. Aber im Radio hat Ronny von einer Vollsperrung auf der A 2 gehört, über Funk gibt ein Kollege zum Glück Entwarnung – nur zehn Kilometer Stau Richtung Berlin. Eine knappe Viertelstunde später passiert Ronny die Unfallstelle: vier Lkw sind bei Lehrte ineinander gerast, der Verkehr staut sich bis hinter das Kreuz Hannover. "Das passiert mittlerweile fast jeden Tag", sagt Ronny und warnt über Funk entgegenkommende Fahrer. "Es wird immer schlimmer. Auch die Tempobegrenzung auf 60 km/h Richtung Dortmund hat daran bislang nichts geändert. Wenn du ganz normal über die Autobahn fährst und den Sicherheitsabstand einhältst, dann rasen trotzdem viele an dir vorbei. Ausländische und deutsche Fahrer gleichermaßen. Die Polizei sollte einfach mehr Präsenz zeigen und endlich konsequenter Abstandskontrollen machen."

Keine Hetze und ein wenig Bewegung tut gut

Ronny kann ruhig bleiben, er hat keine festen Termine. Seit über einem Jahr fährt er jetzt den Dreiachser. "Der hat eine ganz andere Fahrstabilität", lobt Ronny, "und er bietet mehr Flexibilität bei Teilladungen." Bei seinem letzem Arbeitgeber, einem Frachtführer für einen deutschen Kühllogistikkonzern, zog er fast zehn Jahre nur Trailer im Nord-Süd-Verkehr. "Gutes Betriebsklima, aber viel zu enge Termine, zu viel Hetze." Ein ehemaliger Kollege überzeugte Ronny schließlich, sich bei Deyerling zu bewerben. "Allerdings war die Bedingung, dass ich baldmöglichst in die Nähe des Betriebs umziehe." Im Januar 2011 hat er die Stelle angetreten. Ein paar Moante hat er mit seiner Frau nach einer geeigneten Wohnung gesucht und sie schließlich in der Nähe gefunden. "Seither passt es. Für mich waren planbare Tagestouren wichtig, damit ich am Abend für die Familie da sein kann."

Eine Woche arbeitet er von Sonntag bis Freitag, die andere von Montag bis Freitag, im Einklang mit den Sozialvorschriften. Die Touren gehen meistens zu denselben Kunden in alle vier Himmelsrichtungen: Berlin, Northeim, Hodenhagen oder eben Wuppertal. Dort ruft er an, als er von der Autobahn abfährt. Er hat die Nummer der Warenannahme. Die nennt ihm direkt das Tor, an das er ansetzen muss. Wenig später rangiert Ronny dort rückwärts in die Thermoschleuse.
Es wird viel darüber diskutiert, wie Fahrer an der Rampe der Kunden behandelt werden. Ronny hat sich in den Jahren ein überaus gutes Verhältnis zu den jeweiligen Mitarbeitern aufgebaut – ein Vorteil der regelmäßigen Touren. Ein kurzes Gespräch hier, ein paar Worte dort, mit zwei Lang-Ameisen ist der Lkw im Team schnell entladen. "Ein wenig Bewegung nach der Fahrt tut gut, ich arbeite ja eh im Stundenlohn." Erst holt er sich einen Kaffee, dann lässt er die Papiere unterschrieben. Auf dem Rückweg nach Dollbergen steht fest, dass er morgen wieder nach Wuppertal fahren wird. Das klingt nach Routine. "Klar, es ist oft dasselbe. Aber ich würde nie in den Fernverkehr zurück gehen."

Kindheitstraum Lkw-Fahrer

Fahrer wollte Ronny schon als Kind werden. Seine Frau weiß, was er tut, schließlich war sie selbst auch mal Fahrerin. "Das hilft", sagt Ronny. Mittlerweile sind fünf Kinder zu versorgen. Das kostet – auch Kraft. Ob er den Beruf ewig machen wird, weiß er nicht. "Ich werde letzten Endes auf meine Kinder hören, wenn es Zeit für eine Alternative sein sollte. Aber vorerst kann ich mir einen besseren Job als Lkw-Fahrer nicht vorstellen."

DAF XF

Hersteller: DAF (Eindhoven)
Motorwagen: DAF XF (6x2) Space Cab mit 460 PS (Euro 6), Automatikgetriebe, Retarder, Tempomat, AEBS (Notbremsassistent), zweite Achse ist Liftachse und Lenkachse zugleich. Dieseltank mit 450 Litern
Auflieger: zweiachsiger Kühlkoffer von Krone, zweite Achse als Liftachse. Kühlaggregat Vector 1550 von Carrier. Reguläres Ladevolumen für 33 Euro-Paletten oder 66 Düsseldorfer-Paletten. Alternativ: 132 Düsseldorfer-Paletten in 60er Boxen bis zu maximal 198 Düsseldorfer Paletten in 40er Boxen bei einer Doppelstockverladung.
Leergewichte: Motor­wagen: 8.953 kg; Auflieger: 8.100 kg
Zulässiges Zuggesamtgewicht: 40 t
Gesamtlänge Zug: 16,50 m

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 07/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

13. Juni 2016
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