Roman Bont, Titelthema der 80er-Jahre, Fernfahrer, Titel, 1984 7 Bilder Zoom

Titelthema der 80er-Jahre: Roman Bont war Mr. Minimack

Roman Bont schafft es 1984 mit seinem VW LT auf den FERNFAHRER-Titel – dann schlägt das Schicksal zu. Bei einem Tankstellenüberfall wird er mit 29 Kugeln niedergeschossen.

"Mein Name ist Bont", so stellt er sich vor, so steht es auf seinem Buch. Aber nicht jeder, der wie Bond klingt, führt ein aufregendes Geheimagentenleben, vor allem nicht, wenn man Bont mit "t" schreibt. "Ich lebe ganz bescheiden", sagt Roman Bont, der vor gut 30 Jahren für einiges Aufsehen in der Schweizer Chauffeursszene sorgte.

Jugend als Heimatloser

Als Kind meinte es das Schicksal nicht besonders gut mit ihm: Nachdem er eine Hirnhautentzündung erlitten hatte, verstieß ihn die Familie. Er musste ins Heim. "Eine Jugend als Heimatloser", so beschreibt die Schweizer Autorin Esther Keller Romans Werdegang in ihrem Buch. Erst auf See mit der MS Regina und dann als Lkw-Fahrer auf dem Asphalt fand er seinen Platz.

Zehn Jahre zogen so dahin, dann wollte Roman sein eigener Chef werden und hatte die Idee, aus einem kleinen Auto etwas Großes zu machen.

Er kaufte sich für 400 Franken einen VW LT 31, satte 75 PS stark. Nachtfahrverbot und Fahrtenschreiber ade, Frachtaufträge ahoi. Das lief gut, aber im Fernverkehr auf der Motorabdeckung zu nächtigen drohte ihm, den Rücken zu ruinieren. So baute Roman zuerst eine Schlafkabine aufs Dach, nach weiteren drei Monaten des Schweißens und Schraubens an seinem "Baby" zog sich die Auspuffanlage bis zum Dach empor. Ein Bullfänger umrahmte den Kühlergrill und eine Kompressorfanfare verschaffte dem Minitruck den gebührenden Respekt. Leichtmetallräder und heizbare Außenspiegel sowie eine fellverkleidete Innenausstattung inklusive TV- und Videoanlage sorgten für gewissen Komfort. Die Spiegel vergoldete er sogar, ebenso wie den Adler auf dem Dach und die Bulldogge von Mack. Das VW-Zeichen verschwand, fertig war der "Minimack". Reichlich investiert hatte er – 10.000 Franken.

FERNFAHRER machte Bont bekannt

Als er auf der Titelseite des FERNFAHRER 6/84 erschien, "war das für mich essenziell", sagt Roman heute. "Von da an ist meine Bekanntheit wie eine Rakete nach oben geschossen." Der kleinste Fernlaster Europas wurde sogar ein Thema für die internationale Presse, erst recht als Roman damit ein ganzes Jahrzehnt auf Reisen ging. Nach einem knappen Jahr in Australien verschlug es ihn nach Asien. "Japan hat mich am meisten fasziniert. Die Leute dort sind verrückt nach solchen extravaganten Fahrzeugen." Viele zückten ihre Kameras, lokale Reporter beschrieben seine Geschichte. Sogar in Werbeprospekten für japanisches Motorenöl tauchte er auf. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz fuhr er wieder im Gütertransport.

Wenn die großen Lkw in der Schweiz nicht fahren durften, dann war er unterwegs. Wie jede Nacht traf sich Roman nach seiner Tour auch am 28. Mai 1998 mit seinen Kollegen im Café einer Tankstelle in Basel. Um zwei Uhr in der Nacht holte das Schicksal Roman wieder ein: Ein Mann tauchte auf, vollgepumpt mit Drogen – in der Hand eine Maschinenpistole. Er befahl den Fahrern und dem Tankwart, zum Büroraum zu gehen. Roman war der Letzte in der Reihe. Kaum drin, feuerte der Täter das ganze Magazin leer. Von 29 Kugeln getroffen, ging Roman zu Boden. Ein Durchschuss am linken Unterschenkel, mehrere Einschüsse am rechten Arm, am linken Fuß und am Oberkörper. Der Täter ließ Roman am Boden liegen und erbeutete 2.100 Franken aus der Kasse der Tankstelle. Dann verriegelte er die Tür des Raumes, in dem sich die Opfer befanden. Durch Zufall entdeckte ein Taxifahrer die Einschusslöcher in den Wänden und öffnete die Tür. Roman wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Er überlebte die brutale Tat, aber die Angst vor der Dunkelheit blieb. An die nächtlichen Touren war nicht mehr zu denken.

Nach Überfall wird Bont Kameramann

Doch Bont wäre nicht Bont, wenn er aufgegeben hätte. Er begann, als Kameramann für das Schweizer Fernsehen zu arbeiten. Seinen Minimack wollte er für einen gemeinnützigen Zweck zur Verfügung stellen, Aber nach einem Missverständnis ließ die beschenkte Hilfsorganisation das Fahrzeug einfach verschrotten. "Ich habe geweint wie ein Kind, das hat so wehgetan. Man hätte sich doch einfach bei mir melden können und ich hätte den Kleinen abholen können. Er lief noch wie am Schnürchen. Der Minimack war mein Zuhause, mein Schatz", sagt Roman ein wenig wehmütig. Trotzdem erfüllt es ihn mit Stolz, wenn er die alten Zeiten Revue passieren lässt. "Wenn ich das Geld heute hätte, würde ich mir sofort noch einmal so ein Schmuckstück bauen."

Autor

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ETM

Datum

15. Juli 2014
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