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Riskmanagement: Bei Unfällen stets genau hinschauen

Eine unfallfreie Fahrweise erspart Fahrern und Speditionen viel Ärger und Geld. Steigt doch mit jedem Schaden auch die Versicherungsprämie. Vorbeugen lohnt sich.  

Professionelles Risikomanagement zahlt sich aus, das wurde den Teilnehmern des trans aktuell-Workshops zum Thema Riskmanagement schnell klar. Referent Ralph Feldbauer, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Risk Guard, zeigte auf, wie Speditionen aktiv selbst ihre Kosten senken und langfristig für mehr Sicherheit sorgen können. Er nahm die neun Fuhrparkverantwortlichen namhafter Speditionen mit auf eine Reise in die Welt und Grundlagen der Kfz-Risikoabsicherung im Flottengeschäft. Dabei ging es zunächst um die Theorie, bevor Feldbauer anhand konkreter Praxisfälle den besseren Umgang mit Versicherungen und Fahrern bei Unfällen erklärte.

Als detektivische Spürnase auf Spurensuche begeben

Wer als Fuhrparkleiter eine ganze Lkw-Flotte verantwortet, kann und sollte sich als detektivische Spürnase auf Spurensuche begeben – bevor ein Unfall entsteht. Wie viele Unfälle passieren etwa beim Rechtsabbiegen? Sehr gut möglich, dass sich der Kauf von Frontsichtkameras oder Zielschulungen zur Spiegeleinstellung und Nutzung für Fahrer bereits nach kurzer Zeit amortisiert haben. Als ­weitere Regel nannte Feldbauer: »Frag den, der den Schaden verursacht hat.« In welchem physischen Zustand befindet sich der Fahrer? Hat er private oder berufliche Sorgen oder gesundheitliche Probleme? Wer war schuld? Feldbauer mahnte: »Kennen Sie Ihre Fahrer und handeln Sie, wenn nötig. Jede Firma müsse einen »internen Riskmana­ger« als Ansprechpartner für die Fahrer haben.
Außerdem sollten die Chefs alle modernen Kommunikationsmittel ausschöpfen: zum Beispiel, um ihre Fahrer auf der Strecke vor Blitzeis zu warnen oder sie bei der Anfahrt an die Rampe zur Vorsicht zu ­ermahnen. Für Speditionen mit Ferndistanzen ist es gar nicht so leicht, den engen Kontakt zum Fahrer zu halten. »Ich rufe immer erst an, wenn die Rampe hinter ihm liegt und er wieder ruhig unterwegs ist«, sagte ein Teilnehmer.
Das Ausfüllen eines mehrseitigen, individuell für die Firma erstellten Schadenerfassungsbogens könne sich als erzieherische Maßnahme eignen, riet Feldbauer den aufmerksamen Zuhörern. »Wer nicht gerne schreibt, für den ist es eine Tortur, diesen in 24 Stunden abzugeben«, sagte der Referent augenzwinkernd. Wichtig sei, die Unfallmeldung schnell auszufüllen, solange das Erlebte noch gut im Gedächtnis ist. Hier müssten Fuhrparkleiter ihren Fahrern klare Regeln mitgeben und Führungsstärke beweisen.

24-Stunden-Hotline für Fahrer

Auch eine 24-Stunden-Hotline könne helfen, Fahrern in Stresssituationen beizustehen und sie professionell durch eine Unfallsituation zu begleiten, berichtete ein Teilnehmer −
von der Unfallaufnahme, der Meldung an Polizei, Spedition und Versicherung bis zum Analysegespräch. Feldbauer weiß aus der Praxis: Sonst kommt mitunter das böse Erwachen, wenn die Versicherung am Ende des Jahres die Prämie erhöht, weil die Kosten durch teure Werkstätten oder Leihwagen explodieren.
Aufzeichnungskameras vorne am Lkw könnten helfen, das Reindrängeln von Pkw oder plötzliche Spurwechsel zu dokumentieren, die in der Folge zu einem Auffahrunfall führen. Außerdem sollten Fahrer, wenn möglich, immer selbst Fotos vom Unfallgeschehen machen, etwa mit ihrer ­Handykamera. Beweise sind wichtig – für die Polizei, aber auch für die Ver­sicherung, wenn Schadenkosten geteilt werden sollen, erklärte Feldbauer.
Beim Blick hinter die Versicherungskulissen zeigte sich: Es gibt variable und fixe Kosten (etwa 19 Prozent Versicherungssteuer), welche zum erwarteten Schadenaufwand jeder individuell kalkulierten Flotte pauschal aufgerechnet werden. Doch schon die Verwaltungskosten der derzeit 126 deutschen Versicherungen reichen von 8,2 bis 29,8 Prozent. »Von den 30 Flottenversicherungsanbietern betreibt nur eine Handvoll das Geschäft wirklich professionell«, ­sagte Feldbauer. Wer angesichts vieler Schäden oft die Versiche­rung wechselt, müsse dies letztlich immer teuer bezahlen.

Bei den Schäden unterschied der Referent zwischen Bagatell-, Frequenz- und Großschäden (ab 50.000 Euro, meist mit Personenschaden). Aus seiner langjährigen Erfahrung als Riskmanager weiß er: Die Großen kündigen sich durch viele kleinere an und machen immerhin fast 16 Prozent am gesamten Schadenaufwand in Deutschland (GDV Größenklassenstatistik) aus.

Wer mit 100 Fahrzeugen 60 Bagatellschäden verursacht, ist ein kritischer Kandidat

Wer mit seiner Flotte mit 100 Fahrzeugen pro Jahr 60 Bagatellschäden hat, ist aus risikotechnischer Sicht ein kritischer Kandidat: »Es ist absolut zufallsbedingt, ob hieraus auch Personenschäden entstehen.« Wie hoch einzelne Schäden seien, darauf habe ein Flottenmanager keinen Einfluss, sagte Feldbauer. Wie oft es kracht, könne er sehr wohl beeinflussen: durch eine umfassende Erfassung der wirklich relevanten Schadendaten, eine gezielte und professionelle Analyse, treffsichere Kommunikation und im Einzelfall technische Maßnahmen, die die Fahrer dann auch verstehen und anwenden müssen. Oft benannte Fahrerschulungen kommen in professionellen Riskmanagement-Konzepten zum Schluss, nämlich dann, wenn absolute Transparenz zu den Optimierungsansätzen auch zielgenaue Schulungen ermöglichen.

Ausgelöst durch die Finanzkrise 2009 hatte die Allianz als größter Autoversicherer einen Wandel eingeläutet, der insbesondere für das Flottengeschäft galt: Mit strengen Regeln, steigenden Prämien und Kündigungen wollte sie aus den tiefroten Zahlen. Ihrem Vorbild folgten (auch ergebnisbedingt) viele andere bekannte Erstversicherer am deutschen Markt. Die Speditionsbranche müsse jetzt nachziehen, ist Feldbauer überzeugt, und professionelles Risk Management im eigenen Unternehmen einführen. Er ermahnte die Teilnehmer, ihre Fahraufträge auf deren Wirtschaftlichkeit zu überprüfen. »Praktische Fälle, beispielsweise ein Transport-Ertrag für die Strecke von Nürnberg nach Hamburg in Höhe von 196 Euro netto, zeigen im Tagesgeschäft, dass auf dieser Fahrt nur ein »angefahrener Außenspiegel« am Lkw unternehmerisch betrachtet den Auftrag komplett neutralisiert. Eine Kostendeckung kann so nicht erreicht werden, geschweige denn Gewinn erzielt werden.«

Durchblick

Wer die Kosten eines Unfallschadens genau unter die Lupe nimmt, erkennt schnell vorhandene Einsparpotenziale. Dies sind:

Direkte Kosten:

Selbstbeteiligung
Reparatur am Kfz
Mietwagen
Prämienerhöhung
Anwaltskosten
Sachverständiger
Abschleppkosten

Indirekte Kosten:

Arbeitszeitverlust
Gehalt im Krankheitsfall
Wertminderung Lkw
Standzeit Fahrzeug
Umsatzverluste
Imageschaden

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Datum

3. Januar 2013
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