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Reifen: Vom Zwei-Mann-Betrieb zum Großunternehmen

Der Reifenhändler Pneuhage aus Karlsruhe will seinen Kunden die günstigsten Kilometerkosten bieten und weiter wachsen.

Die Leidenschaft von Pneuhage aus Karlsruhe gehört den runden, schwarzen Dingern, ohne die sich heute kein Fahrzeug bewegt. Erwin Schwab, Geschäftsführer Reifendienste Süd/Ost, ist sich sicher: "Ein Reifenhändler ist nur erfolgreich, wenn er alle Kunden bedienen kann" – woran Pneuhage fleißig arbeitet.

Vom Pkw-Segment zu den Lkw-Reifen

Der Reifenhändler Pneuhage hat sich vom Zwei-Mann-Familienbetrieb innerhalb von rund 60 Jahren zu einem gewichtigen Serviceanbieter mit eigenem Großhandel entwickelt und ist weiter auf Expansionskurs. "Wir wollen in Deutschland sukzessive eine Flächendeckung entwickeln", gibt Pneuhage Süd/Ost-Geschäftsführer Erwin Schwab als Ziel aus.

Das Unternehmen hat sich neben dem Pkw-Segment auf die großen Reifen spezialisiert und bietet diese für Nutzfahrzeuge aller Art an – von Transporter- und Lkw-Reifen über solche für Industrie-, Agrar- und Erdmaschinen. "Der Markt zeigt uns, dass wir alles machen müssen – aber qualitätsvoll", so Schwab.

Bridgestone neuer Partner

Mit dem eigenen Interpneu-Großhandel bedient Pneuhage Reifenhändler und Werkstattpartner. "Die Lager der Hersteller und Einzelhändler sind meist schnell leer", ist Schwabs Erfahrung. Da muss der Händler ran. In einem neuen Joint Venture ab 2017 führt Pneuhage die 47 deutschen First Stop-Filialen des Herstellers Bridgestone sowie das Franchise-Konzept ein. "Das wird uns in der Flächendeckung weiterhelfen", sagt Schwab.

Da besonders die Speditionskunden stets unter Zeitdruck sind, setzt Pneuhage auf spezialisierte Monteure und Mobileinheiten, die zum Kunden auf den Hof oder zur Pannenhilfe auf der Autobahn fahren. Seine mobilen Services erweitert der Händler seit den 90er-Jahren, rund 300 Mitarbeiter schwärmen heute täglich aus. Im Gepäck haben sie neben Beratung und Serviceleistungen diverse Reifentypen und -marken vom Budget- bis zum hochpreisigen Qualitätssegment. Je nach Einsatzart ist mal das eine, mal das andere sinnvoll.

Günstige Neureifen versus runderneuerte Qualitätsreifen

Dass Bridgestone sich einen Partner fürs deutsche Netz gesucht hat, liegt laut Schwab an der hohen Diversität: "Der deutsche Markt ist sehr komplex, mit einer Vielzahl an großen und kleineren Kunden, viele aus dem klassischen Mittelstand. Als Reifenhändler müssen wir alle Strukturen bedienen können." Dabei helfen lokale Filialen.

Die Runderneuerung ist bei Pneuhage ein wichtiger Bereich. In zwei eigenen Runderneuerungsbetrieben werden abgefahrene Reifen professionell aufgearbeitet. Jedoch konkurrieren die Runderneuerten mit günstigen Neureifen aus Asien, die angesichts niedriger Rohstoff- und Transportkosten preislich höchst attraktiv sind. "Im Moment sind die Billigprodukte fast preisgleich zu runderneuerten Qualitätsreifen", bedauert Schwab.
Rund 180.000 neue und 90.000 runderneuerte Lkw-Reifen – "mit einer Laufleistung wie ein Neureifen" – bringt der Händler jährlich in den Markt.

Lizenzverfahren von Michelin für Runderneuerung

Mit Aktionen und Laufleistungstests will Pneuhage weitere Neukunden für das Segment gewinnen, die "mit einer hochwertigen Gummi­mischung" im Michelin-Lizenzverfahren in Karlsruhe und Nossen bearbeitet werden. In Wulften wird nach der Lizenz des Herstellers Bandag erneuert. Ob nun neu oder runderneuert: "Der Kunde soll am Schluss die günstigsten Kilo­meter­kos­ten haben", bekräftigt Schwab. Für preisbewusste Kunden importiert Pneuhage exklusiv eine günstige Marke: "Westlake" heißt der Qualitätsreifen, der seit dem Jahr 2014 in gemeinsamer Entwicklung mit dem chinesischen Hersteller Zhongce Rubber entsteht.

International will Pneuhage ohnehin weiter wachsen und zunehmend Großkunden über die Pneuhage Service Gesellschaft bedienen. Für einen umfassenden Service hatte das Familienunternehmen 2014 gemeinsam mit den Reifenhändlern Helm und Günther den Service Pneunet als Komplett-System für Flotten mit Lkw und Stapler gegründet. Pkw werden über die Organisation Fleet-Partner abgedeckt. Mittlerweile zählt Pneunet 400 Lkw-Standorte in der DACH-Region und in Polen. Etwas schwach aufgestellt sei Pneunet noch in der Region Nürnberg, sagt Nutzfahrzeug-Verkaufsleiter Dirk Gleinser. Doch das soll sich bald ändern. Neue Partner-Werkstätten werden per Audit integriert.

Wo Pneunet und Pneuhage draufsteht, soll dies auch drinnen sein – dafür soll die unternehmenseigene Akademie mit entsprechenden Schulungen sorgen. 180 eigene Azubis bildet das Unternehmen momentan aus, ständig mehr als  zehn Prozent Ausbildungsquote sind das Ziel. Spezialisierte Schulungen für sämtliche Mitarbeiter sind Pflicht. Alleine 60 Azubis werden zu Reifen-Mechanikern und Vulkaniseuren ausgebildet. Pneuhage will weiter wachsen, und das geht nur mit zufriedenen, gut qualifizierten Mitarbeitern.

Das Unternehmen
  • Pneuhage wurde 1953 in Karlsruhe gegründet, Geschäftsführer des Familienunternehmens ist Peter Schütterle
  • 1.600 Mitarbeiter, rund 455 Millionen Euro Umsatz 2016 (plus neun Prozent zum Vorjahr), 90 deutsche Pneuhage- und 27 Ehrhardt-Filialen sowie rund 540 Reifen1+-Vertriebspartner, drei Zentrallager mit 30.000 Nfz-Reifen und 1,25 Millionen Pkw-Reifen und 200.000 Alufelgen, drei Runderneuerungsbetriebe
  • Kunden im Pneunet Nfz-Flottennetzwerk: 43.000 Einheiten unter Vertrag, etwa Schmitz Cargobull und DSV

Foto

Pneuhage

Datum

30. Januar 2017
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