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Rallye Trial Germany - Kallinchen: Ganz schön heftig

Bei wenigen Startern ist nichts los? Irrtum! Der Rallye Trial am ersten Juni-Wochenende in Kallinchen südlich von Berlin hatte fast schon zu viel „Äkschn“!

Von „A“ wie Ausfall bis „Z“ wie Zusammenstoss und am Ende ein fettes „P“ wie Protest - da war einfach alles drin. Die Ausfälle sind meist dem sehr anspruchsvollen Kurs in der brandenburgischen Provinz geschuldet. Leider hatten nur wenige Starter den Weg zum einstigen Stasi-Fahr-Ausbildungsgelände gefunden: Vier Teams in der Klasse bis 7,5 und drei in der Gewichtsklasse drüber. Diese tolle Off Road-Rundstreckenveranstaltung hätte mehr verdient. 

Klarer Favorit in der kleinen Klasse ist Baja Saxonia 2010-Sieger Ralf Finkel mit seinem giftgrünen Unimog. An ihm messen wollen sich Markus Hey, Günther Kaiser und Michael Remm aus Lage mit der Premiere ihres neu aufgebauten (wir berichteten) Rallye-Unimog. Die andere Hälfte des Starterfeldes war eine Familienangelegenheit der Zirbes’ mit Hummer und Steyr. Bei den Großen tummelt sich eine bunte Mischung: Wätzig/Fischer/Nicklaus mit einem Ural 4320 versus Mühmel/Hedrich mit ihrem MAN M 2000 und dem gemeldeten Ehepaar Jansa aus Tschechien mit dem Tatra 815, die dann jedoch nicht antraten.Hätten Markus Hey und seine Teampartner geahnt, wie gut es laufen würde, Markus hätte am Anfang mutiger aufs Gas gedrückt. So mussten sich die Ostwestfalen (na ja, die sind ja bekanntlich so etwas wie die Schweizer Deutschlands, also naturbedingt nicht so waaaahnsinnig schnell!!) beim ersten Einsatz des neuen OWL-Rallyemogs „nur“ mit dem Klassensieg begnügen. Am Ende der drei Wettkampftage fehlten dreizehneinhalb Minuten auf den Truck-Gesamtsieg (große und kleine Klasse gemeinsam gewertet). „Das war sensationell. An unserem Auto hat nichts geklappert, wir haben keine Teile abgerüttelt und keinen Defekt gehabt,“ zeigt sich Günther Kaiser von der eigenen Arbeit der zurückliegenden Monate begeistert. Zum guten OWL-Ergebnis trägt aber auch das Missgeschick der anderen Starter bei, deren Fahrzeuge den Strapazen nicht so gut gewachsen waren. Ralf Finkel parkte seinen Unimog frühzeitig, nachdem besorgniserregende Geräusche aus dem Antriebsstrang Unheil ankündigten. Zuvor hatten er und der Wätzig-Ural einmal den Zirbes-Hummer mittels eines zur Schubstange umfunktionierten Baumstammes von der Piste geschoben. Das amerikanische Schwermetall blockierte die Piste an einer engen Stelle, weil angeblich der Motor zu überhitzen drohte. Dabei war wenige Meter entfernt genügend Ausweichraum verfügbar. „Das war eine gezielte Unsportlichkeit,“ schimpfte ein anderer Teilnehmer über das Verhalten der Hummer-Besatzung, die wenig später erneut im Mittelpunkt des Interesses stand.

Den Schreck seines Lebens hat vermutlich Hummer-Pilot Zirbes erfahren, der einen Augenblick lang annehmenmusste, seinen eigenen - neuen - Copiloten ums Leben gebracht zu haben. Der steht nämlich vor dem Fahrzeug um das Bergseil des - mal wieder - havarierten Krustentieres zu lösen, als sich nach Schilderung von Uwe Zirbes durch einen technischen Defekt infolge der Havarie plötzlich die Bremsen lösen. Der Beifahrer gerät unter das Fahrzeug, das erst durch den zuvor abschleppenden teameigenen Steyr gebremst wird. Dank des weichen, tiefen Sands, der glatten Rutschplatte und der großen Bodenfreiheit unter dem Hummer erleidet Richard Hatting „nur“ Brüche an Finger und Sprunggelenk, Schürfungen und Prellungen. Hier haben die Schutzengel offensichtlich Überstunden gemacht!Ganz so tief kann der Zirbes-Schock aber nicht gewesen sein, hatte der Hummerfahrer doch genügend Kapazität, Protest gegen die Wertung einzulegen. Die Rennleitung hatte beide Zirbes-Fahrzeuge nämlich entsprechend der seit Bestehen des RTG geübten Praxis aus der Wertung genommen. Das war bisher immer dann der Fall, wenn Fahrzeug nach einem Defekt nicht wieder in den Wettkampf zurück gebracht werden konnte. Jetzt muss Veranstalter Jörg Schumann lernen, dass diese Praxis im Regelwerk nicht ausdrücklich festgeschrieben ist, dem Protest stattgeben und dem Hummer Racing-Team bauchgrimmend entsprechende Meisterschaftspunkte gutschreiben. Dem OWL-Premierensieg tut das keinen Abbruch: Mit den entsprechenden Strafzeiten versehen trennen Ostwestfalen und den Rest der Welt runde 20 Stunden und das Bewusstsein, ein Fahrzeug mit Nehmerqualitäten auf die Räder gestellt zu haben!

Bei den Trucks über 7,5 Tonnen siegte tatsächlich das russische Altmetall vor dem Bayern im Dakar-Look mit fast drei Stunden Vorsprung. Verkehrte Rallye-Welt!Ein „Highlight“ der negativen Art spendierten die Geländewagenfahrer, als ein Auto nach Überschlag auf die Räder gedreht Feuer fing und komplett ausbrannte. Schönen Gruß an die Baja! Ganz schön heftig, der Rallye Trial Germany Nummer elfeins. 

Foto

Christa Remme/Michael B. Remme

Datum

8. Juni 2011
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