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Rallye Breslau 2010: Modefarbe grau: Hellgeth und Chemnitz vorne

Heftige Diskussionen im Vorfeld der 16. Auflage der Rallye Dresden - Breslau rund um die neue Organisationsstruktur und -führung. Doch dann setzt sich der gute Sport durch. Am Ende trägt eine ausgelassene Party nach der Siegerehrung sichtbare Spuren deutlicher Erleichterung - bei Machern und Teilnehmern.

Nein, MAN Kat-Wetter ist das nicht: Viele trockene, schnelle aber extrem staubige Passagen. Dann doch wieder „Breslau-typisch“ in die Piste geworfene Schlammlöcher und Wasserdurchfahrten. Das verheerende Hochwasser im südlichen Polen, das bis kurz vor dem Start noch die gesamte Rallye infrage stellt, hat keine sichtbaren Auswirkungen. Spürbare schon. Jedenfalls dann, wenn man die Piste verläßt und in einer fetten, bodenlosen Wiese bis zur Türklinke einsumpft. Chance für die neue „Berge-Brigade“ um Achim Lust und Ralf Winkel, ihr Können zu beweisen. 

Krzysztof Ostaszewski beißt ins Lenkrad. Es ist erst Tag zwei der diesjährigen Breslau. Die Wertungsprüfung (WP) führt durch bekanntes Terrain: Gerade erst hat der Mehrfach-Breslau-Sieger hier im Süden von Leipzig die Baja Saxonia absolviert und jetzt will sein niegelnagelneuer Mercedes-Benz Zetros nicht diese verdammte kurze Steigung hinauf. Vier, fünf Anläufe. Lachhaft, wenn zuvor jeder noch so kleine Uralt-Unimog 404S - tuckertucker - diesen Hang auf Anhieb erkraxelt. Von den sauschnellen Hightech-Varianten des UniversalMotorGeräts einmal ganz abgesehen: Steffen Braun mit dem schwarzen (!) Mog ebenso wie Ralf Finkel mit dem giftgrünen Markenbruder. Und natürlich die Hellgeth-Brüder, die vor zwei Jahren alle Geländewagenfahrer mit dem Gesamtsieg schockten. Der unscheinbar grau lackierte Mittelmotor-Prototyp mit der Straßenzulassung als Versuchträger - schließlich ist Hellgeth Engeneering ein Spezial-Fahrzeugbauunternehmen - pfeift erneut mit seiner Gasturbinen-Akustik die Begleitmusik zu einem neuerlichen, grandiosen Start-Ziel-Sieg bei den Trucks bis 7,5 Tonnen. Anfangs markieren Holger Brauwers und Marcel Kotschate aus Seesen noch wie in den Vorjahren die Manndecker-Position, brennen ihren kleineren aber ebenfalls grandios schnellen Mog als roten Punkt in die Hellgeth-Rückspiegel. Doch dann das vorzeitige Aus - Motorschaden und letztlich noch gewertet als Vierzehnte mit fast 40 (!!!) Stunden Rückstand auf die Sieger. 

Endlich, der Ostaszewski-Hauber schiebt sich im sechsten Versuch mit Mühe über die Kante, kann die Verfolgung aufnehmen - um dann in der nächsten Runde erneut mit Riesen-Verspätung aufzutauchen. Grund: Der Pole hat sich den Tank am Daimler-Truck aufgerissen, verliert bei der längeren Abdichtungsaktion viel Zeit - fünfeinhalbStunden auf den WP-Schnellsten und 2006er Sieger Harald Chemnitz. Technische Probleme auch am Tatra der tschechischen Svoboda-Brüder, drei Stunden verlieren sie in dem Gelände, in dem sie gerade erst die Baja gewonnen haben. Erste Vorentscheidungen bei den großen Trucks also schon an Tag zwo. Aber die Breslau dauert bekanntlich acht Tage. Viel Zeit für jede Menge Pleiten, Pech und Pannen... Immer wieder versucht „Osta“ nach Vorne zu stürmen; immer wieder wirft es ihn zurück. Wie groß muss die Sehnsucht nach dem erfolgreichen aber ausgemusterten Ural-Volvo-Verschnitt sein? Aufgeben? Das ist nicht die Sache des sympathischen Transportunternehmers aus Breslau. So muss er aus respektablem Abstand beobachten, wie sich an der Spitze aus dem Dreikampf Chemnitz - Kotterer - Svoboda gegen Ende ein Duell Chemnitz vs. Kotterer entwickelt. Deutschland gegen Österreich, IFA gegen Mercedes, alt gegen neu, Erfahrung gegen Jugend, Ausgebufftheit gegen Unerfahrenheit, Grau gegen Grün.

Zur letzten Etappe, diesmal mehr als nur finales Schaulaufen im Sand von Zagan, treten die Österreicher um Teamchef Dietmar Kotterer mit ihrem Renntechnik-befeuerten Doppel-Turboblaster mit einem hübschen Stündchen Vorsprung an. Alles klar! Denkste: Nach der Zieldurchfahrt addieren sich plötzlich satte 45 Strafminuten auf dem Konto der Vorarlberger Sternenreiter. Nur noch Platz zwei. Die Rennleitung hatte einem Chemnitz-Protest gegen die Wertung vom Dienstag (!) am Samstag statt gegeben. Clever eingefädelt von der IFA-Crew. Denn die „Axoren“ wiegen sich so in Sicherheit, haben nicht die Spur einer Reaktionschance, sportlich zu kontern. Auf einen Gegenprotest verzichten die Kotterers. „Auf dieses Niveau begeben wir uns nicht. Wir wollen unsere sportlichen Gegner auf der Piste besiegen,“ stellt ein sichtlich angefressener Teamchef nach der Zieldurchfahrt fest. Stark: Die drei Erstplatzierten Chemnitz, Kotterer und Svoboda liegen zwischen 31 Stunden und 17 Minuten bis 34 Stunden 05 auseinander. Dann klafft eine gewaltige Lücke in der Zeittabelle bis Platz vier (Ostaszewski) mit 51:59. Die Sieger bei den kleinen Trucks, die Hellgeths, addieren für die Strecke sogar nur 27 Stunden und 23 Minuten auf ihrem Zeitkonto und damit mehr als fünf Stunden vor den nachfolgenden Trucks. Bei den Geländewagen, mit denen zusammen es wegen teilweise unterschiedlich gefahrener Routen diesmal keine Gesamtwertung gab, hätte das zu Platz drei gereicht - zwei Minuten hinter dem Zweitplatzierten. Die Siegertrucks mögen sich hinter einem mausgrauen Anstrich verstecken. Die Rallye Breslau leuchtete am Ende wieder in kräftigen Farben. Bitte weitermachen, nicht diskutierten!

Foto

Lisa Bahr, Klaus-Peter Kessler

Datum

13. Juli 2010
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