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Quehenberger Logistics: Schlagkräftiges Netzwerk

Quehenberger Logistics ist auf den Bereich Südosteuropa abonniert. Warum dabei der deutsche Markt für das österreichische Unternehmen so wichtig ist, erklärt Vorstand Klaus Hrazdira.

Erst seit 2010 ist Quehenberger Logistics wieder eigenständig am Markt und ist seitdem dabei, die Flotte und vor allem die Präsenz vornehmlich in Südosteuropa auszubauen. Das Unternehmen will im Dreieck Deutschland– Russland–Türkei zu einem der wichtigsten Player im Logistikbereich werden, wie Vorstand Klaus Hrazdira im Gespräch mit trans aktuell-Redakteurin Ilona Jüngst sagt.

trans aktuell: Herr Hraz­dira, Quehenberger hat im Mai die Firma Transalkim mit Sitz in Schwieberdingen übernommen. Warum?

Hrazdira: Das Unternehmen hat mit seinen drei deutschen Standorten sowie mit seinen Standorten in Rumänien und Ungarn und seinen Verkehren in die Türkei und nach Griechenland gut zu uns gepasst. Die deutschen Standorte sind eine gute Abrundung für uns: Etwas mehr als die Hälfte unseres Umsatzes machen wir mit Unternehmen, die ihre Zentrale in Deutschland haben oder in deutschem Eigentum sind.

Haben Sie weitere Pläne für eigene Standorte in Deutschland?

Durchaus. Das muss aber nicht durch eine Übernahme sein, das kann auch organisch sein, oder wenn wir ein gutes Team finden, das mit uns zusammenarbeiten möchte. Es gibt natürlich noch Regionen, in denen es für uns sehr interessant wäre, tätig zu sein. Wir sehen die fünf Standorte, die wir jetzt haben, als gute Basis, um den deutschen Markt vertriebstechnisch besser bearbeiten zu können.

Vergangenes Jahr haben Sie von Logwin Standorte in Südosteuropa übernommen. Wie haben die sich entwickelt?

Die Standorte sind im Wesentlichen voll integriert und laufen für uns sehr zufriedenstellend. Das war eine sehr gute Ergänzung, um in diesen Ländern eine kritische Masse zu bekommen, vor allem im Stückgutbereich. Wir haben ja dort sowohl nationale Stückgutaktivitäten zur Verteilung für die Produkte unserer Kunden als auch internationale Stückgutverkehre angebunden, vor allem nach Österreich und Deutschland.

Dafür arbeiten sie beispielsweise in Polen mit der deutschen Geis-Gruppe zusammen. Wollen Sie den Kooperationsgedanken noch auf weitere Länder ausweiten?

Mit Geis haben wir eine strategische Partnerschaft geschlossen, im Zuge derer wir unsere damaligen Standorte in Polen an Geis abgegeben haben, weil Geis seine Stückgutaktivitäten in diesem Raum ausbauen wollte. Im Gegenzug hat Quehenberger von Geis Verkehre für Österreich und Südosteuropa übernommen. Damit haben wir die Stärken von Geis und Quehenberger in dem Markt gebündelt und es ist uns gelungen, ein regionales, schlagkräftiges Netzwerk herzustellen. Die Zusammenarbeit mit Geis wollen wir daher auch kontinuierlich ausbauen. Wenn sich entsprechende Partner in anderen Regionen – vor allem Westeuropa – anbieten, dann wollen wir auch in dieser Richtung gemeinsam mit Geis weitergehen.

Aber nur zusammen mit Geis?

Prinzipiell ja. Wir suchen Partner, die auch einen größeren Wirtschaftsraum für uns beide abdecken können. Der Hintergrund ist der, dass wir die Komplexität aus der ganzen Thematik Netzwerk herausnehmen wollen, aus der Kommunikation, der Abstimmung der Netzwerke und so weiter.

Je weniger beteiligt sind, ­desto leichter geht’s.

Genau. Wir kommen ja aus einer Welt, wo es sehr viele bilaterale Verkehre gegeben hat, fast zu jeder größeren Stadt und da ist es natürlich schwierig, einem Kunden einheitliche Standards anzubieten. Wenn man viele unterschiedliche Partner hat, wird’s schwierig, sowohl was die IT anbelangt als auch die Servicequalität.

Sind auch standardisierte Angebote die Lösung?

Was die technische Lösung betrifft, ja. Das Front-end, also unsere Mitarbeiter, werden aber darauf basierend dem Kunden immer verschiedene Produkte und Servicequalitäten anbieten, wie verschiedene Laufzeiten, Frühzustellung oder Zusatzservices wie unser neu gestartetes Produkt QHome, bei dem wir im Auftrag von Miele die Zustellung von Weißware direkt an den Kunden organisieren – mit Montage und Retoure der Altgeräte. Flexibel bleiben wir also trotzdem.

Ist Effizienz die Voraussetzung, um im Stückgutmarkt überhaupt noch Gewinn zu erzielen?

Das ist eine der Voraussetzungen. Was auf uns auch zutrifft ist, dass wir uns nicht auf den heiß umkämpften Märkten wie etwa dem deutschen Inlandsgeschäft bewegen, sondern wir hauptsächlich Verkehre nach Südosteuropa anbieten, was noch nicht vollständig von bestimmten Playern abgedeckt wird.

Welches sind in der Region denn in den nächsten Jahren die wirklichen Wachstumsländer?

Abgesehen von der Türkei, die eine Sonderrolle spielt, sehen wir vor allem Rumä­nien stark wachsend. Das ist in den letzten Monaten nochmals durch den Ukraine-Konflikt bestärkt worden, weil einige Unternehmen, die in der ­Ukraine etwas starten wollten oder gestartet haben, wieder nach Rumänien zurückgegangen sind. Der Export ist stärker als der Import, die Produktionen kommen immer mehr in Schwung, wobei vor allem die Automotive-Zulieferer stark vertreten sind. Den Trend sehen wir auch in der Zukunft.

Und weiter?

Für Bulgarien sind die Erwartungen deutlich gebremster, das Land muss noch viele Hausaufgaben machen. Richtung Ex-Jugoslawien sind die Märkte zwar deutlich kleiner und haben damit nicht das Potenzial wie Rumänien, aber die Teilrepubliken bieten aus unserer Sicht  doch auch dynamische Märkte. In Mazedo­nien etwa versucht die Regierung sehr viel, um ausländische Investoren anzuziehen. Das gelingt auch zu einem guten Teil, etwa im Bereich Automotive.

Wie sieht es denn mit der Türkei aus? Auf der Netzwerkkarte von Quehenberger ist das noch ein weißer Fleck.

Halb weiß vielleicht. Wir haben keine eigenen Standorte, pflegen aber eine enge Partnerschaft mit Transalkim Türkei. Das Unternehmen hatte und hat mit Transalkim Deutschland keine finanzielle Verflechtungen, aber enge partnerschaftliche Beziehungen, die heute auch für Quehenberger Deutschland gelten. Transalkim Türkei ist in Istanbul und Izmir vertreten.

Haben Sie dahingehend schon regelmäßige Verkehre?

Unser Hub in Salzburg ist natürlich angebunden. Wir wollen von der Türkei die Verkehre zu unseren osteuropäischen Standorten forcieren, etwa zwischen Rumänien und der Türkei oder auch Russland.

Wie laufen derzeit die Geschäfte in der Ukraine?

Die Auswirkungen der ­Krise sind nicht so dramatisch, wie man vielleicht annehmen würde. Wie ich schon gesagt habe, gab es einige Unternehmen etwa aus dem Retail-Bereich, die in der Ukraine expandieren wollten – die haben ihre Pläne zumeist aber schon Ende 2013 auf Eis gelegt. Wir haben jetzt geringere Mengen vor allem im Export aus der Ukraine, aber zum Beispiel der Konsumgüterbereich ist in etwa unverändert gegenüber der Vor-Krisen-Zeit.

Und Russland?

Da gibt es weniger Probleme wegen der Sanktionen, oder zumindest nur punktuell, etwa im Bereich der Dual-use-Güter. Auf russischer Seite sind hingegen einige Kunden aus dem Lebensmittelbereich von den Sanktionen betroffen. Aber das hält sich alles im Rahmen. Was wir aber schon vergangenes Jahr bemerkt haben, sind die Probleme der russischen Wirtschaft – die massive Abwertung des Rubels hat den größeren Einbruch gebracht. Wobei bei uns dort schon mehr als die Hälfte innerrussisches Geschäft ist, sodass wir von der Import- und Export-Situation nicht allzu belastet sind. Wir sind seit 20 Jahren in Russland tätig und konnten unsere Inlandsstruktur ausbauen – das kommt uns jetzt zugute.

Der russische Markt ist groß – ist da von Quehenberger weiteres Wachstum geplant?

Kontinuierlich. Erst im September haben wir den achten Standort in Ufa in der Wolga-Region eröffnet. Natürlich ist eine Expansion immer abhängig von der Nachfrage der Kunden sowie von der Frage, wo wir geeignete Mitarbeiter bekommen.

2013 haben sie ein Wachstum von sechs Prozent erzielt, wobei der Bereich Transportmanagement sogar um 23 Prozent zugelegt hat. Was steckt dahinter?

Das sind im Wesentlichen die Bereiche Full-Truck-Load und Intermodal. Wobei das Wachstum in erster Linie aus den Bereichen kommt, in denen intelligente Lösungen angeboten werden.

Können Sie ein Beispiel geben?

Für einen Großkunden aus dem Konsumgüterbereich aus Deutschland, der mehrere Werke und auch Distributionsläger in angrenzenden Ländern hat, führen wir etwa einen Trailer-Yard. Wir stellen dafür rund 100 Auflieger bereit, die an den verschiedenen Werken zur Verladung stehen und dann von uns nach Fahrplänen im Zwischenwerksverkehr ausgetauscht werden.

Welchen Stellenwert hat das Thema Intermodal?

Dort wickeln wir für unsere Kunden etwa komplexe Konzepte entlang der gesamten Lieferkette ab. Aber das Thema macht aus unserer Sicht erst ab einer Hauptlaufstrecke von 1.000 Kilometer Sinn. Alles darunter ist sowohl preislich als auch von der Laufzeit her eher schwierig darzustellen.

Damit schlagen Sie weit aus – zumeist ist von einer Mindestdistanz ab 500 Kilometern die Rede.

Unsere Hauptverkehre sind vom Hub in Neuss nach Rumänien, Griechenland und die Türkei. Damit haben wir die 1.000 Kilometer schon deutlich überschritten.

Seit 2010 ist Quehenberger nach einer bewegte Geschichte wieder selbstständig. Was planen Sie die nächsten Jahre?

Geografisch wollen wir gar nicht unbedingt über das Dreieck Deutschland−Russland−Türkei hinauswachsen. Wir wollen aber unsere Präsenz in dem Raum verstärken und der wesentliche Player dort werden. Wir wollen uns auf unsere Kernbranchen fokussieren und das Know-how und das Spezialequipment dort zusätzlich ausbauen. Und natürlich haben wir einen Wachstumspfad für die nächsten fünf bis sechs Jahre. Den will ich nicht nennen, aber zumindest mit unserem organischen Wachstum orientieren wir uns an den Raten von 2013.

Das Unternehmen

2010 kaufen der ehemaligen Thiel-Vorstand Christian Fürstaller (CEO) sowie Rodolphe Schoettel (CFO) den Landverkehrsbereich Osteuropa und das Netzwerk in Österreich von dem Konzern Logwin/ehemals Thiel zurück, der 2001 die R.Quehenberger Spedition übernommen hatte. 2012 übernimmt das Unternehmen mit Sitz in Straßwalchen den Expressdienstleister X1 Expres. 2013 beläuft sich der Umsatz auf 425 Millionen Euro, an 89 Standorten werden 2.600 Mitarbeiter beschäftigt. Der eigene Fuhrpark mit 500 Fahrzeugen deckt etwa acht Prozent des Transportvolumens ab, die restlichen
92 Prozent wickelt Quehenberger mit Frächtern ab, die teil­weise längerfristige Zeitverträge haben.

Ilona Jüngst

Autor

Foto

Quehenberger

Datum

22. Oktober 2014
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