Max Wild, Bauunternehmen, Oberschwaben Zoom

Qualifizierung: Quereinsteiger gesucht

Azubis auf dem Lkw sind in Oberschwaben rar. Deshalb geht das Bauunternehmen Max Wild bei der Akquise künftig einen neuen Weg.

Erfolgreiches Familienunternehmen, herrliche Landschaft und ein Fuhrpark, bei dem Männerträume wahr werden – eigentlich sollte Max Wild keine Nachwuchssorgen haben. Dennoch wird es für den Bau- und Transport-Spezialisten aus dem oberschwäbischen Berkheim immer schwieriger, angehende Berufskraftfahrer zu finden. Der Arbeitsmarkt in der Region ist durch große Metall verarbeitende Betriebe so gut wie leer gefegt.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Ausbildung zum Berufskraftfahrer bei den meisten Jugendlichen nicht gerade oben auf der Wunschliste steht. Und von den wenigen, welche die dreijährige Fahrerausbildung beginnen, bringen sie längst nicht alle erfolgreich zu Ende, wie Paul Sontheimer erzählt. Der Kraftverkehrs- und Kfz-Mechanikermeister ist bei Max Wild für die Ausbildung des Fahrernachwuchses zuständig.

240 Mitarbeiter besitzen den Lkw-Führerschein

Von den 400 Mitarbeitern besitzen, wie er vorrechnet, etwa 240 den C1E- beziehungsweise CE-Führerschein. Etwa ein Viertel von ihnen wird in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen. Die jährliche Handvoll BerufskraftfahrerAzubis ist überlebenswichtig für das Unternehmen. "Es bleibt schon jetzt ab und zu ein Lkw stehen, weil der Fahrer fehlt – das hätte es vor fünf Jahren nicht gegeben", beschreibt Sontheimer die dramatische Situation.

Verkürzte, innerbetriebliche Fahrerausbildung

Daher geht Max Wild nun mit einem neuen Ausbildungskonzept an die Öffentlichkeit: einer verkürzten, innerbetrieblichen Fahrerausbildung. Zielgruppe sind Quereinsteiger. "Qualifizierte Leute, die bereits eine andere Ausbildung abgeschlossen haben, eine gewisse Reife mitbringen und das hier wirklich wollen", bringt es Sontheimer auf den Punkt. Sie sollen eine sechsmonatige Schnellausbildung erhalten – inklusive CE-Führerschein und beschleunigter Grundqualifi­kation.

Mitfahren und Mitarbeit im Baustelleneinsatz

Ähnlich wie die regulären Azubis durchlaufen die Quereinsteiger zunächst diverse Stationen im Betrieb, nur eben flexibler, auf ihre jeweiligen Vorkenntnisse abgestimmt. Zentraler Bestandteil ist das Mitfahren und die Mitarbeit im Baustelleneinsatz. "Das bedeutet nicht, die ganze Zeit nur mit der Schaufel herumzustehen", beruhigt der Ausbildungsleiter. Vielmehr gehe es darum, nicht nur die Lastwagen besser kennenzulernen, sondern auch das Zusammenspiel von Kipper, Bagger und Radlader perfekt zu verinnerlichen.

Der Fahrunterricht beginnt dann im vierten Monat beim Ausbildungszentrum für Transport und Verkehr in Memmingen. Durch Kompaktkurse sollen die Quereinsteiger den C/CE-Führerschein und die beschleunigte Grundqualifikation nach nur zwölf Wochen in der Tasche haben. "Danach sind es vollwertige Fahrer, die auf unserem kleinsten Typ, dem Vierachskipper, eingesetzt werden", sagt Sontheimer. Und muss selbst schmunzeln, dass bei Max Wild schon die kleinsten Lastwagen ziemlich groß sind.

Voraussetzung für den Traumjob im Kipper, Sattelzug oder Schwertransporter ist aber nicht nur Fleiß und Lernwille. Wer auf diesem Wege zum Berufskraftfahrer werden will, muss aus rechtlichen Gründen mindestens 21 Jahre alt sein, eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und den Führerschein der Klasse B besitzen.

Pendeln am Wochenende funktioniert nicht auf Dauer

Von den Interessenten aus dem weiteren Umkreis wünscht sich Max Wild zudem, dass sie mittelfristig in Oberschwaben sesshaft werden. "Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass das Wochenendpendeln auf Dauer einfach nicht funktioniert", berichtet Sontheimer. "Bei der Wohnungssuche oder dem vorübergehenden Pendeln sind wir natürlich behilflich." Wer sich darauf einlässt, der findet vielleicht einen Job fürs restliche Berufsleben.

Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

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Johannes Roller

Datum

27. Januar 2014
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