Lkw, Parkplatz, Fahrer, Rasthof, Ruhezeit Zoom
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Prognose des Bundesamts für Güterverkehr

Branche im Aufwind

Das BAG sagt gute Umsätze und Erträge für den Transportsektor voraus: In diesem Jahr soll die Verkehrsleistung in Deutschland um 1,5 Prozent zulegen. Allerdings schwächeln Schiff und Bahn.

Weil das wirtschaftliche Umfeld insgesamt günstig bleibt, werden auch für den Güterverkehr positive Werte vorhergesagt. So sollen nach Aussage der neuen Mittelfristprognose des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) in diesem Jahr die Verkehrsleistung in Deutschland um 1,5 Prozent zulegen und die Beförderungsmenge um 1,2 Prozent. Für die Zeit von 2018 bis 2020 sollen die Wachstumsraten jährlich bei durchschnittlich 1,3 Prozent (Leistung) beziehungsweise bei 0,5 Prozent (Aufkommen)  liegen. Mit Ausnahme der Rohöl-Leitungen werden von diesem Wachstum alle Landverkehrsträger profitieren.

Mit Verkehrsleistungssteigerungen von 1,9 Prozent  im laufenden Jahr sowie durchschnittlich von 1,4 Prozent im Jahr bis 2020 fallen die Prognosen für den Straßengüterverkehr dabei am höchsten aus. Für die Binnenschifffahrt und den Schienengüterverkehr  werden für 2017 gegenüber dem Vorjahr Leistungssteigerungen von 0,9 Prozent beziehungsweise von einem Prozent vorhergesagt – mittelfristig im Jahresdurchschnitt von 0,7 Prozent  für die Wasserstraße und 1,1 Prozent für die Schiene. Die bis 2020 prognostizierten  Mengenzuwächse sollen sich bei allen drei Landverkehrsträgern "deutlich unter einem Prozent" bewegen.

Auch 2016 war ein Wachstumsjahr

Ein Blick zurück zeigt, dass der Straßengüterverkehr auch 2016 im Vergleich zu 2015 Mengen- und Leistungszuwächse erzielte. Die Beförderungsmenge deutscher Lkw lag mit mehr als 3.110 Millionen Tonnen (plus 2,5 Prozent)  sogar erstmals wieder über dem Niveau des Jahres 2008. Dabei legten die deutschen Lkw eine Strecke von mehr als 30 Milliarden Kilometer zurück – ein Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gut ein Fünftel davon (21,5 Prozent) waren Leerkilometer. Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei lediglich 19,8 Prozent.

Interessant  ist dabei die Entwicklung der mautpflichtigen Fahrleistungen in Deutschland. Sie erhöhten sich im Vorjahr insgesamt um deutliche 9,2 Prozent auf rund 32,5 Milliarden Kilometer. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Ausweitung der Mautpflicht im Jahr 2015, wodurch sich das mautpflichtige Straßennetz um mehr als 1.100 Kilometer Bundesstraßen ausdehnte und die Mautpflicht auf Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht ausgeweitet wurde. Deutsche Lkw waren an der Ausweitung allerdings nur mit 7,8 Prozent beteiligt, ausländische dagegen mit 13,3 Prozent.

Anteil ausländischer Lkw legte zu

Der Anteil deutscher Lkw an den mautpflichtigen Fahrleistungen reduzierte sich damit auf rund 59 Prozent, während der ausländischer Lkw weiter zulegte und auf rund 41 Prozent kletterte. Beteiligt daran waren vor allem Fahrzeuge aus Polen, Rumänien, Litauen und Bulgarien. Für den Staat gelohnt hat sich das Ausdehnen der Maut auf jeden Fall. Denn die Mauteinnahmen stiegen 2016 im Vergleich zu 2015 um satte sechs Prozent auf über 4,6 Milliarden Euro. Bei den Inländern ergaben sich Zuwächse um 3,8 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro, bei den Ausländern um 9,2 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro.

Erfreulich in dem Zusammenhang ist, dass der Anteil der Euro 6-Fahrzeuge weiter deutlich wächst. Er erhöhte sich im Vorjahr insgesamt um 15,9 Prozent und liegt nun bereits bei mehr als 46 Prozent. Einige Länder aber lassen sich mit der Anpassung durchaus Zeit. So etwa Bulgarien mit einem Euro 6-Anteil von lediglich 22,7 Prozent, Rumänien (36,7 Prozent), Polen (37,8 Prozent) und Litauen (38,8 Prozent). Tschechien, die Slowakei, Österreich und Ungarn erreichten mit Werten zwischen 48 und 50 Prozent  hingegen annähernd das Niveau Deutschlands (50,9 Prozent). Die höchsten Anteile an Euro 6-Lkw  wiesen 2016 Schweden (57,5 Prozent), Spanien (53,9 Prozent) und Dänemark (51,5 Prozent) auf.

Die Anteile aller anderen Fahrzeugklassen an den mautpflichtigen Fahrleistungen sanken, auch die der EEV-Lkw (10,2 Prozent) sowie der mit Euro 5-Antrieb (36,9 Prozent). Der kumulierte Fahrleistungsanteil der drei schadstoffärmsten Klassen erreichte  damit  rund 93,4 Prozent, während  der von Euro 3 - und Euro 4-Fahrzeugen nur noch bei 6,3 Prozent lag. Euro 1 und Euro 2 haben dem BAG zufolge mittlerweile lediglich "marginale Bedeutung".

Wachstum von der Aufkommensseite

Im gewerblichen Straßengüterverkehr stiegen die Umsätze 2016 gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich ein Prozent. Wachstumsimpulse kamen im Wesentlichen von der Aufkommensseite. Die Beförderungsentgelte konnten davon meist nicht profitieren. Sie entwickelten sich insgesamt leicht rückläufig. Maßgeblich dafür war vor allem der neuerliche Rückgang des Kraftstoffpreises, der gegenüber 2015 bei rund acht Prozent lag.

Insbesondere Transporteure  mit Dieselgleitklauseln mussten individuell vereinbarte Preisnachlässe gewähren, und dauerhaft eingesetzten Frachtführern wurden häufig die Kraftstoffzuschläge gestrichen. Erst zum Jahreswechsel 2016/2017, so meldet das BAG, waren kleinere, vor allem mittelständische Auftraggeber bereit, den Güterkraftverkehrsunternehmen bei qualitativ hochwertigen Transporten und logistischen Mehrwertdienstleistungen Preisanpassungen im unteren einstelligen Bereich zu gewähren. Preisverhandlungen mit großen, konzerngebundenen Auftraggebern dagegen "gestalteten sich weiterhin schwierig", heißt es.

Entwicklung der Gesamtkosten uneinheitlich

Die Entwicklung der Gesamtkosten im gewerblichen Güterkraftverkehr zeigte sich uneinheitlich. Sinkenden Kraftstoffkosten, die sich vor allem im Regional  -und Fernverkehr auswirkten, standen höhere Aufwendungen für qualifiziertes Fahrpersonal gegenüber. Allein die tariflichen Steigerungen der Fahrerlöhne lagen örtlich bei über drei Prozent. Vielfach wurden wegen des knappen Angebots übertarifliche Lohnerhöhungen gewährt. In Marktgesprächen des Kölner Bundesamtes gab ein Großteil der befragten Unternehmen an, "seinen Fahrpersonalbedarf weder in quantitativer noch in qualitativer Hinsicht decken zu können".

Dennoch konnten die meisten Unternehmen Erträge erzielen, "die annähernd auf dem guten Vorjahresniveau lagen". Ihre Umsatzrenditen bewegten sich weiterhin zwischen ein und drei Prozent, teilweise sogar bis zu fünf Prozent. Auf Investitionsseite überwogen die Ersatzinvestitionen, ein Großteil der Unternehmen hielt seine Laderaumkapazitäten konstant.

Investitionen wurden meist nur bei Neugeschäften, zusätzlichen Aufträgen von Bestandskunden  oder einer Flexibilisierung des  Fuhrparks getätigt.  Insgesamt wurden 2016 knapp 44.000 Lkw über 3,5 Tonnen (plus 4,2 Prozent) und knapp 37.000 Sattelzugmaschinen (plus 1,2 Prozent) neu zugelassen. Während es bei den schweren Lkw über zwölf Tonnen einen deutlichen Zuwachs um 13,2 Prozent gab, gingen die Neuzulassungen von Lkw zwischen sieben und zehn Tonnen um 1,8 Prozent und die zwischen zehn und zwölf Tonnen um 18,4 Prozent zurück.

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Datum

22. August 2017
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