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Profiwissen Asphaltmulden: Im Auftrag für die Straße

Die Qualität eines Straßenbelags hängt von der Temperatur des Mischguts beim Einbau ab. Ab 2016 müssen neben der Stirn-, Seiten- und Heckfläche einer Asphaltmulde auch ihr Boden isoliert und geeignete Messtechnik an Bord sein.

Der Unterhalt der Straßenin­frastruktur ist eine kostspielige Angelegenheit. Die jeweils Verantwortlichen sind an einer Erhaltung über einen möglichst langen Zeitraum interessiert. Umfassende Reparaturen oder ­Erneuerungen stehen allerdings oft schon nach einem Jahr an, besonders nach Frostperioden. Wie widerstandsfähig ein Asphaltbelag ist, hängt unter anderem von der Zusammensetzung und Homogenität des Mischguts ab.
Den wohl größten Einfluss auf Dauerhaltbarkeit, aber auch Ebenheit, Griffigkeit und Geräuschabstrahlung einer Straße übt aber die Temperatur der Asphaltmischung während ihres Einbaus aus. Die Qualität steht und fällt mit dem Umfang der Wärmeverluste während des Transports zwischen Mischwerk und Einbauort. Der Einbau der meisten Asphaltsorten ist bei einer Temperatur von etwa 150 Grad Celsius vorgeschrieben (siehe Regelwerk ZTV Asphalt-StB 07). Je nach Zusammensetzung besteht
eine zulässige Mindest- und Maximal-Verarbeitungstemperatur. Untersuchungen der Asphaltindustrie nach wirken sich bereits Abweichungen von um die 25 Grad deutlich negativ aus.

Stahl oder Aluminium

Mit einer zu geringen Mischguttemperatur verschlechtert sich beispielsweise der erreichbare Verdichtungsgrad. Der jeweilige Binder wird zäher, das Material lässt sich schwerer verarbeiten, der Grad der erzielbaren Verdichtung sinkt bei einer höheren Zahl an notwendigen Verdichtungsschlägen. Und eine geringere Verdichtung hat Folgen: Es entstehen Risse, die Deckschicht bricht auseinander, es dringt Regenwasser ein, das sich bei Frost ausdehnt und anschließend Hohlräume hinterlässt. Bei Belastung der Straße bricht die Oberfläche ein, woraus das entsteht, was man landläufig Schlagloch nennt. 
Für die Anlieferung auf Baustellen mit Straßenfertigern kommen in der Regel Halbschalen- oder Kastenmulden zum Einsatz. Ihre jeweilige Ausführung ist fast eine Glaubensfrage: Stahl oder Aluminium? Einerseits leiten Aluminiummulden die Wärme um bis zu viermal besser als Mulden aus Stahl. Andererseits besitzen Aluminiumoberflächen ein geringeres Wärmeabstrahlverhalten als Stahlblech.

Wärmeverlust durch Fahrtwind

Der höchste Wärmeverlust beim Transport zwischen Mischanlage und Baustelle entsteht durch den Fahrtwind und der damit verbundenen Konvektion. Die größte Anströmung und somit auch Abkühlung findet an den vier Ecken der Front statt. Ohne Isolierung fällt die Temperatur der äußeren Asphaltschicht in der Mulde spätestens nach rund einer Stunde unter das zulässige Limit.

Am schnellsten kühlt das Material in der Mulde an den Randbereichen und an der Oberseite ab, während sie im inneren Kern nahezu konstant bleibt. Kastenmulden sind in der Regel mit einer Doppelwand ausgeführt. Die Luftschicht zwischen den Blechen isoliert zwar leicht, ein vorwiegend durch Konvektion verursachter Wärmeverlust tritt aber dennoch auf. Darüber ­hinaus bilden die verschiedenen Stege zwischen der ersten und zweiten Wand Wärmebrücken. Die Konvektion versuchen die Muldenhersteller beispielsweise mit Hilfe von Steinwolle in den Griff zu bekommen, die in Zwischenlagen enthalten ist.  

Schmitz Cargobull (SCB) setzt bei der Isolierung seiner Rundmulden aus Stahl auf die selbst entwickelte Ferroplast-Technologie. Sie basiert auf einem mit PU-Schaum verklebten Alu-Blech außen, nach innen isoliert eine Schicht aus Steinwolle. Die Alu-Kastenmulde von SCB ist hingegen mit einem Hartschaum von innen isoliert. Fliegl nutzt zur Isolierung den im Haus entwickelten Dämmstoff "Isoterm". Aufgebracht wird er auf die Außenseite der Mulde. Schwarzmüller verlässt sich bei ­seinen Stahl- und Alu-Rundmulden auf schwimmend verlegte Isolierbleche, um wärmebedingte Längenausdehnungen zu kompensieren.

Datenübertragung und Datenkommunikation

Auch die Datenübertragung und -Dokumentation wird ab kommendem Jahr eine wichtige Rolle spielen. Schwarzmüller bietet hierzu ein Paket mit kostenloser GSM-Datenübertragung und der Möglichkeit, den Temperaturverlauf abzubilden, an. Bei Beladung der Mulde startet das System die Messung und Aufzeichnung automatisch. Die Daten verschickt der Fahrer per Knopfdruck an die Disposition. SCR fährt hier vorerst zweigleisig: Neben einer digitalen Erfassung und Dokumentation gibt es auch einen Zugang mit analoger Messtechnik über Öffnungen in der Seitenverkleidung, die mit Schraubdeckel verschlossen sind.

Andreas Wolf lastauto omnibus

Autor

Datum

29. Oktober 2015
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