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Profi im Profil: Karsten Winter: Der coole Typ

Der schwarze Kühlzug von Karsten Winter ist die pure Eleganz. Seit einem Jahr fährt er ihn nun zu festen Kunden. Er lebt für seinen Traumjob.

Die trockene Hitze von weit über 30 Grad, die an diesem Freitagmittag Anfang Juli über Schleswig-Holstein liegt, schreit geradezu nach kurzer Hose und T-Shirt. Nicht jedoch für einen coolen Transportprofi wie Karsten Winter. Kaum hat er seinen schwarzen Kühlzug an die Thermorampe des Tiefkühllagers der Spedition Bode in Reinfeld rangiert, zieht er sich erst einmal seine gelbe Sicherheits­jacke an. Denn der Temperaturwechsel, den er erlebt, ist schon erheblich. "An den Rampen im Durchfahrtbereich zum Tiefkühllager sind es gleich maximal fünf Grad", sagt Karsten. "Zum Glück im Plusbereich."

Eisige Verhältnisse bei Bode

Das Tiefkühllager von Bode wurde erst 2014 eröffnet und entspricht damit den jüngsten Standards, die in der sogenannten "Kühlkette" eingehalten sein müssen. Das heißt: Karsten kann den Auflieger direkt in die Schleuse rangieren, die beiden Heckportale bleiben vorerst geschlossen. Erst unmittelbar vor der Entladung öffnet er sie und löst danach die drei Klemmstangen der Ladungssicherung. Tiefkühlpizza hat er diesmal geladen. Die Kerntemperatur für den Transport liegt normalerweise bei minus 18 Grad. "Bei dieser Hitze im Sommer fahren wir aber lieber mit minus 25 Grad", erläutert Karsten. "Auf Wunsch des Kunden kann ich ihm jederzeit ein Protokoll mit dem gesamten Kühlverlauf ausdrucken. Meistens wird die Temperatur der Ware aber im Lager selbst  überprüft."
Kaum sind die Hecktüren geöffnet, da kommt auch schon einer der Lagermitarbeiter von Bode, holt mit seiner Ameise die erste Palette vom Auflieger und fährt sie direkt ins TK-Lager. Dort herrschen dauerhaft sibirische Verhältnisse. "Bei Bode werden die Tiefkühlzüge immer von deren Mitarbeitern entladen", erzählt Karsten zufrieden. "Auch deshalb komme ich immer wieder gerne hierher. Die Leute, auch vorne in der Warenannahme, sind immer super freundlich und hilfsbereit. Die Pizza geht dann später mit deren eigenen Aufliegern weiter nach Skandinavien.

Keine halbe Stunde nach dem Andocken ist der Zug bereits komplett entladen. "Mit ihren Schnellläufern sind die Lagerarbeiter natürlich ziemlich fix", lobt Karsten. Das ist aber eher die Ausnahme. "Nur bei etwa 20 Prozent unserer Kunden bekomme ich den Zug vom Personal entladen. Wenn ich die Paletten selber runterziehen muss, dauert es schon mal eine Dreiviertelstunde." Noch auf der Rampe schließt Karsten die Türen, schaltet draußen die Kühlung am Schmitz-Aggregat aus und macht sich über die A  1 und die A  23 auf den Weg nach Herzhorn bei Glückstadt. "Normalerweise ist der Lkw bei unserem Lager in Seevertal stationiert. Aber dieses Wochenende ist eine Ausnahme.

Eine Faible für ungewöhnliche Lastzüge

Ursprünglich kommt Karsten aus Dresden. Ein Freund hat den gelernten Elektroinstallateur überredet, nach Schleswig-Holstein zu kommen. Drei Jahre hat Karsten dort noch in seinem erlernten Beruf gearbeitet, dann hat er die ersten Schritte in der Speditionswelt unternommen und fuhr mit einem 7,5-Tonner im Nahverkehr. "Das Arbeitsamt hat mir dann mit einer Art Darlehen geholfen, den Lastwagen-Führerschein selbst zu finanzieren." Die erste Stelle im Fernverkehr ließ sich zunächst ganz gut an: Zwei Jahre fuhr Karsten mit einem Sattelzug nach West- und Nordeuropa. "Dann ging die Firma in die Insolvenz und ich musste mich nach einer Alternative umsehen. Die habe ich aber ziemlich schnell über eine Anzeige in der Zeitung gefunden."

Vor sechs Jahren bewarb sich Karsten dann bei der Kühltrans Nord Grossmann GmbH in Herzhorn. Tobias Grossmann (41) hat mit 18 Jahren als selbstfahrender Unternehmer begonnnen und nach einer Umschulung zum Speditionskaufmann 2001 zusammen mit Kerstin Grossmann das Unternehmen gegründet. 18 Lkw sind es heute, zehn Volvo, vier Scania und vier Mercedes-Benz. Es sind bis auf einen Trockenfrachtauflieger alles Kühlzüge – und alle in Schwarz. "Mein Chef hat wie ich ein gewisses Faible für Lastzüge, die etwas aus dem Rahmen fallen", erzählt Karsten mit sichtbarem Stolz.

Dazu zählen mittlerweile ein alter Volvo F 16, den er aus Griechenland geholt hat, und ein vierachsiger 113er Scania, den er zum Abschleppfahrzeug umgebaut hat. Damit holt Grossmann meist höchstpersönlich in seiner Region havarierte Lkw ab und bringt sie in die jeweilige Werkstatt. "Fünf Jahre habe ich mich bei KTN bewährt", so Karsten, "und dann hat er mich vor genau einem Jahr gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, einen neuen Actros zu fahren." Für Mercedes-Fan Karsten war das natürlich der Hauptgewinn. In seiner schlichten Eleganz ist der dezent verzierte Kühlzug in der Tat eine Augenweide. "Das Zubehör kommt von Jumbo-Fischer und wurde in unserer eigenen Werkstatt montiert. Auch die schwarze Vollverkleidung für die Zugmaschine ist bei uns entstanden." Mittlerweile liegt Hamburg hinter Karsten. Links  von der A  23 beginnt die sattgrüne und landwirtschaftlich geprägte Ebene der sogenannten Marsch nahe der Elbe. "Normalerweise komme ich mit dem Lkw so gut wie nie nach Herzhorn", sagt Karsten. "Aber heute fahren wir mit der Firma geschlossen auf die Wolfsmeile bei Hohenlockstedt. Ich muss nur noch schnell ein paar leere Paletten für unser Camp bei diesem hier im Norden sehr beliebten Truckerfestival holen."

Gewohnte Ladestellen sind ein Vorteil

Das Büro mit der Disposition liegt im Keller des Einfamilienhauses. Hin und wieder bringen Landwirte ihre Erzeugnisse mit dem Traktor selbst vorbei, die Ladung geht dann später zum Hamburger Großmarkt. "Aber damit habe ich nichts zu tun", sagt Karsten. "Ich pendele ständig zwischen Produzenten von TK-Ware in Schleswig-Holstein und etwa 30 festen Kunden im Rheinland oder im Rhein-Main-Gebiet. Pizza und Brot sind dabei die häufigsten Ladungen, aber auch Bio-Erzeugnisse. "Es ist schon von Vorteil, wenn man immer wieder zu den gleichen Ladestellen oder Zentrallagern kommt. Man kennt dann die Leute vor Ort besser. Ich persönlich habe noch nie ­große Probleme mit den Mitarbeitern an einer Rampe gehabt."

Eine Stunde vor der Beladung muss er den Auflieger vorkühlen. Die Touren liegen alle im Bereich von insgesamt fünf bis sechs Stunden Lenkzeit. Wartezeiten gibt es zwar auch, aber eher selten, wie Karsten meint. "Derzeit fahre ich meistens tagsüber. Das heißt, ich habe dann natürlich viel mehr Verkehr auf der Tour. Aber ich habe immer den Active Brake Assist eingeschaltet und schwimme im Strom mit. Terminstress gibt es eigenlich nicht. Alle Touren sind bei uns ziemlich einwandfrei geplant. Allerdings bin ich auch die ganze Woche unterwegs. Aber mir macht das nichts aus. In der Solo-Star-Kabine lässt es sich gut wohnen." Wenig später stellt sich Karsten auf dem alten Flughafen "Hungriger Wolf" in die Schlange. Über 500 Trucks haben sich angemeldet. "Ich stehe diesmal am Stand von Mercedes-Benz neben dem WM-Truck. Das ist natürlich im fünften Jahr etwas ganz Besonderes für mich." Und dann beantwortet Karsten noch die Frage, die schon die ganze Zeit in der heißen Luft liegt. "Nein", lacht er, "mit einem schwarzen Kühlzug habe ich auch im Sommer keine Probleme. Das Kühlaggregat muss auch nicht stärker arbeiten. Und das Aufliegerdach ist ja sowieso weiß."

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

17. September 2015
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