Polizeikontrolle, Autobahn, Polizei Zoom

Polizeikontrolle auf der A 61: Erschreckende Bilanz

Bei einer Überprüfung der Ladungssicherung an der A 61 fallen vor allem Lastwagen aus Osteuropa negativ auf.

Die Parkplätze heißen "Auf dem Hahnen" und "Auf dem Hirschen". Sie liegen strategisch günstig auf beiden Seiten der A  61 zwischen den Autobahnkreuzen Ludwigshafen und Frankenthal. Zwei Tage im Spätsommer sind sie komplett für den normalen Verkehr gesperrt – dann gehen die Güterverkehrsexperten der Polizei von dort aus auf die Pirsch. Blauweiße Kleinbusse und graue Zelte belegen einen Teil der Stellfläche, eine Achswaage ist aufgebaut und mobile Trupps in Streifenwagen und auf Motorrädern ziehen auffällige Lkw aus dem fließenden Verkehr. Insgesamt 75 Beamte aus Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sind im Einsatz.

Weiterfahrt untersagt

Auch Polizisten der beiden angrenzenden Länder Luxemburg und Frankreich nehmen an dieser konzertierten Aktion teil, dazu Kontrolleure des Hauptzollamtes Karlsruhe, der Gewerbeaufsicht aus Neustadt und Koblenz und der zentralen Bußgeldstelle Speyer. Eine Großkontrolle zu Ladungssicherung und Gefahrgut, die sich am Ende aus den reinen Zahlen selbst begründet: Von den insgesamt 83 überprüften Fahrzeugen werden 63 beanstandet, davon 23 wegen mangelnder Ladungssicherung, 15 wegen ungenügender Fahrzeugtechnik wie defekten Bremsen oder verschlissenen Reifen. Es gibt 26 Verstöße gegen die Sozialvorschriften. Als Sicherheitsleistung verlangt die Polizei insgesamt 14.800 Euro. In 36 Fällen untersagt sie noch an Ort und Stelle die Weiterfahrt.

Mobiler Bremsprüfstand

Auf der westlichen Seite hat die Luxemburger Société Nationale de Contrôle Technique, SNCT, das Äquivalent des deutschen TÜV, ihren knapp sieben Jahre alten mobilen Bremsenprüfstand mit integrierter Rüttelplatte installiert. Er ist der Einzige seiner Art in Europa und hat rund 500.000 Euro gekostet. Der Prüfstand wird auf einem Tief­lader transportiert und in knapp 45 Minuten aufgebaut. Zwei erfahrene Mitarbeiter steuern die Anlage.

Unseriöse Prüfbescheinigungen

Zuerst wird die Bremsleistung jeder Achse einzeln gemessen, dann der komplette Zug per Hydraulik auf eine für die weitere Prüfung angenehme Arbeitshöhe gehoben. Nun kann Alexander Heibel, ein sogenannter polizeitariflich Beschäftigter (PTB), unter angemessenen Arbeitsbedingungen kontrollieren. Er arbeitet seit zwölf Jahren als technischer Kontrolleur für den Verkehrsdienst des Polizeipräsidiums Koblenz. Sein Kommentar aus der Praxis: "Gerade Lkw aus Osteuropa fallen wieder öfter auf. Ein Rumäne, den ich auf dem Prüfstand untersucht habe, hatte an einer Achse die Bremsscheiben ausgebaut, um sie einem Kollegen zu geben, der gar keine mehr hatte. Auch auf die Prüfbescheinigungen mancher osteuropäischer Länder ist nicht immer Verlass. Viele sind reine Gefälligkeitsgutachten", berichtet er. Diese erschreckende Erkenntnis macht inzwischen auch immer öfter Hauptinspektor Raymond Lausberg bei seinen vielen Kontrollen entlang der E  40 in Belgien zwischen Aachen und Lüttich, einer der wichtigsten Transitachsen Europas. "Fehlende, ungültige und gefälschte technische Bescheinigungen von gebietsfremden Lkw, darunter sehr viele, die in Rumänien und Bulgarien zugelassen sind, sind bei unseren Kontrollen längst an der Tagesordnung."

Mangelhafte Lkw aus Osteuropa

Diese Einschätzung der Polizei, dass Lkw aus Osteuropa bei technischen Kontrollen öfter mangelhaft sind als Fahrzeuge aus den 15 westeuropäischen Ländern, deckt sich auch mit den jüngsten Erkenntnissen aus dem Geschäftsbericht des Bundesamtes für Güterverkehr, BAG, für das Jahr 2013. Im Vergleich verstoßen demnach osteuropäische Lkw beziehungsweise deren Halter und Fahrer deutlich häufiger gegen das Straßenverkehrsrecht, gegen die Vorschriften der Ladungssicherung und haben mehr technische Mängel. Laut BAG sind die Beanstandungsquoten teilweise mehr als doppelt so hoch wie die bei westeuropäischen Fahrzeugen. Allerdings, so räumt das BAG gleichzeitig ein, schneiden die westeuropäischen Fahrer mit einer Beanstandungsquote von 21,1 Prozent schlechter ab als die osteuropäischen Fahrer. Letztere liegen bei "nur" 13,2 Prozent.

Die komplette Reportage steht im aktuellen FERNFAHRER 12/2014. Hier könnt Ihr das Heft bestellen.




Susanne Spotz, ETM online

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

7. November 2014
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