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Parkplatznot: Extrawurst für Schwertransporte?

Wohin mit den riesigen Dingern? Schwertransporte brauchen viel Platz – auch auf dem Rasthof. Die "normalen" Lkw-Stellplätze werden dadurch noch knapper.

Obwohl überall gebaut wird, bleiben Lkw-Parkplätze an der Autobahn Mangelware. Zwar werden beim Ausbau neuer Tank- und Rastanlagen mittlerweile besondere Abstellflächen für Schwertransporte berücksichtigt, sie reichen aber mancherorts trotzdem nicht aus. Notgedrungen werden Parkplätze ausschließlich für die überbreiten Gespanne eingerichtet.

Das "Badener Holz" an der A  27, Fahrtrichtung Cuxhaven, ist ein Beispiel dafür. Die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat die ent­sprechende Sonderregelung im letzten Jahr beschlossen. Schließlich passieren die Region Verden/Osterholz jährlich rund 1.200 Schwertransporte. Was aber halten in Zeiten der Parkplatz-Knappheit die "normalen" Fahrer von dieser Bevorzugung?

Thomas Siebert, 45, aus Eisenach

"Wo sollen die Kollegen denn sonst hin?"
"Mir ist es auch schon aufgefallen, dass Rasthöfe und Parkplätze tagsüber voller Schwertransporter sind. Da kann man aber nichts machen, denn für den Fahrer eines Schwertransporters ist es ja noch viel schwieriger, einen Parkplatz zu finden, als für uns. Das sind ja immer riesige Transporte. Dass neuerdings sogar Parkplätze dafür abgesperrt werden, finde ich okay. Klar sind wir Fahrer die Leidtragenden. Aber wo sollen die Kollegen denn sonst hin?"

Kevin Zehmke, 41, aus Wilhelmshaven

"Das kostet bestimmt echt Nerven."
"Überbreite, Überlänge – so einen Schwertransport zu fahren kostet bestimmt echt Nerven. Ich weiß, was das heißt, denn ich fahre selbst Gefahrgut. Für mich ist es verständlich, dass an einigen Stellen, wo es besonders viele Schwertransporte gibt, diese Parkplatzlösung umgesetzt wird. Ich jedenfalls wollte nicht tauschen. Außerdem werden den Fahrern der Schwertransporte diese Parkplätze ja quasi zugewiesen."

Michael Vissers, 39, aus Krefeld

"So was Sperriges fahren – Hut ab."
"Komplette Parkplätze für Schwertransporter gesperrt? Das habe ich selbst noch nicht gesehen. Aber ich kann es nachvollziehen. An Rastanlagen sind mir schon oft die Sonder-Parkflächen aufgefallen, aber die gibt es ja auch nicht überall. Wenn es sonst keine andere Möglichkeit gibt, dann ist das in Ordnung. Ich bin froh, dass ich so etwas Sperriges nicht fahren muss und habe großen Respekt vor den Kollegen."

Ralf Löhnicker, 50, aus Osnabrück

"Bevorzugung wäre das 
falsche Wort."
"Ich finde es völlig in Ordnung, dass man diese Lösung praktiziert. Ein Schwertransporter hat ja nicht wie mein Lkw Stückgut an Bord, sondern riesige Geräte. Ich glaube auch nicht, dass man von Bevorzugung sprechen sollte. Es ist ja so, dass es aufgrund der Größe und der Abmessungen gar keine andere Lösung gibt. Jeder Lkw-Fahrer kann notfalls die Autobahn verlassen und in einem Gewerbegebiet parken. Schwertransporter nicht."

Bernd Zimmermann, 44, aus Mönchengladbach

"Ich persönlich habe kein Problem damit."
"Ich bin oft im Bereich Wilhelmshaven und Cuxhaven unterwegs. Da ist mir schon aufgefallen, dass nachts immer mehr Windräder unterwegs sind. Diese Transporte flößen mir eine Menge Respekt ein. Auf der Autobahn mag das ja noch easy sein, aber wenn es dann in die Pampa geht ... Ich persönlich habe kein Problem damit, dass die Fahrer vereinzelt ihre Parkplätze sozusagen zugeschoben bekommen. Das ist die vernünftigste Lösung. Für einen normalen Lkw findet man immer irgendwo einen Platz, aber wo soll man die riesigen Teile sonst abstellen?"

Frank Böhm, 48, aus Auerbach

"Tagsüber  ist es okay."
"Das ist mitunter zwar unbequem, weil ohnehin Parkplätze fehlen. Man darf aber nicht vergessen, dass es für Schwertransporter keine Alternativen gibt. Die fahren ja meistens nachts und stehen dann am Tag. Und tagsüber, so finde ich, kann man die fehlenden Parkplätze verschmerzen. Viel schlimmer wäre es, wenn uns diese Parkplätze nachts nicht zur Verfügung stehen würden. Dann hätten wir ein echtes Problem."

Andreas Stadlik, 44, aus Rastedde (Ammerland)

"Extra-Flächen am Rasthof kenne ich."
"Zwar staune ich auch darüber, wie viele Schwertransporte nachts mittlerweile unterwegs sind. Doch mir ist es noch gar nicht aufgefallen, dass tagsüber sogar komplette Parkplätze gesperrt werden. An den normalen Rastanlagen kenne ich das, da gibt es häufig Extraflächen. Dass jetzt aber auch Parkplätze dicht gemacht werden, wundert mich dann doch. Aber es lässt sich wohl nicht verhindern."

Hartmut Kanzenbach, 59, aus Brandenburg

"Die Extrawürste finde ich nicht gut."
"Ich finde es nicht gut, dass es für die Fahrer von Schwertransportern Extrawürste gibt. Sicher, die Kollegen können nichts dafür. Aber mich hat die Polizei einmal, nachdem ich nur vier Stunden geschlafen hatte, auf einem Parkplatz geweckt, weil ich Platz für einen Schwertransporter machen sollte. Ich sehe so etwas überhaupt nicht ein, denn wir brauchen alle unseren Schlaf. Man hat mir sogar mit einer Anzeige gedroht."

Autor

Foto

Norbert Böwing

Datum

26. Juli 2013
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