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Parfümeriekette Douglas: Dufte Logistik

Bei der Belieferung ihrer Filialen setzt die Parfümeriekette Douglas auf fünf Cross Docking Center und eine enge Vernetzung mit Partnern und Dienstleistern. Logistik-Chef Michael Krings erläutert, wie er das System entwickeln will.

Gemeinsam mit beispielsweise seinem Zulieferpartner L’Oréal Luxusprodukte hat Douglas die Supply-Chain optimiert.Das spart nicht nur Kosten und Zeit, sondern hat dem Unternehmen auch Preise eingebracht. 2006 und 2009 wurde Douglas mit dem ECR Award für Management und Kooperationen in der Konsumgüterbranche ausgezeichnet.
Jetzt soll das System einen Schritt weiter gehen: "Der Lieferant füllt alle Behälter so, dass wir sie gar nicht mehr anfassen, allerhöchstens wiegen müssen." Gemeinsam mit dem Zulieferer L’Oréal hat Douglas ein Supply-Chain-Managementsystem entwickelt und umgesetzt. Mit einem kurzen Film verdeutlicht Krings, wie die Belieferung funktioniert: Die Ware wird verkauft, ein Bestellsystem ordert die richtige Menge nach, Mehrwegboxen werden nach Douglas-Vorgaben befüllt und kommissioniert.

Nachhaltigkeit muss wirtschaftlich Sinn machen

Nachhaltigkeit ist für Douglas kein Selbstzweck, sondern muss wirtschaftlich Sinn machen. "Durch die Umstellung auf Mehrwegboxen konnten wir 50 Prozent der Kartonagen einsparen", erklärt Krings. Darüber freut sich auch der Zulieferer L’Oréal, der den größten Anteil des Kosmetikbedarfs von Douglas liefert und für
den Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt.

Die befüllten Boxen werden an die Cross Docking Center verschickt mitsamt einem elektronischen Lieferschein. Bisher wird die Ware dort nochmals geprüft und teils etikettiert. "Diesen Schritt wollen wir eliminieren", sagt Krings. Der Lieferant soll dafür die Ware bereits nach Gruppen sortiert in die Box packen, etwa nach Herren- und Damendüften oder Kosmetik. Die Box wird dann gescannt und weitergeschickt. Im Laden angekommen, kann die Mitarbeiterin die Artikel direkt einräumen und braucht sich weder um Lieferschein noch um Preise zu kümmern. In der eingesparten Zeit kann sie sich ausführlicher den Kunden widmen.

RFID-Etiketten an der Box

Als nächster Schritt soll mittels RFID-Etiketten an der Box das händische Abscannen der Einzelartikel entfallen. Ein Wischer genügt und alle Objekte sind gespeichert. Wöchentlich bestellen die Douglas-Filialen ihre fehlenden Artikel – die bringt jeder Lieferant an einem bestimmten Tag. Der Vertrieb wurde logistisch neu geordnet und jede der 440 deutschen Parfümerien an eines von fünf CDCs angedockt. "Dadurch konnten wir unsere Transporte fast halbieren."

Douglas reist bei Logwin als Beipack immer mit

Alle Wareneingänge werden in den CDCs gesammelt und in einem Zeitfenster von ein bis zwei Stunden in den Filialen angeliefert: In Groß­filialen wie Stuttgart täglich, in kleineren mindestens zweimal wöchentlich. Dabei profitiert Douglas davon, dass der Dienstleister Logwin  zahlreiche große Modeboutiquen in den Innenstädten mit Nachschub versorgt. "Da reisen wir sozusagen als Beipack immer mit", sagt Krings lächelnd.

Synergien durch Kooperationen und Dienstleister schaffen

Auch beim Transport setzt Krings auf Synergien durch Kooperationen und Dienstleister. Die CDCs in Aschaffenburg und Hamburg betreibt Logwin. Dieser hat sein süddeutsches Hub in Renningen und verteilt von dort Textilien. "Den Standort samt Mitarbeiter haben wir mittlerweile übernommen und fahren damit ganz gut. Den Transport macht weiterhin Logwin." So nutzt Douglas externe Flotten und kann dank eigener Software in den CDCs weiterhin selbst steuern, Prozesse vorgeben und für Transparenz sorgen.

An einer Flatrate für das Waren-Handling hat Krings kein Interesse. Für Effizienz und Qualität in der Logistik will er selbst sorgen. Bei Ausschreibungen fragt er nach den Kosten pro Mitarbeiter, Flächen- und Transporteinheit und erwartet einen fairen, offenen Preis. Douglas misst die Volumina nach Boxen und Objekten. Für eine gute Produktivität sorgen ein Bonus-Malus-Konzept, gut geschulte und ausgebildete Mitarbeiter sowie Kontinuität beim Personal. Die Tendenz zu häufig wechselnden Zeitarbeitsmitarbeitern in der Logistik will Krings dabei nicht mitmachen. Qualität habe ihren Preis, auch beim Personal.

Rund 200.000 Rollgestelle und 50 Millionen Teile quer durch Europa

Im Jahr schickt der deutsche Parfümerie-Marktführer nach Krings Angaben rund 200.000 Rollgestelle und 50 Millionen Teile – Lippenstifte, Düfte, Nagellacke und mehr – quer durch Europa. Jedes Gestell befördert dabei Waren im Wert von einigen Zehntausend Euro. Die kleinen Teilchen sind damit nicht nur für Kunden attraktiv – sie locken auch Diebe an.  Diesen macht Douglas bei den Transporten das Leben schwer, etwa durch den Einsatz von GPS, Telematik und Lkw-Wegfahrsperren. 

E-Commerce macht rund 10 Prozent aus

Auch bei Douglas nimmt E-Commerce zu und liegt aktuell bei ungefähr zehn Prozent der verkauften Ware. Wer online bestellt, kann sich die Tübchen und Stifte an die Filiale oder nach Hause senden lassen. Die Abwicklung der Produkte erledigt in diesem Fall in Deutschland der Dienstleister Arvato. Über die Produkte informieren sich die Kunden sowohl  im Internet als auch in den Filialen. "Das Ziel ist, den Kunden umfänglich nach seinen Wünschen zu bedienen", sagt Krings. Düfte schnuppern und Cremes probieren – das geht immer noch nur in der realen Welt.

Gute Logistik erzielt Gewinne

Mit Besucherfrequenzmessungen, die in den Filialen fast aller Länder zum Einsatz kommen, konnte der Logistik-Chef belegen, dass eine gute Logistik auch Gewinne erzielt. Wie viele der Besucher sind nachher auch kaufende Kunden? In den Läden mit einer erfolgreich umgesetzten Logistikkette liegen die Kundenbindungsquoten laut Krings nachgewiesen um 30 Prozent höher.

Aber warum? Wer sich mit Rechnungen am Computer, Lieferanten am Telefon und dem Auszeichnen von Ware beschäftigen muss, kann sich nicht gleichzeitig um seine Kunden kümmern, so Krings. Um dies zu veranschaulichen, beugt er sich flugs, mit dem Gesicht zur Wand, nach unten und zeigt der Redaktion seine Rückseite. "Ich bin gleich für Sie da", ruft er aus dem Off. "Das ist nicht zeitgemäß, und das soll es bei Douglas nicht geben", sagt er lächelnd. "Hier sind wir für die Zukunft ganz gut gerüstet."

Das Unternehmen

Douglas ist Teil der gleichnamigen Firmengruppe mit fünf Geschäftsbereichen (Douglas, Thalia, Christ, Appelrath Cüpper und Hussel) und trägt 2012 mit 1,9 Milliarden Euro Umsatz den größten Teil zum Gesamtumsatz von rund 3,4 Milliarden Euro der Gruppe bei. Douglas verfügt über 1.190 Fachgeschäfte in Deutschland und Europa, davon 440 im Inland, und beschäftigt rund 14.300 Mitarbeiter. Unter dem Motto »Handel mit Herz und Verstand« vertreibt die Firma Hussel seit 1949 Süßwaren. 20 Jahre später kam die Parfümerie Douglas in Hamburg hinzu. Es folgten weitere Filialen, 1982 in den USA. Seit 1989 heißt das Handelsunternehmen Douglas Holding. Nach Beteiligungen an diversen Buchhändlern kam 1999 der Einstieg in den Internethandel mit Buch.de. Douglas ist an der Börse notiert. Im Rahmen eines Squeeze-out kauft die Beauty Holding Two (Gründer-Familie Kreke, von Advent International beratene Fonds) alle Anteile auf, auch der Drogeriekette Müller.

 Zur Person

Dr. Michael Krings hat seit seinem Start bei Douglas die Prozesse dort sukzessive durchleuchtet und erneuert. Der gebürtige Rheinländer, Jahrgang 1964, hat sich nach seinem Wirtschaftsingenieursstudium an der Technischen Hochschule Darmstadt mit Unternehmensführung beschäftigt und darüber promoviert. Anschließend ging er für fünf Jahre als Supply-Chain-Experte zu Roland Berger nach Stuttgart. Seit 2001 ist er Direktor Supply-Chain-Management bei Douglas.

Portrait

Autor

Foto

Jacek Bilski

Datum

28. Juni 2013
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