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Paletten mitverkaufen: Spedition Brucker reduziert Kosten

Die Spedition Brucker reduziert ihre Kosten durch eine Tauschgebühr für Paletten.

Keine Krisensitzung bei der schwäbischen Spedition Brucker in Aalen– ein Hersteller von Möbelkomponenten beliefert mit Brucker täglich über 100 Schreinereien, jedoch ist dort kein Leergut vorrätig, um dem Fahrer dies Zug um Zug direkt zu tauschen. Vermutlich führen die Schreinereien sie dem Wertstoff zu. Das Palettenkonto des Kunden ist laut der Spedition nun mit 3.500 Stück im Minus, er ist blank und die Produktion steht. Notfallplan am Nachmittag: "Wir schicken jetzt einen mit Paletten gefüllten Lkw zum Kunden – und nochmals 500 Paletten Guthaben."

Kein Tag vergeht, an dem sich Stefan Brucker mit seinem Team dem leidigen Thema Paletten widmen muss. "Jede Paletten verursacht rechnerisch zwei Kilometer Leerfahrt", rechnet der Geschäftsführer vor. "Wir transportieren Paletten von A nach B, das ist ökologisch wie ökonomisch unsinnig. Solange dem so ist, müssen wir alle nicht an Green Logistics denken." Außerdem seien Paletten ein Verpackungsmittel, das mit der Ware verkauft gehört. "Und wenn der Kunde ordentlich damit umgeht, kann er sie weiterverkaufen."

Handel erwartet A-Qualität

Doch der Teufel steckt wieder mal im Detail. Was nichts kostet, ist nichts wert und wird leider oft unsachgemäß behandelt. So füllt Brucker jede Woche einen großen Absatzcontainer mit Altpaletten, die entsorgt werden. Das Hauptproblem sieht der Unternehmer aktuell beim Handel, der A-Palettenqualität erwartet, aber B- bis C-Qualität zurückgibt – beschädigt vor allem durch falsche Lagerung. 450.000 bis 500.000 Euro gibt die Spedition nach eigenen Angaben jährlich für Vorsortieren, Transport von Leergut und Entsorgung von Paletten aus: "Es ist unglaublich, welche Summen sowohl in der Administration wie auch durch den Schwund jährlich für das Leergutmanagement auflaufen", bemerkt Brucker. Einen Teil seiner Prozesse im Bereich der Kontraktlogistik hat er daher auf Einwegpaletten umgestellt. Ihr Vorteil: Sie sind gut stapelbar, so passen mehr in den Lkw, der Kaufpreis ist niedriger und sie lassen sich – entgegen ihrem Namen – mehrfach verwenden.

Nicht alle Kunden wollen mitmachen

Trotzdem sind immer noch vier Mitarbeiter beschäftigt, Paletten zu stapeln, zu zählen, zu bewerten und zu entsorgen. Am liebsten würde der Speditionschef ganz auf den Palettenhandel verzichten, doch nicht alle Kunden machen mit. "Wenn Kunden sehr gute Palettenqualität erwarten, etwa bei Drucksachen oder Lebensmitteln, wird daher bei uns nahezu immer eine Tauschgebühr fällig", erklärt er. Die Kunden seien dazu auch bereit, wenn der Prozess beschrieben und im Gegenzug der Kunde entsprechend gute Leergutqualität erhält.

Eine Tauschgebühr? Was bei Dachser für 2016 angedacht ist, hat Geschäftsführer Stefan Brucker vor 15 Jahren eingeführt. Glücklich ist der Mittelständler mit der Gebühr – 50 Cent pro Stück werden der Spedition auf dem Palettenkonto gutgeschrieben – trotzdem nicht, deckt sie doch nur sechs Prozent der Kosten ab. Täglich werden bei Brucker rund 4.000 Paletten umgeschlagen. Zu je sechs Euro Stückkosten gekauft, ergibt dies bei einem Schwund von nur fünf Prozent Verluste in Höhe von 280.000 Euro, so Brucker. Jedes Jahr kauft er für 20.000 Euro Neuware hinzu: "Eine Einwegpalette ist da weitaus sinnvoller, weil sie immer mitverkauft wird."

Leergutmanagement ist großer Kostenfaktor

Doch auch auf anderer Ebene ließe sich etwas verbessern: "Allein durch das Kostenbewusstsein der Verlader könnten wir den Lebenszyklus einer Palette um das 1,5-fache steigern", schätzt Brucker. Inka-Einwegpaletten schaffen aktuell drei, Euro-Paletten zehn Zyklen. "Wir haben zahlreiche Kunden, wie eine Großdruckerei oder einen Maschinenbaubetrieb, die verkaufen ihre Paletten mit. Dieser Unsinn muss ein Ende haben", fordert der Logistiker. Für ihn ist das Leergutmanagement einer der größten versteckten Kostenfaktoren.

Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) hat 2009 gefordert, Palettenkosten an Auftraggeber weiterzureichen – doch ohne Erfolg. "Paletten werden bei den Endempfängern kaum noch Zug um Zug getauscht", teilt Hauptgeschäftsführer Frank Huster auf Anfrage mit. Es müssten nach wie vor Bestandskonten geführt und regelmäßig Forderungen ausgeglichen werden. "Die Kosten sind in den letzten sechs Jahren eher gestiegen und das Tauschsystem ist kein Gratisservice des Logistikers", kritisiert er. Eine Fraunhofer-Studie von 2009 hatte errechnet, dass Speditionen pro Umlauf auf 2,50 bis drei Euro (Flachpalette) und acht Euro (Gitterboxpalette) sitzen bleiben. Aktuell würden "Auftraggeber und Warenempfänger den Palettentausch zunehmend an externe Palettendienstleister übertragen, wodurch weitere Kosten entstehen und die Pflichten der Beteiligten in vielen Fällen unklar sind", fügt Huster an. Er fordert, den Palettentausch vertraglich zu regeln.

Unpopuläre Tauschgebühr

In der Schweiz ist man einen kleinen Schritt weiter. Der Nutzfahrzeugverband ASTAG und der Verladerverband GS1 haben 2008 eine Art Tauschgebühr eingeführt, deren Akzeptanz seitdem jedoch stetig sinkt. Ende 2013 bezahlten laut Rudolf Matti, ASTAG-Leiter für Gütertransport, nur noch je ein Drittel der Verlader die Gebühr komplett, zur Hälfte oder gar nicht. "Mitte 2008 konnten knapp 60 Prozent der Transportunternehmer immerhin 50 bis 100 Prozent der Paletten unter Gewährung der Tauschgebühr tauschen."
Die Amann Group mit Sitz in Bönnigheim stellt täglich rund eine Million Kilometer Nähfäden und Stickgarne her, mehr als 70 Prozent der Kunden sind im Ausland.

Während in der Augsburger Produktionsstätte noch Europaletten eingesetzt werden, hat Jürgen Scheihing, Leiter Zentrallager und Versandwesen, bereits vor zehn Jahren teilweise auf Inka-Paletten (IP) umgestellt. "Jede wird mit 300 Kilo beladen." Die kompakt stapelbaren Pressspanpaletten drehen auch hier drei Runden. Jeder Lkw bringt aus seiner Tour von der Produktion in Brasov (Rumänien) nach Bönnigheim meist 36 IP mit zwölf Tonnen Ware mit. Retour brauchen die Paletten nur rund ein Zwölftel des Platzes. "Wir haben keinen eigenen Fuhrpark. Dadurch bezahlen wir nur den Platz auf dem Lkw, den wir auch benötigen." Zudem kosten die IP etwa 15 Euro weniger und Palettenkonten sind überflüssig. "Wir haben 70 Speditionen im Einsatz, müssten also 70 Konten führen. Der Hauptgrund aber ist, dass unser Produkt nicht so schwer ist. So läuft unser Lkw-Europa­versand nach Süditalien und Frankreich komplett auf Einwegpaletten."

ASTAG besteht auf Tauschgebühr

  • Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband (ASTAG) meint: Paletten gehören grundsätzlich zur Ladung
  • Wünschen Versender/Empfänger den Tausch, ist die Tauschgebühr (Details unter www.astag.ch) zugunsten des Transportdiensleisters konsequent anzuwenden
  • Die (EPAL-) Tauschkriterien sind vorhanden und müssen endlich an der Rampe von allen umgesetzt werden
  • Wo nötig/wünschenswert, können Auftraggeber und Transportdienstleister extra vertragliche Vereinbarungen treffen

Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 01/2016.
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Claudia Wild

Datum

17. Dezember 2015
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