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Foto: Jan Bergrath

Overnight Tiefkühl-Service GmbH

Unternehmen mit langer Geschichte

Die Overnight Tiefkühl-Service GmbH aus Osnabrück fährt nicht nur für die Conditorei Coppenrath & Wiese. Der Logistikdienstleister wurde 1994 gegründet, um den klassischen Werkverkehr zu ergänzen.

Der Freitag ist seit jeher ein kritischer Tag in der Transportwirtschaft. Bundesweit stehen am Nachmittag bis in den späten Abend hinein Lkw an irgendwelchen Rampen und warten auf die Beladung. Das sorgt, vor allem bei der jüngeren Fahrergeneration, mitunter für Konflikte mit der Freizeitgestaltung. Bei WLS in Steinhagen ist das ganz anders. Ab Mittag trudeln bereits die ersten blauen Lkw von ihren Touren aus Deutschland und einigen mitteleuropäischen Ländern ein. Gunter Meley etwa war die Woche wieder in Frankreich, Raum Bordeaux. Seit 15 Jahren ist er schon bei WLS, es ist erst seine zweite Arbeitsstelle als Fahrer überhaupt. Davor hat er fünf Jahre lang Küchenmöbel ausgefahren, typisch für Ost-Westfalen. Er fährt einen Volvo mit 500 PS und dem, was der Fahrer braucht: alle Sicherheitspakete, dazu eine Standklimaanlage. "Unser Arbeitsmaterial ist modern", lobt er.

Der Volvo ist sein festes Auto. Er setzt den Mitnahmestapler auf dem Hof ab, tankt, fährt den Zug durch die Waschanlage, parkt den leeren Auflieger und rangiert die Zugmaschine in die Reihe. Nächste Woche geht es wieder nach Frankreich. "Unsere Auflieger werden vorgeladen. Wir haben allerdings keine festen Auflieger. Für jede Tour stellen wir uns den Zug neu zusammen und nehmen dann auch wieder einen anderen Mitnahmestapler mit. Aber auf eins kannst du dich verlassen: Hier ist alles immer tipptopp in Schuss."

Unternehmen an Dr. Oetker-Gruppe verkauft

Hinter der WLS steht eine lange Geschichte. Gründer Heinrich Leimkuhl belieferte 1903 erstmals per Fuhrwerk die Bielefelder. Aus dem Jahr 1994 sind zwei interessante Ereignisse für die Transportbranche bekannt: Die bisherige Bundesanstalt für den Güterfernverkehr wurde in das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) umgewandelt (weswegen bis heute viele Fahrer immer noch "die BAG" sagen"). Und in Osnabrück ging die Overnight Tiefkühl-Service GmbH an den Start. Der Grund: Die bisherige Genehmigungspflicht mit ihren verschiedenen Konzessionen für den Güternah- und Fernverkehr war entfallen. "Produzenten mit eigenem Fuhrpark konnten jetzt leichter ein Transportunternehmen gründen, um auch Fracht für Dritte zu fahren", erinnert sich Gerald Honerkamp. Der 46-Jährige hat 1993 als Disponent bei der Conditorei Coppenrath & Wiese angefangen – für ihn persönlich das erste und letzte Jahr im klassischen Werkverkehr.

Rückblick: Zu Beginn der 1970er-Jahre hatten zwei Vettern, der Kaufmann Aloys Coppenrath und der Konditor Josef Wiese, eine Vision. Sie wollten Torten und Kuchen herstellen und in ganz Deutschland über den Lebensmitteleinzelhandel verkaufen. Dazu wurden die Torten erst schockgefrostet und dann zum Einzelhandel transportiert. Seinerzeit eine revolutionäre Idee, die seit damals auf eine heute riesige Produktpalette bis hin zu den beliebten Tiefkühlbrötchen angewachsen ist. Im Jahr 2015 wurde das Unternehmen an die Dr. Oetker-Gruppe verkauft. Bereits 1975 hatte Coppenrath & Wiese mit den ersten eigenen Lkw die Auslieferung der eigenen Produkte begonnen. Das heutige moderne Kühllager mit 40.000 Stellplätzen war schon immer neben der Produktion in Mettingen mit 10.000 Stellplätzen ein Standort für den Frachtumschlag.

80.000 Paletten pro Jahr gehen in den Export

"Die Overnight Tiefkühl-Service GmbH ist als hundertprozentige Tochter von Coppenrath & Wiese entstanden, um auch gekühlte Frachten für andere Hersteller mit derselben Auslieferungsregion zu bündeln oder nach der Anlieferung Fracht für Dritte als Rückladung zu transportieren", erklärt Honerkamp, seit 2009 der Logistikleiter mit Prokura. "Ansonsten holen wir natürlich viele Rohstoffe oder Kartonagen zu unserem Produktionsstandort." Das Transportvolumen ist gewaltig. Etwa 80.000 Paletten pro Jahr gehen direkt von Mettingen aus über externe Frachtführer in den Export. 320.000 Paletten werden per Shuttle nach Osnabrück geholt, dort für die innerdeutsche Auslieferung eingelagert und für den Transport kommissioniert.

"Rund die Hälfte davon fahren wiederum externe Frachtführer", sagt Albert Breyer, einer der ältesten der 73 Fahrer bei Overnight. "Die anderen 50 Prozent fahren wir mit unserem eigenen Fuhrpark. Der Rhythmus der Touren richtet sich auch nach den meist elfstündigen Ruhezeiten, die wir in der Regel nach der Rückkehr von der Tour daheim machen. Das bedeutet natürlich immer auch unterschiedliche Anfangszeiten, wenn wir mit unseren vorgeladenen Lkw wieder rausfahren." Breyer ist das beste Beispiel für den Generationenwechsel im Transportgewerbe. Er fährt seit 1974 Lkw und hatte bislang drei Arbeitgeber, einer davon ebenfalls aus dem Werkverkehr. Seit zehn Jahren ist er bei Overnight und dort Mitglied im neunköpfigen Betriebsrat unter Leitung des freigestellten Vorsitzenden Stefan Berlemann. "Vieles, wovon unsere Fahrer heute profitieren, haben wir hier verhandelt."

Overnight setzt auf eigene Ausbildung

Das betrifft nicht nur das Lohnmodell mit seinen verschiedenen Lohngruppen und Zulagen, das die Fahrer von Overnight mit Sicherheit zu den bestbezahlten in der Region macht. Auch um technische Details der hochmodernen Flotte kümmert er sich. "Mittlerweile haben unsere neuen Tiefkühlauflieger die wirklich sehr leisen Kühlgeräte SLX 300e Whisper Pro. Das macht sich unterwegs schon sehr positiv bemerkbar, ebenso wie die Trennwände." Die Flotte hat derzeit ein Durchschnittsalter von zwei Jahren. Mercedes-Benz dominiert gefolgt von Scania, acht Leihfahrzeuge sind im Saisongeschäft zusätzlich im Einsatz. Gerade kamen acht neue Actros mit ABA 4, also inklusive Abbiegeassistent hinzu. Sie tragen die leicht modifizierte Firmenaufschrift. "Damit gehören wir zu den ersten Unternehmen, die diese Technik in Osnabrück einsetzen, um Radfahrunfälle zu vermeiden." Wobei die Lkw vom Lager aus eigentlich immer direkt auf die nahe A 1 fahren. Aber es ist ein Beitrag in einer Stadt, wo sich die lokalen Speditionen sehr für die Verminderung dieser schlimmen Unfälle einsetzen.

Die Fluktuation bei Overnight ist gering. Der erste BKF-Auszubildende, Philipp Rust, war zwischendurch mal im internationalen Fernverkehr unterwegs – und ist dann doch wiedergekommen. "Ich komme mit dem Rhythmus hier sehr gut klar. Die Disposition nimmt auch Rücksicht auf private Termine. Nur der gestiegene Verkehr und der ewige Stress beim Palettentausch in den Lagern des Einzelhandels ärgern mich." Dank des guten Betriebsklimas kommt Overnight langsam in das Dilemma der demografischen Falle. "Langjährige gute Fahrer scheiden nach und nach aus", sagt Honerkamp. Seit 2007 setzt er daher konsequent auf eigene Ausbildung. Die Zahlen sprechen für sich. "Von den 17 Azubis, die bei uns begonnen haben, sind 14 immer noch hier. Jason Greschok hat sogar einen für ihn schlechten Ausbildungsbetrieb verlassen, um seine Lehre bei Overnight zu beenden." Auch Yasmin Salatt, mit 18 Jahren gerade im ersten Lehrjahr, freut sich über die Aussicht auf einen sicheren Job, wenn sie mit der Lehre fertig ist. Ihre Mutter arbeitet ebenso als Lkw-Fahrerin. Mit anderen Osnabrücker Speditionen engagiert sich Overnight in einem Ausbildungsverbund. "Allerdings wird es immer schwieriger, junge Leute für diesen Beruf zu begeistern", beklagt Honerkamp, der nun mit cooler Werbung nach neuen Azubis und erfahrenen Fahrern sucht.

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Datum

7. Juli 2017
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