Zoom

Outsourcing: Arbeitsabläufe nach außen vergeben

Oftmals haben Kunden Bedenken, einen Teil ihrer Arbeitsabläufe nach außen zu vergeben. Der Logistikdienstleister Zufall bietet mit Joint Ventures eine Alternative an.

Die logistischen Lieferprozesse punktgenau abzustimmen ist Grundlage für den Unternehmenserfolg – und zwar in wohl beinahe jeder Branche. Um dies zu gewährleisten, gibt es zwei Möglichkeiten: Viele Firmen schreiben ihren Bedarf aus und wählen dann einen Dienstleister aus, der sich diesbezüglich um alle Belange kümmert. Ein kleinerer Teil nimmt die Logistik selbst in die Hand. Entweder unter dem selben Dach wie das Kerngeschäft oder aber als 100-prozentige Tochtergesellschaft.
»Meist steht bei dieser Entscheidung die Sorge im Vordergrund, einen Teil ihrer Prozesse nach außen zu vergeben«, sagt Jürgen Wolpert, Geschäftsführer der Zufall Logistics Group.
Wie also die scheinbar widerstrebenden Interessen – auf der einen Seite die Konzentration aufs Kerngeschäft und auf der anderen Seite der Wunsch, die Zügel in der Hand zu behalten – miteinander vereinen?
»Mit dem Joint Venture bieten wir hier eine interessante Form der Partnerschaft an«, sagt Wolpert. Der 52-Jährige kann dabei auf ein »äußerst erfolgreiches Beispiel für eine solche Verbindung« verweisen: Distribo. Dabei handelt es sich um ein Joint Venture von Zufall und Sartorius, einem Anbieter von Labor- und Prozesstechnologie. Sitz des Gemeinschaftsunternehmens ist in Göttingen.

Als das Joint Venture 2004 an den Start ging, hatten es sich die Verantwortlichen bei Sartorius zum Ziel gesetzt, die logistischen Prozesse weiter zu optimieren. Da Sartorius weltweit Unternehmen beliefert, die überwiegend aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie stammen, ging es insbesondere um eine Professionalisierung der internationalen Lieferlogistik. Gleichzeitig sicherte sich Sartorius durch den Aufbau von Distribo, an der das Unternehmen eine Minderheitsbeteiligung hält, ein wichtiges Mitspracherecht: Im Beirat der gemeinsamen Gesellschaft nehmen Vertreter von Sartorius zentrale Funktionen wahr und bestimmen als Interessenvertreter bis in konkrete Prozesse hinein mit.
Die Zusammenarbeit geschah aber keinesfalls zufällig. »Tatsächlich war Sartorius bereits über lange Jahre hinweg Speditionskunde von Zufall. Das enge Vertrauensverhältnis mündete schließlich in dem gemeinsamen Joint Venture«, erzählt Wolpert.
Operativ habe sich das Outsourcing dann rasch zu einem vollen Erfolg entwickelt: Die Zufall Logistics Group baute in der Nähe des Göttinger Sartorius-Werks ein neues Zentrallager für Europa auf, das vollkommen papierlos funktioniert. Mit dem Know-how des Speditions- und Logistikdienstleisters wurden sämtliche Prozesse rund um die Ein-, Aus- und Umlagerung von Waren sowie ihren Versand überprüft und optimiert.
»Unser erklärtes Ziel war ist es, ein gut organisiertes Logistik-Center zu betreiben, das sehr kurze Durchlaufzeiten, geringe Bearbeitungszeiten und schnelle Lieferungen ermöglicht«, erklärt Wolpert. Klar profitieren sollen natürlich auch die Sartorius-Kunden, die dringende Bestellungen sogar noch zu einem viel späteren Zeitpunkt als bisher tätigen können.
Von Göttingen aus werden vor allem Kunden versorgt, die weltweit agieren sowie Produktions- und Vertriebsstätten, die zum Sartorius-Konzern gehören. Dafür hat Distribo die Wertschöpfungskette sowie sämtliche mit der Logistik verbundenen Dienstleistungen übernommen. Das gemeinsame Unternehmen ist deshalb auch voll an das IT-System von Sartorius angeschlossen. Angefangen bei der Wareneinlagerung und der Erfassung der Produkte im Warenwirtschaftsystem kommt eine Reihe weiterer Dienstleistungen und Prozessschritte hinzu: die Kommissionierung und Konfektionierung für den weltweiten Versand, die Frachtkostenermittlung, das Frachtenmanagement, das Erstellen aller erforderlichen Fracht- und Versandpapiere sowie bei Bedarf der Exportlisten. Sogar einzelne Produktgruppen werden bei Distribo endmontiert, bevor sie in den Versand gehen.
Insgesamt erfüllt das Unternehmen eine Vielzahl an so genannten Value Added Services, also Mehrwertdiensten. Darüber hinaus übernimmt Distribo auch sämtliche Aufgaben rund um die Zollabwicklung wahr.

Distribo versendet die Produkte von Sartorius über alle Verkehrsträger, per Luftfracht, Seefracht oder über die Straße – und das weltweit in rund 130 Länder. »Seit der Gründung des Joint Ventures konnten wir die Prozesskosten deutlich senken und haben Produktivitätssteigerungen in der Größenordnung um 25 bis 30 Prozent erzielt«, erklärt Holger Idzikowski, Geschäftsleiter von Distribo. Die punktgenaue Abstimmung der Lieferprozesse zwischen Sartorius und Zufall war und ist also nachweislich erfolgreich. »Und die ist nicht zuletzt dieser sehr intensiven Form der Zusammenarbeit zu verdanken«, sagt Zufall-Geschäftsführer Wolpert.

Sartorius
Der Sartorius-Konzern ist einer der führenden Labor- und Prozesstechnologie-Anbieter mit den Segmenten Biotechnologie und Mechatronik. 2009 erzielte die Firmengruppe einen Umsatz von rund 602 Millionen Euro. Das 1870 gegründete Göttinger Unternehmen beschäftigt zur Zeit etwa 4.350 Mitarbeiter. Das Segment Biotechnologie umfasst unter anderem die Arbeitsschwerpunkte Filtration, Fermentation und Labor. Im Segment Mechatronik werden insbesondere Geräte und Systeme der Wäge-, Mess- und Automationstechnik für Labor- und Industrieanwendungen hergestellt. Die wichtigsten Kunden von Sartorius stammen aus der pharmazeutischen, chemischen sowie der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie aus zahlreichen Forschungs- und Bildungseinrichtungen des öffentlichen Sektors. Sartorius verfügt in Europa, Asien und Amerika über eigene Produktionsstätten sowie über Vertriebsniederlassungen und örtliche Handelsvertretungen in mehr als 110 Ländern.

Zufall
Bei der Zufall Logistics Group handelt es sich um ein 1928 gegründetes mittelständisches Familienunternehmen. Der Speditions- und Logistikdienstleister ist weltweit aktiv. Rund 1.500 Mitarbeiter – darunter etwa 120 Auszubildende – sind an den insgesamt zwölf Speditions- und Logistikstandorten tätig. Auf Vollzeitstellen umgerechnet entspricht das einer Ausbildungsquote von zehn Prozent. Die Firmengruppe erwirtschaftete 2009 einen Umsatz von rund 219 Millionen Euro. Zur Zufall Logistics Group gehören: Friedrich Zufall, Axthelm + Zufall, Logistec, Distribo, Transland Spedition und die Navis-Zufall Seehafen-Spedition. Als Partner der Kooperationen System Alliance, System Plus, Night Star Express und Brandlog ist das Göttinger Unternehmen europaweit vernetzt.

Joint Venture
Übersetzt bedeutet Joint Venture so viel wie Gemeinschaftsunternehmen oder auch gemeinsames Wagnis. Unter dem Begriff versteht man eine gemeinsame Tochtergesellschaft von mindestens zwei rechtlich und wirtschaftlich getrennten Unternehmen. Die Gründungsgesellschaften sind dabei mit ihrem Kapital beteiligt. Des weiteren bringen sie meist einen wesentlichen Anteil an Technologie, Schutzrechten, technischem Know-how oder auch Betriebsmittel ein. Ein Joint Venture ist dabei durch die beiden Aspekte Kooperation und Autonomie gekennzeichnet: Kooperation, weil die Gründungsgesellschaften in dem Joint Venture zusammen arbeiten. Autonomie deshalb, weil das neu gegründete Unternehmen weitgehend ohne Weisungen durch die Gründungsgesellschaften agiert.

Portraits

Autor

Datum

14. März 2011
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.