Menke Transport Brandeburg, Fussabdruck Zoom

Ostdeutschland 1992: Auf Spurensuche in der Vergangenheit

Was ist eigentlich aus den Speditionen geworden, über die trans aktuell 1992 berichtet hat? Die Redaktion hat sich umgehört.

Einmal Logistik, immer Logistik. Von wegen: Dienstleistungen in der Transportlogistik erbringt heute nur noch eine der drei 1992 in trans aktuell vorgestellten Firmen aus Ostdeutschland.

Spedition Belz hat überlebt

Die erste Spur führt nach Brandenburg an der Havel. In dieser Stadt westlich von Potsdam wird seit 1950 Kraftverkehrsgeschichte geschrieben. Im VEB Kraftverkehr Brandenburg lernte Jörg Belz Anfang der 70er-Jahre Kfz-Schlosser. Sein Vater Wolfgang Belz war Direktor für Verkehr. 1990 übernahm die Berliner Treuhandanstalt den Staatsbetrieb, um ihn zu veräußern. Sie setzte Wolfgang Belz als Geschäftsführer ein. Er sorgte für einen modernen Fuhrpark und volle Auftragsbücher.

trans aktuell stellte die Spedition mit ihren 84 Lkw, einer eigenen Werkstatt und 155 Mitarbeitern 1992 in Ausgabe 12 vor. Damals war Jörg Belz bereits Disponent. "Wir fuhren vor allem für die Stahl- und Chemieindustrie sowie für viele Speditionen in den alten Bundesländern", erinnert er sich. In den 90er-Jahren gab es in der brandenburgischen Region noch wesentlich mehr produzierende Betriebe. "Es ging ja dann alles nach und nach kaputt."

145 Mitarbeiter und über 98 Zugeinheiten

So schrumpfte auch die Firma Kraftverkehr Brandenburg. Als das Unternehmen Menke Spezial-Transporte den Betrieb im Februar 1994 von der Treuhandanstalt erwarb, waren noch rund 50 Mitarbeiter und 25 Fahrzeuge übrig. "Heute sind wir 145 Mitarbeiter und wir verfügen über 98 komplette Zugeinheiten, von denen 70 mit Ladetechnik ausgestattet sind", berichtet Speditionsleiter Jörg Belz. Gemeinsam mit Michael Rocke führt er seit diesem Jahr die Geschäfte der Menke-Niederlassung in Brandenburg.

Die Ausrichtung der Firma hat sich im Lauf der Jahre verändert: "Wir sind ein zuverlässiger Partner der Baustoffindustrie", sagt Rocke. Doch die Menke-Züge rollen auch für die Chemie-, Holz- und Stahlindustrie sowie für die Energiewirtschaft. Vorrangig sind die gelben Auflieger hinter den weißen DAF- und Renault-Zugmaschinen bundesweit, aber auch in den Nachbarländern unterwegs.

Zusammenarbeit mit 20 Subunternehmern

Um die Anforderungen der Kunden zu erfüllen, arbeiten die Brandenburger auch mit rund 20 Subunternehmern zusammen. Auf dem historischen Betriebsgelände verfügt Menke über ein 10.000 Quadratmeter großes Lager für Baustoffe und Chemieerzeugnisse. Die ehemalige Lkw-Werkstatt von VEB Kraftverkehr auf dem Areal wurde Mitte der 90er-Jahre von Menke zur eigenständigen Truck Vertriebs- und Service-Gesellschaft (TVS) umgestaltet und zählt heute mit drei weiteren Niederlassungen zu den größten DAF-Händlern und Renault-Truck-Servicebetrieben bundesweit.

Von Brandenburg weiter nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen: Im März 1990, vier Monate nach dem Mauerfall, investierte der Hamburger Transporteur Hugo Bruhn 7,5 Millionen D-Mark in der DDR. Im Lauf der Jahre steckte der Hanseat schließlich 40 Millionen D-Mark in seine ostdeutschen Distributionszentren Dettmannsdorf bei Rostock und Dürrweitzschen bei Leipzig. Über sein Engagement berichtete trans aktuell in Ausgabe 17/1992. Der Mittelständler beschäftigte damals 250 Mitarbeiter, davon arbeiteten allein im Freistaat Sachsen fast 100. Im Jahr 1995 verstarb Bruhn. Seine Frau führte das Unternehmen von Hamburg aus weiter – in die Insolvenz. "Es ist nichts mehr vorhanden", sagt Sohn Alexander Bruhn.

Günter Stoof startete 1953

Also zurück auf Spurensuche nach Brandenburg: Fragmente einstiger Transportaktivitäten sind in Brück sichtbar. In dem Städtchen hatte Günter Stoof 1953 seine private Spedition gegründet. Als selbstständiger Unternehmer fuhr er mit seinem W 50 im Auftrag des Kraftverkehrskombinats. Vorrangig waren Transporte für die Ziegelei. Unmittelbar nach der Wende investierte er in einen gebrauchten Mercedes mit Kofferaufbau. Damit fuhr er kurzzeitig Lebensmittel und übernahm dann Gastransporte für einen westdeutschen Unternehmer. 1990 stieg auch Sohn Jörg Stoof in die väterlichen Fußstapfen und verteilte als einer der ersten ostdeutschen Transporteure Zeitschriften eines Westverlages. "Jeder Tag eine neue Herausforderung" stand über dem Beitrag in trans aktuell, der das Geschäftsleben der Stoofs schilderte.

Damals verfügte Jungunternehmer Jörg Stoof über 15 Angestellte. Sein Fuhrpark umfasste drei 40-Tonner sowie sieben Ein- bis Dreitonner – alles Mercedes. Seine große Marktchance sah er damals in den Betrieben, die sich im nahen Industriegebiet ansiedelten. "Wenn es mir gelingt, mit diesen neuen Unternehmen als Hausspedition zu wachsen, dann bin ich über den Berg", sagte Jörg Stoof 1992.

Jörg Stoof fuhr einige Zeit für die Spedition Reico

Das Ziel wurde verfehlt. "Wir sind nicht mit einem einzigen gewachsen", resümiert er 20 Jahre später. Nach dem Zeitungsgeschäft fuhr er Kaffee, Hygieneartikel, Baustoffe und mehr. Für die Firma Riboth fungierte Jörg Stoof vier Jahre als Hausspediteur. Doch dann war plötzlich Schluss. Als Subunternehmer fuhr er einige Zeit für die Spedition Reico. Aber Ende der 90er-Jahre wurde es für den Unternehmer immer schwerer. "Die Preise ergaben keinen Sinn mehr. Ich habe die Notbremse gezogen", gesteht Jörg Stoof. 2002 gab er das Transportgeschäft auf.

Die Lkw-Werkstatt, die 1992 auf dem Unternehmensgelände eröffnet wurde, vermietet er seit Mai 2004. In diesem Objekt unterhält Jörg Stoof noch ein kleines Büro, in dem er seit Ende 2003 als Geschäftsführer für die Firma seiner Frau – Taxi und Mietwagen Andrea Stoof – tätig ist. Der 55-jährige Kfz-Meister und Speditionskaufmann managt drei Taxis und einen Mietwagen sowie sieben Fahrer. Der 31-jährige Sohn Matthias Stoof agiert seit Jahresbeginn im Familienbetrieb als Mietwagenfahrer. Er ist wie sein Vater Kfz-Mechaniker. So setzt sich die Familientradition fort – auch wenn die Blütezeit der Transportlogistik vorbei ist.

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Matthias Rathmann/Fotolia

Datum

16. Mai 2012
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