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On-Board-Unit von DKV: Eine Box für alle Fälle

DKV Euro Service-Chef Dr. Alexander Hufnagl will Kunden beim Flottenmanagement stärker unterstützen.

trans aktuell: Herr Dr. Hufnagl, Sie haben eine Nachhaltigkeitsbeauftragte eingestellt. Wozu? 

Dr. Hufnagl: Wir sehen uns schon als Vorreiter in Sachen CO2-Einsparungen, haben bisher aber viele Einzelmaßnahmen. Was uns fehlt, ist ein ausgearbeitetes Gesamtkonzept. Wir haben eine herstellerunabhängige E-Hybrid-Karte und eine grüne Karte zum CO2-neutralen Tanken in den Markt gebracht. Unser neues Bürogebäude ist ein Niedrigenergiehaus und der Energieverbrauch wird kompensiert, wir vergeben den Eco Performance Award – da machen wir sehr viel. Nachhaltigkeit bedeutet auch, unsere Mitarbeiter bei Gesundheitsfragen zu unterstützen, wir helfen Doc Stop finanziell und Fernfahrern in Not mit einem Sozialfonds. Das alles wollen wir bündeln und ausbauen.

Springen Ihre Kunden auf den grünen Zug auf?

Die Kundenzahl der Öko-Karten liegt noch unter zehn Prozent, doch das Bewusstsein steigt, auch weil die verladende Industrie zunehmend CO2-neutral agieren muss. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren ein Drittel der Kunden aufsteigen werden. Wir haben in Deutschland über 3.800 Ladesäulen angebunden, das rollen wir nun auf Europa aus.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Jahr 2015?

Das vergangene Jahr war für die DKV Mobility Group sehr erfolgreich. Allein unser Wachstum war historisch gut mit 1,8 Prozent. Wir wachsen besser als der Wettbewerb. Ohne den starken Kraftstoffpreisverfall von zehn bis 15 Prozent hätten wir unsere Bilanz um rund eine halbe Milliarde ausgeweitet. Das ist ärgerlich, aber nicht schlimm. So liegen wir immer noch bei 5,8 Milliarden Euro.

Sie wollen 100 neue Stellen in Kundenservice, IT, Vertrieb und Produktmanagement schaffen. Haben Sie Nachholbedarf?

Nein, wir haben eine klare Strategie für 2020 und danach. Wir wachsen sehr stark und setzen auf ein nachhaltiges Wachstum mit aller Konsequenz. Dazu gehen wir in neue Märkte und verstärken die Vertriebsorganisationen der einzelnen Länder. In diesem ersten Block entstehen die meisten neuen Stellen, der zweite sind die IT-Systeme, die wir auf völlig neue Füße stellen, modernisieren und an neue Anforderungen ausrichten. Außerdem entwickeln wir neue Produkte im Kraftstoff- und Mautbereich. 

Welche neuen Länder sind das?

Ganz neu gehen wir in die sogenannten eurasischen Länder, nach Russland und die Ukraine – obwohl aktuell kritisch, bauen wir den Standort auf. In Weißrussland sind wir sehr stark, gehen nach Georgien, Aserbaidschan und verstärken unser Engagement in der Türkei. In Frankreich, Polen und Italien gehen wir verstärkt in die Inlandsmärkte, bisher hatten wir diese nur als Cross-Border-Märkte gesehen. 

Wie entwickelt sich der deutsche Markt?

Ganz gut, wir wachsen im hohen einstelligen Bereich, mehr kann ich nicht verraten. Deutschland bleibt ein großer, wichtiger Markt und wir sehen auch für 2016 und danach – mit mehr Anstrengung und Schwierigkeiten – weiterhin Wachstum.

Der Logistik- und Speditionsmarkt ist weiter im Wandel. Was macht DKV, um Kunden zu gewinnen und zu behalten?

Das stimmt, der Markt verändert sich, es werden Unternehmen geschluckt, aber es entstehen auch wieder kleine, die als Sublieferanten für die Großen arbeiten. Die Grundstruktur bleibt ähnlich. Wir haben neue Kraftstofflieferanten mit anderen Preismodellen aufgenommen, etwa Tankpool24 in Deutschland. Das ist für unsere Kunden ein tolles Angebot, was uns auch bestätigt wird. Bei der Maut sind wir sehr weit und bieten alles aus einer Hand. Zudem sorgen wir für Interoperabilität zwischen Ländern. Unsere Kunden sparen dadurch interne Administration und Kosten.

Wo bleibt denn die europäische Mautbox?

Die EU hat vor zwölf Jahren gesagt: Wir wollen eine Interoperabilität, den Fokus auf den Nutzer legen und ein einheitliches Mautsystem in Europa. Doch die jeweiligen Egoismen der Länder sind so groß, dass jeder nach wie vor auf sein eigenes System beharrt, von den drei technologischen Grundtypen als einzige Gemeinsamkeit abgesehen. Zudem gibt es Restriktionen und Marktbarrieren. 

Gibt es auch Erfolge?

Positiv ist die dennoch wachsende Interoperabilität. Hier wollen wir mit der Ages und weiteren Partnern innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre alle europäischen Mautsysteme einbinden. Dafür investieren wir zweistellige Millionenbeträge. Zwischenzeitlich bauen wir unser Mautbox-System weiter aus und nehmen kurzfristig neue Länder und Services hinzu. In Italien, Österreich, Polen und Skandinavien sind wir dran, für bestimmte Relationen lokale Interoperabilität anzubieten. Wir wissen sehr genau, wo unsere Kunden unterwegs sind. Zusätzlich befragen wir unsere Kunden, wie wichtig ihnen das Thema ist. Sie wollen möglichst wenig Boxen. Das bestätigt unsere klare Zielrichtung.

Wann kommt denn die EU-Box?

2018, wenn sie alle Systeme einbinden soll. Deutschland wird im September 2018 ein neues System haben, parallel dazu müssen wir neue Boxen auf den Markt bringen. 

Kooperationen sind dabei zentral – was planen Sie hier?

Mit MAN und Volkswagen haben wir schon lange eine sehr fruchtbare Kooperation für beide Seiten. Mit allen anderen großen Nutzfahrzeugherstellern sind wir im Gespräch, da sich unsere Geschäftsfelder zunehmend überschneiden. Hier können wir manches besser. Die Hersteller werden ihre OBUs in drei, vier Jahren überwiegend ins Fahrzeug integriert haben, mit offenen Schnittstellen für die Software. Das Thema ist für uns existenziell wichtig. Wir verfügen über sehr viele Daten, die für viele Unternehmen wichtig werden. Hier sind wir Datenlieferant und wollen mit Herstellern zusammenarbeiten.

Wie gehen Sie das Thema Kundenorientierung an?

Unsere Mitarbeiter fokussieren sich auf die Kunden und wir befragen diese regelmäßig nach ihrer Zufriedenheit, jährlich 14.000 Kunden in acht Key Countries. 71 Prozent der deutschen Kunden würden uns weiterempfehlen, das ist phänomenal. Unser Ziel liegt bei 75 Prozent bis 2020, das ist realistisch. Ein übergeordnetes Ziel ist die ständige Verbesserung unserer wichtigsten Berührungspunkte mit dem Kunden. Beispielsweise möchten unsere Kunden immer dieselben Ansprechpartner, diese auch erreichen und erwarten in kürzester Zeit eine Antwort. Deshalb ist unser Customer Support – international gesehen – mit weit mehr als 100 Mitarbeitern sehr groß. Hier bekommen wir exzellente Rückmeldungen von den Kunden und sind stolz darauf. 

Was vermissen Ihre Kunden?

Die Kunden fordern sehr stark, dass wir Daten so aufbereiten, dass sie flexibler in ihre Softwaresysteme eingespeist werden können. Damit gehen wir jetzt stärker in den Markt. Dazu bauen wir unsere IT aus und entwickeln aktuell eine offene Datenplattform, um verschiedene Systeme zu verbinden und ein voll umfängliches Datenportfolio zur Verfügung zu stellen. Für noch mehr Sicherheit beim Tanken wollen wir in absehbarer Zeit Echtzeit-GPS- und Tankdaten miteinander abgleichen. 

Steigen Sie in weitere Geschäftsfelder neu ein?

Beim Bezahlservice werden wir uns stark entwickeln. Zudem wollen wir in Flottenmanagement-Services einsteigen, was bisher nur rudimentär ein Thema war. Im Kern wollen wir alle Daten aus unserem System herausziehen und um externe Geo- und Mobilitätsdaten ergänzen. Wir könnten so eine vollumfängliche Plattform anbieten, die alle relevanten Daten abbildet, die für die Steuerung eines Fuhrparks im Güterverkehr heute nötig sind – von der Verladung im Zeitfenster beim Hafen bis zu effizientem Fahren – immer abhängig von der Verkehrssitua­tion. An dieser können wir nichts ändern, doch wir können die Daten für eine bessere Planbarkeit von Transporten zur Verfügung stellen. Der Handlungsdruck ist riesig. Ob der Markt bereit ist, angesichts geringer Margen für diese Leistungen zu bezahlen, ist noch offen.

Die Bausteine sind alle da, Sie wollen diese zusammenführen?

Wir wollen als Datenintegrator eine Plattform eröffnen, die Schnittstellen zu verschiedensten Partnern ermöglicht. Informationen sammeln, verbinden und weiterleiten – an die Verlader, die Spediteure, die Endkunden. Dazu sprechen wir mit Unternehmen wie TomTom, der PTV Group und den Herstellern. Wir als europäischer Marktführer im Tank- und Servicebereich sind ein starker Partner und damit für andere Premiumpartner die erste Wahl.

Das Unternehmen

  • DKV gehört zur DKV Mobility Services Group mit 
  • 780 Mitarbeitern und 5,8 Milliarden Euro Jahresumsatz
  • Rund 60.000 markenübergreifende Akzeptanzstellen in 
  • 42 Ländern; 2,5 Millionen DKV-Cards und On-Board-Units wurden an 120.000 Kunden ausgegeben
  • Auszeichnung 2015: Beste Marke, Kategorie Tank- und Servicekarten des ETM Verlags
  • Hybrid-Tankkarte für E-Fahrzeuge, DKV Card Climate zum CO2-neutralen Tanken, kostenlose App auch für Windows
Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 06/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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Datum

3. März 2016
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