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Oliver Wyman-Studie: Stärkere Zusammenarbeit mit Start-ups nötig

Die etablierten Logistikdienstleister sollten mehr mit den Start-ups ihrer Branche kooperieren, sonst könnten sie in Zeiten der Digitalisierung abgehängt werden. Dieser Appell geht aus einer kürzlich veröffentlichten Analyse der internationalen Management-Beratung Oliver Wyman hervor.

Nicht nur die Zusammenarbeit, auch die Förderung von Start-ups lasse zu wünschen übrig. In den USA und in Asien fließen laut der Management-Beratung Oliver Wyman rund 45 Prozent der globalen Investitionen in Logistik-Start-ups, in Europa dagegen liege der Wert lediglich bei fünf Prozent.

Dr. Bernhard Albert, Zukunftsforscher und Berater für Logistikunternehmen, stimmt den Ergebnissen der Studie zumindest teilweise zu: "In Deutschland gibt es eine hohe Innovationskultur, die gefördert wird. Das trifft auch auf die Logistik zu." Allerdings würden viele aussichtsreiche Konzepte an den Hochschulen und Universitäten entwickelt und erreichten keine Marktreife. Das hänge auch mit der fehlenden Neugierde der deutschen Logistiker zusammen. "Viele setzen eher auf die sichere Bank und verlassen sich auf etablierte Unternehmen", erklärt Albert.

Etablierte Logistiker könnten zu Dienstleistern der Start-ups werden

Diese Haltung sollten sie überdenken, denn ein Ende der Start-up-Bewegung sei derzeit nicht in Sicht. "Wenn die etablierten Logistiker den Anschluss verpassen, werden sie am Ende zum Dienstleister der Start-ups", sagt der Zukunftsforscher. Das sei zwar eine düstere Prognose, doch insbesondere in der Logistik, die sich im disruptiven digitalen Wandel befinde, sehe er großes Potenzial für den Ideenreichtum der Start-ups.

Dieser Ansicht sind offenbar auch Start-up-Riesen wie die Gebrüder Heilemann und Samwer, die 2016 Online-Speditionen gründeten. Die Samwers stehen hinter der Firma Rocket Internet und damit hinter dem Online-Händler Zalando. Fabian und Fery Heilemann gründeten die Gutscheinplattform Daily Deal.

Nun greifen die beiden Brüder-Paare mit Freight-Hub beziehungsweise Instafreight in der Logistik an und sind damit nicht alleine: 42 Logistik-Start-ups in Deutschland, Österreich und der Schweiz führt die Oliver Wyman-Studie für das Jahr 2016 auf. Dazu zählen nicht nur digitale Angebote, sondern auch Dienstleister wie die Streetscooter der Deutschen Post. Die Anzahl der Start-ups erscheint allerdings verschwinded gering im Hinblick auf rund drei Millionen Beschäftigte in der Logistik allein in Deutschland.

MAN kooperiert mit Start-ups

Doch untätig bleibt die Branche nicht. An der digitalen Logistik-Plattform RIO von MAN, die im Frühjahr auf den Markt kommt, beteiligen sich auch Start-ups. MAN will mit deren Hilfe alle Beteiligten der Lieferkette digital vernetzen.

So steuert das 2016 gegründete Start-up Loadfox eine Art Mitfahrzentrale für Fracht bei. Speditionen und Transportunternehmen können Online mit Partnern Ladungen tauschen, sodass aus Teilladungen profitable Touren werden. Laut Geschäftsführer Maximilian Rabl zeigen Speditionen und Frachtführer großes Interesse an Loadfox.

Große und kleine Unternehmen profitieren voneinander

Die beiden Gesellschafter MAN und BCG Digital Ventures, eine Tochterfirma der Boston Consulting Group, verschaffen einen gewissen Bekanntheitsgrad und Stabilität. Die Vorteile eines Start-ups liegen für Rabl unter anderem in der geringen Mitarbeiterzahl: "Kleinen Unternehmen fällt es leichter, sich auf eine Sache zu fokussieren, Ideen schnell aufzugreifen und umzusetzen", erklärt Rabl.

Darum suche Loadfox gezielt auch Partnerschaften mit großen Unternehmen, da sich aus seiner Sicht so die Stärken beider Seiten bündeln lassen. Für Loadfox arbeiten zehn Mitarbeiter, für das ebenfalls an RIO beteiligte Start-up Synfioo sieben.

Marian Pufahl gründete Synfioo gemeinsam mit Anne Baumgraß und Andreas Meyer im Oktober 2015. Schon im Gründungsjahr gewannen die jungen Leute den Start-up-Wettbewerb von DB Schenker. Zunächst als Pilotprojekt an der Universität Potsdam angesiedelt, ist das System zur Überwachung von Transportstörungen wie Staus oder unvorhergesehenen Wartezeiten seit dem vergangenen Sommer bei dem ersten Kunden im Einsatz.

Der erste Partner kommt aus den Niederlanden

Allerdings nicht bei einem deutschen Logistikunternehmen, sondern bei der niederländischen Spedition Jan de Rijk mit mehr als 1.000 eigenen Fahrzeugen. "Wir haben tatsächlich das Gefühl, dass Unternehmen aus Frankreich oder Benelux uns gegenüber offener sind als deutsche", sagt Pufahl. Mit der RIO-Kooperation hoffe er aber, auch deutsche Logistiker als Partner gewinnen zu können.

Deutsche Verlader hingegen scheinen gegenüber Start-ups aufgeschlossener zu sein. Die Kunden des Berliner Start-ups Frachtraum kommen laut Gründer Stefan Dörfelt überwiegend aus Deutschland. Gemeinsam mit den Co-Gründern Gabriel Sieglerschmidt und Mark Kirschbaum nannte er die Online-Spedition zunächst Überland, bis sich der kalifornische Fahrdienst Uber beschwerte.

Dörfelt ist sich der Faszination Start-up durchaus bewusst: "Der Anspruch von Start-ups ist es, etwas grundlegend anders zu machen." Viele neue Ideen werden auf den Markt kommen. Laut der Oliver Wyman-Analyse gründet sich weltweit alle fünf Tage ein neues Logistik-Start-up. Die etablierten Firmen können von so viel frischem Wind vor allem eines: profitieren.

Die Start-ups:

  • Loadfox kombiniert Teilladungen aus dem Netzwerk der Partner-Speditionen zu profitablen Touren, kooperiert mit RIO
  • Synfioo überwacht intermodale Transporte mit Echtzeitanalysen, kooperiert mit RIO
  • Frachtraum ist eine Online-Spedition, die vor allem mittelständischen Verladern eine digitale Plattform bietet

Franziska Niess

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Syda productions - Fotolia

Datum

13. Januar 2017
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