Kravag, Rollinger Zoom

Norbert Rollinger im Gespräch: Vorbereitet bei Zollkontrollen

Was bringt die Mindestlohn-Absicherung der Kravag? Vorstandsvorsitzender Dr. Norbert Rollinger bilanziert bislang rege Nachfrage. Im Gespräch verrät er zudem, was es Neues gibt bei Kravag.

trans aktuell: Herr Dr. Rollinger, wie erfolgreich läuft das neue Angebot zur Absicherung des Mindestlohns?

Rollinger: Wir verkaufen unsere MiLoG-Versicherungslösung seit April und die Nachfrage ist sehr gut. Rund 500 Verträge mit etwa 550.000 Euro Beitrag haben unsere Kunden bisher abgeschlossen – vor allem für den MiLoG-Rechtsschutz. Das Thema bleibt hoch aktuell, da es trotz der angekündigten Modifizierungen des Mindestlohngesetzes keine Entwarnung für die Logistik gibt. Nicht umsonst sollen rund 1.600 neue Zöllner eingestellt werden, um die Einhaltung des MiLoG zu überwachen. Mittlerweile gab es auch bei unseren Kunden erste spektakuläre Aktionen. Wenn unangemeldet 30 bis 40 Zollbeamte bewaffnet in einen Betrieb kommen und alle Mitarbeiter interviewen, dann ist das sehr medienwirksam und löst im Unternehmen viele Friktionen aus.


Was ist dabei Ihre Aufgabe als Versicherer?

Wenn die Unternehmer uns über unsere Schaden-Hotline anrufen, können wir relativ zügig einen Rechtsbeistand besorgen und zur Abwehr von Maßnahmen beraten. Die Rechtslage bei Eingriffen des Zolls ist hoch komplex – da kann nur ein versierter und erfahrener Fachanwalt helfen.

Gibt die Kravag ihren Kunden Verhaltenstipps an die Hand für solche Fälle?

Bisher nicht, aber das ist eine gute Anregung, die wir gerne einmal in unserem Hause diskutieren. Welche Rechte haben die Zollbeamten? Welche Dokumente müssen die Unternehmer vorlegen? Und wer muss informiert werden? Wenn der Zoll anrückt, könnte eine Checkliste den Unternehmern und ihren Mitarbeitern helfen, sich in dieser Stresssituation richtig zu verhalten.

Was steckt hinter dem neuen Produkt zur Interimsgeschäftsführung für Möbelspediteure?

Der Vorschlag kam direkt aus dem Gewerbe. Wenn der Inhaber einer Möbelspedition plötzlich erkrankt, kann das Unternehmen durchaus in eine Krise geraten. Da ist es wichtig, dass schnell ein erfahrener Profi das Ruder übernimmt und vorübergehend die Geschäfte weiterführt. 75 Prozent der hierfür anfallenden Kosten decken wir mit einem Baustein der Kravag-Logistic-Police ab. Bisher hatten wir noch keinen Schadenfall, aber bei den mittelständischen, oft inhabergeführten Unternehmen ist das nur eine Frage der Zeit. Wer sich auf mögliche Krisenszenarien gut vorbereitet hat, kann im Falle eines Falles schnell und strukturiert handeln.

Wie werden neue Themen an Sie herangetragen?

Kravag ist traditionell sehr gut vernetzt mit dem Straßenverkehrsgewerbe – wir sind ja quasi ein „Familienunternehmen“. In unseren Aufsichtsgremien und Beiräten sind zahlreiche Unternehmer vertreten und gestalten die Firmenpolitik aktiv mit. Außerdem arbeiten wir eng mit unseren Vertriebspartnern in den Straßenverkehrsgenossenschaften und den Branchenverbänden zusammen. Sie alle bringen Ideen ein und so können wir schnell auf neue Risiken reagieren wie etwa beim Mindestlohn. Natürlich können wir nicht alle Anregungen umsetzen, wir müssen ja auch wirtschaftlich handeln. Aber bisher ist es uns gelungen, unsere Kunden jederzeit optimal abzu­sichern.

Welche Neuerungen gibt es in der Kravag-Logistic-Police?

Im kommenden Jahr dehnen wir in der Verkehrshaftungsversicherung den Geltungsbereich aus und erhöhen die Deckungssummen für Güter- und Güterfolgeschäden sowie Vermögensschäden. Außerdem sind dann in Grenzen speditionsunübliche Leistungen und verfügte Lagerungen durch den Frachtführer mitversichert. Auch in der
Sach- und Haftpflichtversicherung passen wir die Leistungen den künftigen Anforderungen unserer Firmenkunden an.

Sie finanzieren sich über Beiträge und Zinserträge, die allgemein sinken. Wie schließen Sie diese Einnahmenlücke?

Zum Glück haben wir eine sehr solide, gut strukturierte Kapitalanlage. Aber natürlich müssen wir in der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase trotzdem sorgsam darauf achten, dass sich die Einbußen bei Kapitalanlageeinkünften nicht in einem negativen Geschäftsergebnis niederschlagen. Um dies zu verhindern, müssen wir unser versicherungstechnisches Ergebnis verbessern.

Wie erfolgreich sind Sie dabei?

Wir sind auf einem guten Weg: Unsere Kostenquote ist stabil und unsere Beitragseinnahmen steigen seit Jahren kontinuierlich an. Auch unser erfolgreiches Schadenverhütungsmanagement hat dazu beigetragen, dass die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) der Kravag-Logistic jetzt erfreulicherweise unter der Hundert-Prozent-Marke liegt.

Welche weiteren Maßnahmen ergreifen Sie?

Gemeinsam mit unseren Firmenkunden arbeiten wir intensiv daran, die Schadenquoten weiter zu senken und analysieren das Schadengeschehen ganz genau. Auch im Verkehrsgewerbe gewinnt das Qualitätsmanagement stetig an Bedeutung. Wenn zum Beispiel ständig Fahrzeuge wegen vermeidbarer Park- oder Rangierschäden in die Werkstatt müssen, belastet das auch den Betriebs­ablauf im Unternehmen. Wenn wir nur noch für die unvermeidbaren Schäden einspringen müssen, schlägt sich das am Ende des Tages auch auf die Beiträge nieder.

Es gab einige dramatische Lkw-Unfälle, bei denen Fahrer wohl die Assistenzsysteme ausgeschaltet haben. Hat dies Einfluss auf die Absicherung?

Da Fahrerassistenzsysteme nicht nur Blechschäden verhindern, sondern vor allem auch Menschenleben retten, haben wir großes Interesse daran, dass sie eingesetzt werden, und kooperieren hier unter anderem mit den Berufsgenossenschaften. Auf die Absicherung hat das keinen Einfluss. Die Systeme sind noch keine Pflicht und es gibt bei uns auch keine Prämienvorteile für Fahrzeuge mit diesen Sicherheitsstandards.

Also gibt es bisher keinen Einfluss auf die Versicherung, aber auf das Unternehmen ...

Ja, schlussendlich schaden die Fahrer auch ihren Arbeitgebern, wenn sie die Systeme abstellen und dadurch schwere Unfälle verursachen, etwa auf ein Stauende auffahren. Wenn die Schaden­quote steigt, müssen ihre Chefs auf Dauer höhere Versicherungsbeiträge zahlen.







Zur Person
Dr. Norbert Rollinger: gebürtiger Luxemburger, verheiratet, drei Kinder, Jurist und Betriebswirt, Karrierestart bei McKinsey & Company, Einstieg in Versicherungsbranche
seit 2009 im Vorstand der R+V Versicherung, Vorstandsvorsitzender Kravag-Allgemeine
die wahl

Kravag-Aufsichtsrat
Nach 15 und 20 Jahren mit goldener Ehrennadel verabschiedet: Wilhelm Höhler (Siko-Logistik), Peter Komm (Fritz Komm Spedition) und Horst Schmidt (Karl Schmidt Spedition)
Neu im Amt: Andreas Komm (Komm Logistik), Markus Krüger (Krüger Logistik), Klaus Meyer (Meyer Gruppe), Julia Merkel (Nachrückerin
für Hans-Christian Marschler, beide R+V Versicherung)

Portrait

Autor

Foto

Claudia Wild

Datum

13. August 2015
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