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Nissan Navara 3.0 dCi: Pick-up im Nadelstreif

Groß, schwer, stattlich – der Nissan Navara mit Drei-Liter-Dieselmotor macht eine gute Figur. Sein überarbeitetes V6-Aggregat mit 231 PS legt die Latte hoch im Pick-up-Segment.

Eine beeindruckende Erscheinung ist der Navara, wie er da so steht und in der Sonne glänzt. "Wer will denn so ein unhandliches Fahrzeug?", kommt prompt der Einwurf unseres Nachbarn, der eine Taxi-Flotte betreibt. Der im spanischen Nissan-Werk in Barcelona produzierte Navara ist kein Auto für die Stadt. Mit einer Länge von nahezu 5,30 Metern, einer Breite von 1,85 Metern (gemessen ohne Außenspiegel) und einem Wendekreis von 13,8 Metern tut er sich in engen Gassen oder bei der Parkplatzsuche in Parkhäusern schwer.

Und für den privaten Gebrauch eignet er sich auch nur begrenzt, zum Beispiel für Fahrer mit ausgefallenen Hobbys: Hundebesitzer, die den Navara per Hardtop zu einer fahrenden Box für Alaskan Malamutes verwandeln oder Pferde-Besitzer, die ein potentes Zugfahrzeug suchen. Wer es sich leisten kann, setzt ihn auch für den Transport mehrerer Fahrräder oder zwei auf der Ladefläche diagonal verspannter Motorräder ein.

Gut durchdacht in puncto Ladungssicherung

In puncto Ladungssicherung ist der Navara übrigens gut durchdacht: Neben den Verzurrösen auf dem Ladeboden steht auch noch oben an der Bordwand ein pfiffiges Schienensystem bereit, dass das Fixieren von hoch aufragendem Transportgut erleichtert.  Aus reinem Spaß dürften sich jedenfalls die wenigsten einen Pick-up in diesem Format kaufen. Zum Großteil ist der Navara ein Arbeitstier für die Fahrt zur Straßenbaustelle, ins Forstrevier, zur Garten- oder Windenergieanlage.

Ein interessanter gewerblicher Einsatzbereich kommt hinzu. Wer im Zusammenspiel mit einem Hänger größtmögliches Gewicht zu straßenverkehrsrechtlichen Pkw-Vorschriften bewegen will, ist bei einer Anhängerlast von drei Tonnen mit dem Navara gut bedient. Sein V6-Diesel erledigt diese Aufgabe souverän, die eigene Zuladung liegt noch mal deutlich über einer Tonne.

Pick-up mit langer Double-Cab-Kabine vorn und vier Türen

Mit der langen Double-Cab-Kabine und vier Türen bietet der Pick-up hinten ausreichend Platz für drei Erwachsene. Außen unterscheidet sich der Navara vom Vorgänger durch einen nur unwesentlich längeren Vorderwagen und ein leicht abgeändertes Scheinwerfer-, Kühlergrill- und Stoßfänger-Design. Der Innenraum in der hochwertigen und kostspieligen LE-Ausstattung samt lederbezogenen Sitzen steht jenem eines SUV in nichts nach. Neu sind geänderte Türverkleidungen, ein anders gestaltetes Zentral-Display und ein auf Wunsch verfügbares Navigationssystem mit Rückfahrkamera. Hinzu kommt ein HD-Display, das MP3-Spieler und Mobiltelefon einbindet.

Imposanter Sechszylinder mit 231 PS Leistung

Beeindruckend ist der große Drei-Liter-Diesel. Allein zwei kleine V6-Schriftzüge  an den vorderen Türen weisen auf den Sechszylinder mit 231 PS und 550 Newtonmeter maximalem Drehmoment hin. Den von Konzernpartner Renault entwickelten Motor kombiniert Nissan mit einer Siebengang-Automatik aus eigenem Haus. Bereits der Motorstart ist bemerkenswert: Mit profundem Bass  erwacht der V6 zum Leben. Benziner oder Diesel? Bei Leerlaufdrehzahl ist das im ersten Moment nicht eindeutig auszumachen.

Auf höhere Drehzahlen gebracht, faucht der 3.0 dCi wie ein missmutiger Panther. Wird die Leistung des Motors ausgereizt, setzt der Navara Gaspedalbefehle beharrlich und mit unbändigem Schub nahtlos in Vortrieb um.  Bei einer allerdings wenig exakten Lenkung. Mit sensiblerem Gasfuß belässt es der V6 hingegen bei seinem angenehm voluminösen Bass. Und die Automatik verzichtet derweil –  bis auf wenige Fahrzustände – auf nervöses Hin- und-her-Schalten. Das Getriebe schaltet schnell in hohe Gänge, bei moderater Fahrweise steigt die Drehzahlnadel kaum über die 2.000er-Marke. Kein Wunder, entwickelt der 3.0 dCi sein maximales Drehmoment von 550 Newtonmetern schon bei 1.500 Umdrehungen per Minute. Dass er es auch ohne Pirouetten zu drehen sicher auf die Straße bringt, dafür sorgt eine bemerkenswerte Neuerung: Erstmals gibt es den Navara mit ESP.

In 9,5 Sekunden auf Tempo 100

Es geht natürlich auch anders: Aus dem Stand ist der Drei-Liter-Navara in 9,5 Sekunden auf Tempo 100, auf der Autobahn erreicht er, wenn es sein muss, Tempo 190. Der Luftwiderstand, den das Fahrzeug höheren Geschwindigkeiten entgegensetzt, ist allerdings extrem. Entsprechend steigt der Verbrauch. Aus den bei normaler Fahrweise laut Bordcomputer 8,2 bis 9,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer werden dann schnell mehr als 14 Liter.

Wandelbares ESP zur Traktionskontrolle für schroffe Passagen

Ähnlich hohe Verbrauchswerte zeigt der Pick-up naturgemäß im Gelände. Für Offroad-Passagen auf losem Untergrund empfiehlt sich der Allradantrieb, zu aktivieren mit einem Drehknauf vor dem Schalthebel. Für schroffe Passagen ist zudem das zur elektronischen Traktionskontrolle wandelbare ESP gedacht. Und wer noch mehr Geländefähigkeit im Navara benötigt, bekommt zu einem Aufpreis von rund 650 Euro eine Hinterachssperre.

Mit einer Wattiefe von 45 Zentimeter ist der Navarra zur Überquerung von Bächen geeignet

Mit seiner Bodenfreiheit von rund 21 Zentimetern und einer Wattiefe von 45 Zentimetern ist der Navara dann selbst für die Überquerung kleiner Bäche bestens gerüstet. Was hingegen schmerzlich ins Kontor schlägt, ist der Preis von happigen 45.419 Euro. Dass es für den Double-Cab in LE-Ausstattung bei diesem Tarif nur noch wenige Aufpreise für Extras gibt – es bleibt ein schwacher Trost.

Andreas Wolf lastauto omnibus

Autor

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Andreas Wolf

Datum

4. Juni 2012
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