Neuer Eigentümer beim Fahrzeugbauer Sommer Zoom

: Neuer Eigentümer beim Fahrzeugbauer Sommer

Der Fahrzeugbauer Sommer hat nach der Insolvenz Mitte Oktober 2009 einen neuen Eigner. Dahinter steht mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Alexander Tietje, kein Unbekannter. Zuletzt übte er diese Funktion bei Kögel aus. Tietje will das Vertrauen der Kundschaft wieder gewinnen wie er im Interview mit lastauto omnibus erklärt. lastauto omnibus: Wie kommen Sie von Kögel zu Sommer? Alexander Tietje: Wir haben einen Management-Buy-out bei Kögel versucht, waren bis zuletzt in der engeren Auswahl. Letztendlich aber hat Ulrich Humbaur den Zuschlag bekommen. Ich wollte aber weiterhin im Fahrzeugbau in eigener Verantwortung arbeiten. Als Sommer im vergangenen Oktober in die Insolvenz ging, sind wir zu dritt angetreten, um das Unternehmen aus der Insolvenz zu erwerben und haben uns unter 25 Interessenten durchgesetzt. Zum 1. Oktober 2010 gehen die Geschäfte auf die neu gegründete Sommer GmbH über. Wer steht nun hinter Sommer? Es gibt drei Gesellschafter. Richard Bäumler als kaufmännischer Geschäftsführer verantwortet Finanzen, Controlling, Personal und IT. Franz Tropsch leitet als Geschäftsführer die Produktion der beiden Werke Laucha und Brzeznio in Polen.  Beides sind ehemalige Kögel-Mitarbeiter. Ich selbst übernehme den Vorsitz der Geschäftsführung und zeichne verantwortlich für Vertrieb, Einkauf und Technik. Altinhaber Gerhard Sommer steht dem Unternehmen als Berater zur Seite. Sommer erzielt geringere Umsätze als Ihr früherer Arbeitgeber Kögel - ein Rückschritt für Sie? Gerade in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation nicht. Sommer erwirtschaftet 2010 voraussichtlich einen Umsatz von 30 Millionen Euro. Auf diese Größe sind während der Krise wesentlich größere Unternehmen eingebrochen.  Sommer hat die entsprechenden Strukturen auch in dieser Größenordnung profitabel arbeiten zu können, Unternehmen mit größeren Strukturen können das nicht ohne weiteres. Da Sie mich persönlich fragen, liegt die Motivation natürlich darin begründet nunmehr das eigene Unternehmen voranbringen zu können. Der neue Sommer präsentiert sich auf der IAA. Mit welcher Botschaft gehen Sie nach Hannover? Wir wollen zunächst das Vertrauen unser Geschäftspartner wiedergewinnen, dafür gehen wir persönlich in die Verantwortung und bleiben nicht nur als Investor im Hintergrund. Sommer ist wieder da und besinnt sich auf seine alten Stärken. Der Name ist nach wie vor gut, die Produktpalette bewährt und breit aufgestellt. Welche Fehler wurden zuvor gemacht, dass Sommer in die Insolenz geraten ist? Führung und Konstanz haben dem Unternehmen gefehlt. Es konnte nicht am Boom der Jahre 2006 bis 2007 partizipieren. Die ständigen Wechsel im Management haben Sommer geschwächt. Es kam zu einem Stillstand in der Unternehmensentwicklung. Welche Strategie wählen Sie? Zunächst bauen wir auf den bewährten Produkten und langjährigen, treuen Kundenbeziehungen auf. Die Kunden, die auch in der schwierigen Zeit zu Sommer gestanden haben, sollen natürlich weiterhin die SOMMER Produkte so erhalten, wie sie sie schätzen. Dann setzen wir dort an, wo in Sachen Wettbewerbsfähigkeit in den letzten Jahren zu wenig getan wurde. Wir werden unseren Service, unsere Zuverlässigkeit und auch unsere Produkte und Produktionsmethoden verbessern. Im KEP-Segment, eine der Säulen des Unternehmens, realisieren wir heute schon eine Serienproduktion. Der Fahrzeugbau ist von  individuellen Lösungen  und Einzelfertigung geprägt. Hier müssen wir es schaffen, unter serien-nahen Bedingungen mit Losgröße 1 Individualität und Produktivität unter einen Hut zu bringen. Zudem müssen wir den Vertrieb in den Stammmärkten Deutschland und Mitteleuropa stärken. Die bekannte Vertriebsmannschaft bleibt dabei genauso erhalten wie die beiden Standorte Laucha und Brzeznio und die Zahl der Mitarbeiter. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Sommer nun wieder Erfolg haben wird? Wir haben eine gute Ausgangsbasis mit treuen Kunden,  sowohl im KEP-Bereich als auch im klassischen Fahrzeugbau. Wir haben auch im vergangenen Jahr als eines der ganz wenigen Unternehmen nicht kurzgearbeitet.  Es gab nur keine Mittel, um die Materialbeschaffung vorzufinanzieren, was dem Unternehmen letztendlich zum Verhängnis wurde. Unser Übernahmekonzept hat jedenfalls Insolvenzverwalter und Finanzierungspartner überzeugt, so dass wir solide  arbeiten können und das Unternehmen von einer stabilen Basis weiterentwickeln können. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und das werden wir tun!. Wo wollen sie in zwei Jahren stehen? Absolute Zahlen will ich wegen der schwierigen Konjunktur im Fahrzeugbau keine nennen. Aber der Markt wird definitiv anziehen, es wird aber länger dauern, bis er wieder auf dem Niveau früherer Jahre ist. Fakt ist, dass es einen Investitionstau in den Flotten gegeben hat. Der wird sich nun lösen, davon werden auch wir profitieren. Wir haben vorsichtig geplant und wollen uns Schritt für Schitt besser positionieren. Jetzt sprechen wir über einen Neustart, in zwei Jahren wird das Unternehmen einen Großteil der zuvor genannten Hausaufgaben gemacht haben und neben Bewährtem auch Neues bieten.

Datum

15. September 2010
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