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Netzwerk: Gemeinsam statt einsam

Die Mittelstandskooperation Kolos will weiter wachsen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Themen Effizienz und Zertifizierung.

Die Mittelstandskooperation Kolos (Kooperation Logistik Spedition) hat den Startschuss für eine Verbundzertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2008 gegeben. Laut Ernst Mäußler, Gründer und Leiter des Netzwerkes, werden dabei die Kolos-Zentrale auditiert und die Partner mitzertifiziert, »ohne, dass die Betriebe einen eigenen Qualitätsmanagement-Beauftragten stellen müssen«. Die Vorteile: »Für die teilnehmenden Partner ist das deutlich kostengünstiger als eine Einzelzertifizierung.«

Zusammenarbeit beim Transport

Zu den Vorteilen, die Kolos als Mittelstandskooperation bieten will, gehört auch das Thema Zusammenarbeit beim Transport. Dafür kann Mäußler jetzt eine Sendungsstromanalyse der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services (SCS) in Nürnberg präsentieren (siehe unten). »Damit können unsere Partner ihre Effizienz deutlich erhöhen«, sagt Mäußler. Gerlinde Kunzendorf, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fraunhofer-Arbeitsgruppe, wird noch konkreter: »Dadurch haben Unternehmen die Möglichkeit, Touren etwa bei Teilladung gemeinsam zu machen oder Ladungen auszutauschen.«

40.000 Daten von 25 Partnern

Für die Sendungsstromanalyse haben die Fraunhofer-Mitarbeiter nach Angaben Kunzendorfs von 25 Partnern rund 40.000 Daten gesammelt: Sendungs- und Auftragsdaten inklusive Be- und Entladezeitpunkt, Versand- und Empfangsland beziehungsweise -ort, Gewicht, Lademeter, Fahrzeugtyp. »Manche Unternehmen haben die Daten direkt und mit einem Klick aus ihrem Transportmanagementsystem gezogen, andere mussten manuell noch etwas nachhelfen«, berichtet Kunzendorf vom Aufwand der Firmen.
Die Wissenschaftler fertigten daraus Güterstromkarten an, die zeigen, wo und in welchem Umfang die Kolos-Partner mit Ware unterwegs sind. Jede teilnehmende Spedition bekam zum einen eine Güterstromkarte mit der Übersicht ihrer eigenen Top-50-Güterströme. Darstellungsparameter war die Tonnage. »Diese Karte dient aber eher der Plausibilisierung – die Unternehmen kennen ihre eigenen Güterströme ja am besten. Dennoch löst die grafische Darstellung immer wieder einen Aha-Effekt aus«, berichtete Kunzendorf.
Wichtiger sind vielmehr die Güterstromkarten, auf denen die 25 wichtigsten eigenen Relationen und farblich abgesetzt die Top 25 eines anderen Kolos-Partners abgebildet sind. Sie ermöglichen einen Abgleich der Güterströme. Vier Situationen lassen sich daraus ablesen: »Wenn zum Beispiel einzelne Transporte einer Spedition in der Tätigkeitsregion einer anderen Spedition liegen und sich damit gemeinsame Touren anbieten«, erklärt Kunzendorf.

Austausch der Ladung oder Übernahme der Rückladung möglich

Eine weitere Möglichkeit ergibt sich, wenn etwa zwei Speditionen aus der Kooperation gegenläufige Standorte und Sendungsströme haben und sich dadurch gemeinsame Umläufe anbieten. »Eine Möglichkeit sind ein Austausch der Ladungen oder die Übernahme der Rückladung, etwa vom Süden in den Norden.«
Wenn zwei Kolos-Partner anhand einer Güterstromkarte feststellen, dass sie in ähnlichen Regionen tätig sind, ist nahe liegend, dass sie eventuell auch gemeinsame Kunden haben. »Dann ist es eine Überlegung, gemeinsame Touren zum Kunden zu machen.« Und letztlich lässt sich durch eine Güterstromkarte auch herausfinden, dass etwa zwei Unternehmen in unterschiedlichen Regionen tätig sind – und keine Möglichkeit zur Zusammenarbeit haben.

Rund 70 Prozent der Verkehre finden in Deutschland statt

Dass die Kolos-Mitglieder für eine Zusammenarbeit geeignet sind, zeigt auch die Auswertung der Logistikkennzahlen: Zum überwiegenden Teil sind die Partner im Teil- und Komplettladungsbereich aktiv, rund 70 Prozent der Verkehre finden in Deutschland statt. »Dabei erkennt man die Deutschland-typische Sendungs-Banane«, erklärt Kunzendorf – eine Sichel, die von Hamburg über das Ruhrgebiet und Stuttgart nach München führt. Vor allem im Osten und auch in Bayern finden sich noch weiße Flecken. Sie weisen zum einen auf geringe Sendungsströme wegen einer weniger ausgeprägten Wirtschaft hin, zum anderen aber auch darauf, dass Kolos dort aktuell noch keine Partner hat.

Patenschaften für Interessenten

Ernst Mäußler will das ändern, sagt aber: »Wir haben festgestellt, dass die Transportunternehmer hochgradige Einzelkämpfer sind.« 26 stabile Partner hat das Netzwerk, das seit rund eineinhalb Jahren besteht. Ursprünglich war ein schnelleres Wachstum geplant. »Wir wollen jetzt Patenschaften einrichten, bei denen bestehende Partner Interessenten quasi an die Hand nehmen«, sagt er.
Ein wichtiger Vorteil, den Kolos seinen Mitgliedern exklusiv anbieten will, ist etwa der gemeinsame Einkauf. Wie Ernst Mäußler gegenüber trans aktuell erklärt, hat die Kooperation jetzt Rahmenverträge unterzeichnet, die deutliche Vergünstigungen für die Partner bereithalten. Im konkreten Fall geht es um Vereinbarungen mit einem Dienstleister für Mautmanagement und einem Kraftstoffanbieter.

Rahmenverträge für Reifen, Versicherung und Telematik sind angedacht

Bei rund 1.000 Lkw, die die Kolos-Partner betreiben, keine kleine Nummer. »Das Thema ist sehr umfangreich, aber wir wollen es dennoch weiterbetreiben«, sagt Mäußler. Angedacht seien als Nächstes die Themen Reifen und eventuell Versicherung sowie Telematik. »Manchmal braucht man einfach die Zeit, um an Ergebnisse zu kommen«, sagt Mäußler.

Ilona Jüngst

Autor

Foto

Fraunhofer

Datum

22. November 2012
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