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Nachwuchsarbeit: Auf der Suche nach Auszubildenden

Wer sich als Mittelständler auf die Suche nach Auszubildenden aufmacht, kann von den Erfahrungen anderer lernen. Speditionen von Hamburg bis Göppingen zeigen, was möglich ist.

Der Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) will, gemäß seinem eigenen Motto "gemeinsam mehr bewegen" – auch in der Ausbildung. Seit rund einem Jahr betreut VSL-Ausbildungsreferentin Daniela Andreß im das Thema. Und auf der Internetseite (www.vsl-spediteure.de) findet sich eine  informative Übersicht aller relevanten Ausbildungsberufe für die Branche. Hinzu kommt das duale Studium, das Studenten aus ganz Deutschland in den Süden lockt.

Logistik-Bachelor Bayern

Konkurrenz bekommt das erfolgreiche Ausbildungskonzept jetzt durch ein triqualifizierendes Modell: den Logistik-Bachelor Bayern (www.logistikbachelor-bayern.de). Vier junge Menschen haben sich bislang hierfür eingeschrieben. Parallel zu ihrer Ausbildung studieren sie an der Hamburger Fernhochschule und schließen nach zwei Jahren als Kauffrau/mann für Spedition und Logistikdienstleistung ab. Nach weiteren zwei Jahren kommt der Bachelor of Arts hinzu. Mitte nächsten Jahres ist eine erste Bilanz des neuen Ausbildungsmodells geplant.

Gute Betreuung zahlt sich aus

"Ein duales Studium ist hart", sagt VSL-Referentin Andreß. Es erfordere viel Disziplin, gutes Zeitmanagement und eine konsequente Betreuung im Unternehmen, auch während der Abschlussarbeit. "Eine gute Betreuung im Unternehmen zahlt sich aus", ist ihre Erfahrung. Mit genügend Talent und Ehrgeiz sei viel möglich. "Aber auch Glück gehört dazu und ein Chef, der das Potenzial entdeckt und weckt", betont sie. Für Mai 2014 plant der VSL bei den Stuttgarter Azubi- und Studientagen einen Gemeinschaftsstand mit Unternehmen aus der Branche. Deren Azubis könnten Schülern Rede und Antwort stehen.
Ein duales Studium qualifiziert für eine Position im mittleren Management. Bei ihren Studenten legen die Hochschulen großen Wert auf entsprechende Kleidung und gutes Benehmen schon während des Studiums. Da einige Absolventen ein Masterstudium anhängen wollen, sei ein gutes Niveau im Kurs wichtig, sagt Prof. Michael Schröder, Logistikprofessor an der Dualen Hochschule Mannheim. "Unsere Studenten wollen später alle Entscheider in Betrieben werden – dazu gehören anspruchsvolle Kunden und Lieferanten." Ein lebensnahes Studium sei deshalb wichtig.

Talente selbst entdecken

Die Spedition Wackler, die zur Schwarz-Gruppe gehört, geht aktiv auf Bewerbersuche. Talente will sie selbst entdecken. An den Standorten in Göppingen und Wilsdruff hat das schwäbische Familienunternehmen zum Lehrjahr 2013 insgesamt 31 Azubis eingestellt: Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung, Fachkräfte für Lagerlogistik, Berufskraftfahrer, Kfz-Mechatroniker für Nutzfahrzeuge und Bürokaufleute aus. "Die Zukunft unseres Unternehmens hängt wesentlich von der Entwicklung, der Qualität und einer ausreichenden Anzahl an Auszubildenden ab", erklärt Gabi Schwarz, Prokuristin der Schwarz-Gruppe. "Wir versuchen, unseren Azubis besondere Erfahrungen zu ermöglichen", sagt Schwarz. So sind aktuell wieder zwei Azubis für mehrere Monate in Spanien, um dort zu lernen und Praxiserfahrung zu sammeln.

Als Arbeitgeber sticht Wackler mit seiner Auslandsinitiative hervor. Und macht so genau das, was auch Daniela Andreß vom VSL fordert: "Machen Sie sich interessant, zeigen Sie, was alles in unserer Branche steckt, die ja immerhin die drittgrößte der deutschen Wirtschaft und superspannend ist." Ausbildungswerbung auf Lkw-Planen sei hier eine riesige Chance, die Unternehmen noch nicht genügend nutzen würden. Auch ein Talentpool ist beim VSL im Gespräch, bei dem Mitgliedsunternehmen vielversprechende Bewerber, für die sie selbst keine freie Stelle mehr haben,  an andere Betriebe weiterempfehlen können. Eine Idee, für die noch Interessenten gesucht werden.
Die Hamburger Logistikinitiative (LIHH) ist einen Schritt weiter. Dort wurde im Januar ein Talentpool für Mittelständler gestartet. Das Ziel erläutert Personal-Projektmanagerin Anna Schönal: "Junge Talente sollen der Branche erhalten bleiben. Das war von den Unternehmen gewünscht und wurde von jungen Talenten auch nachgefragt."

Bewerber anderen Logistikunternehmen mit offenen Stellen zugänglich machen

Mit Abschluss des Verfahrens sollten die Unterlagen interessanter Bewerber, die aus diversen Gründen nicht eingestellt wurden, im Online-Pool anderen Logistikunternehmen mit offenen Stellen zugänglich gemacht werden. Eine Initiative "mit sehr großem Mehrwert für die Betriebe", die in der Praxis vorerst gescheitert ist. "Im Moment stehen drei Personen im Talentpool, kein Einziger wurde vermittelt", sagt Schönal klar. Mit Bewerbungsende hätten viele Unternehmen die Online-Bewerbungen einfach gelöscht. Jetzt will die LIHH einen Cluster-übergreifenden Talentpool für die gesamte Metropolregion Hamburg aufbauen. Er soll 2014 starten und die Logistiker sollen davon profitieren.

Der Fachkräftemangel habe die Hamburger Mittelständler alarmiert, "das Thema ist angekommen, wird aber strategisch noch nicht umgesetzt", sagt Projektmanagerin Schönal. Dabei herrsche bei der Bewerberlage ein Ungleichgewicht: "Der klassische Ausbildungsberuf hat an Wertigkeit verloren. Dabei sind die Berufe sehr anspruchsvoll, auch im Lager werden nicht nur Paletten geschubst", sagt Schönal. Dagegen haben die kaufmännischen und akademischen Ausbildungen starken Zulauf.

Young Professional Network

Ein neues Problem trifft Unternehmen, die Bachelorstudenten einstellen. "Nach ein bis zwei Jahren Praxis gehen die wieder", machen einen Master oder schließen ein Traineeprogramm an. Als neueste Unterstützung bietet die LIHH jungen Logistikern das Young Professional Network als Plattform zum Erfahrungsaustausch. Es ist Teil des Masterplans "Menschen machen Logistik", in dem rund 50 Projekte auf ihre Umsetzung warten – von der Kita im Gewerbegebiet über eine Erlebniswoche Logistik bis zur Lernplattform "Logistik lernen". Erfolg braucht Innovation, das gilt auch für die Nachwuchsarbeit in der Logistik.

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Autor

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Fotolia Andrey Kuzmin

Datum

20. Dezember 2013
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