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Nachhaltigkeit: Sparsamer und sicherer mit neuem Design

Weniger Unfallopfer, weniger Emissionen – ein neues Lkw-Design könnte es möglich machen. Die Organisation Transport und Umwelt sieht großes Potenzial.

Europas Lkw-Kabinen sollen runder und länger werden. Eine Änderung des blockartigen Zuschnitts der Kabinen von Zugmaschinen in Europa könnte Leben retten und die Umwelt deutlich entlasten. Zu dieser Einschätzung kommt die Organisation Transport and Environment (Transport und Umwelt/T and E).

Treibstoffverbrauch senken durch das neue Lkw-Design

Der Streit um die Zulassung von Lang-Lkw und geplante Änderungen der EU-Vorschriften über Längen und Gewichte sollten nach Ansicht der in Brüssel ansässigen Organisationen dazu führen, das Design der Lastwagen zu verändern. Die etwa im Gegensatz zu amerikanischen Fahrzeugen relativ engen Kabinen  könnten so gestaltet werden, dass sie für den Fahrer bequemer, aber vor allem windschnittiger würden, was den Treibstoffverbrauch senken könnte.

Die Amerikaner beschränken sich nur darauf, die Länge der Auflieger zu begrenzen, nicht die des ganzen Fahrzeuges. Das hat in den USA eine Design-Vielfalt an Zugmaschinen zur Folge, während dies in Europa nahezu einheitlich ist. Hinzu kommt, dass die fehlende Knautschzone bei europäischen Lkw ein Gefahrenpotenzial darstellt.

50 Verbände aus dem Verkehrs- und Umweltbereich

Alles dies hat T&E in einer Studie aufarbeiten lassen. Der Organisation gehören mehr als 50 Verbände hauptsächlich aus dem Verkehrs- und Umweltbereich an, die unter anderem die EU-Kommission beraten. Diese will bis Ende des Jahres ihre Entscheidung über den grenzüberschreitenden Verkehr von Lang-Lkw in der Europäischen Union vorlegen. Sie müsse aber noch mehr ändern, fordert T&E.

Die Organisation hält fest, dass in Europa drei Viertel der Fracht mit Lkw transportiert wird. Gleichzeitig steigen damit die umweltschädigenden CO2-Emissionen. T&E zufolge halten die technischen Verbesserungen zum Umweltschutz bei den Lkw durch EU-Auflagen im Vergleich zum Pkw nicht Schritt. In den vergangenen 10 bis 15 Jahren habe sich auch beim Verbrauch kaum etwas Durchschlagendes getan. Lkw über 3,5 Tonnen seien für fast ein Viertel der CO2-Emissionen oder sechs Prozent der gesamten in der EU anfallenden schädlichen Emissionen verantwortlich, so die Studie. Dies dürfte bis 2020 auf acht Prozent steigen.

Doppelt so viele tödliche Unfälle als bei Pkw

Ein weiterer Vorwurf der Autoren: Obwohl Lkw nur für drei Prozent des Straßenverkehrs und  nur sieben Prozent der zurückgelegten Straßenkilometer in der EU verantwortlich sind, sollen sie je nach statistischer Bewertung für 14 bis 18 Prozent der schweren Unfälle zumindest mit tödlichem Ausgang beteiligt sein. 2008 habe dies in der EU mehr als 7.000 Menschenleben gefordert. Auf Kilometer gerechnet sollen das mehr als doppelt so viele tödliche Unfälle sein als bei Pkw.

Hier entdecken die Umweltschützer nun die Kabine der Lkw, die nach europäischer Vorschrift gerade mal 2,35 Meter lang sein darf, womit sie den Motor abdeckt. Das hindere die Designer daran, die Aerodynamik der Kabinen so zu verändern, dass sie zu einem geringeren Spritverbrauch führen kann. Gleichzeitig begrenzt sie auch den Blickwinkel des Fahrers, was die Unfallgefahr erhöht. Die direkt hinter der vorderen Stoßstange gelegene Maschine verhindert aber auch jegliche Knautschzone, so dass etwa Unfälle mit Pkw oft tödlich sind.

Verbesserungen für Sicherheit und Umwelt

Die von der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen (FKA) durchgeführte Analyse des Problems sieht mehrere Ansatzmöglichkeiten, diese Nachteile zumindest zu mildern und somit Verbesserungen für Sicherheit und Umwelt zu schaffen. Ein Fazit war, dass eine verlängerte und insgesamt nur knapp über 13 Kilogramm schwerere Kabine nur mit entsprechenden Designänderungen und neuen Sicherheitsvorgaben Sinn macht. 

Kernpunkt wäre eine gerundete Nase am Stoßfänger des Lkw. Insgesamt sollte die Kabine um 80 Zentimeter vergrößert werden, ohne die Gesamtlänge des Fahrzeuges oder die Achsenanordnung ändern zu müssen. Allein dies könnte etwa, nach Designänderungen gegen tote Winkel und durch eine abgerundete Karosserie, nach der FKA-Studie bereits bis zu 3.800 tödliche Unfälle jährlich verhindern. Darunter wären etwa 300 Radfahrer oder Fußgänger.

1.500 Euro Dieseleinsparungen pro Lkw im Jahr

Die somit ebenfalls veränderte Knautschzone hätte auch weniger schwere Auswirkungen beim Zusammenprall mit Pkw. Ferner würde die Aerodynamik so verändert, dass sich ein um zwölf Prozent verbesserter Wert ergeben könnte – was zu Dieseleinsparungen (etwa 1.500 Euro pro Lkw im Jahr) und weniger Schadstoffausstoß führen könnte. Bei einem 40-Tonner könnte das eine Reduzierung um 3,2 bis 5,3 Prozent CO2 bedeuten – bis 2020 wären das in der EU im Jahr drei bis fünf Megatonnen und ein wesentlicher Beitrag zum Erreichen der Umweltziele der EU-Kommission.

Die Studie empfiehlt, die geplante Änderung der EU-Richtlinie über Maße und Gewichte von Lkw um diese Designänderung zu ergänzen und gleichzeitig die Sicherheits- und Umweltstandards deutlich zu erhöhen. Dazu gehöre auch eine europaweite Tempobeschränkung auf 80 km/h. Diese Anforderungen seien auch nicht im jüngsten Weißbauch der EU-Kommission enthalten, kritisiert die Studie.

Unter dem Titel "Transport 2050" will die EU-Kommission mehr Mobilität bei 60 Prozent (Stichjahr 1990) weniger CO2-Emissionen erreichen. Bisher ist nur die Rede davon, dass der Warenverkehr in größeren Städten bis 2050 weitgehend mit Klimaschonenden Fahrzeugen abgewickelt werden soll. Viel mehr Vorschläge gibt es nicht.

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Datum

3. Mai 2012
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