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Nachhaltigkeit: Ein Stern für Grüne Logistik

GS1 Germany bietet mit der Initiative Lean and Green eine Zertifizierung für umweltfreundliche Logistik an. Ziel ist, den CO2-Ausstoß der teilnehmenden Unternehmen in fünf Jahren um 20 Prozent zu senken.

Schlank und grün – das hört sich wie ein guter Vorsatz zum Jahreswechsel an. Tatsächlich aber will die Initiative Lean and Green weit mehr, als nur kurzfristige Erfolge zu erzielen. Die Unternehmen, die daran teilnehmen, sollen auf Dauer die Themen Effizienz und ressourcenschonendes Wirtschaften in ihr Kerngeschäft aufnehmen – eben nachhaltig. 20 Prozent weniger CO2-Emissionen in fünf Jahren sind dafür ein greifbares Ziel.
Die Initiative, die es bereits seit fünf Jahren in den Niederlanden, in Belgien und Italien gibt (siehe Kasten), wird in Deutschland von der Standardisierungsorganisation GS1 Germany aus Köln geführt. Der Startschuss war im Oktober, Stand Ende Dezember hatten sich  bereits 17 Unternehmen verpflichtet. Ihre erste Etappe führt zum Lean and Green Award, dem eine Überprüfung auf Dokumentenebene vorausgeht. Anschließend, wenn die Maßnahmen greifen, folgt eine Zertifizierung und die Auszeichnung mit dem Lean and Green-Stern.

Unternehmen motivieren, CO2 einzusparen

Was es mit damit auf sich hat, erklärt Sebastian Krug, Projektmanager für ECR-Prozesse bei GS1 Germany: "Wir wollen eine Wellenbewegung lostreten und Unternehmen motivieren, sich mit dem Thema zu beschäftigen und CO2 einzusparen."

Bewirbt sich ein Unternehmen für den Award, reicht es zunächst seinen Aktionsplan ein, in den es seine Ziele und seine Vorgehensweise für die CO2-Reduzierung zusammenfasst. Darin enthalten muss etwa die genaue Darstellung des Scope sein – welche Prozesse werden in der CO2-Aufnahme betrachtet? Zudem muss sich das Unternehmen darin zu einem konkreten Ziel von minus 20 Prozent verpflichten, kann aber auch mehr angeben, wie etwa der Konzern Unilever, der eine 40-prozentige Reduzierung seiner CO2-Emissionen anstrebt.

Nulllinie ist Teil des Aktionsplans

Ebenfalls im Aktionsplan enthalten sein muss die Nulllinie: Sie beschreibt, von welcher Basis aus das Unternehmen eine Reduzierung berechnet und wie sich diese Basis zusammensetzt. "Das ist wichtig, weil wir zulassen, dass ein Unternehmen seine Nulllinie nicht nur heute zieht", sagt Krug. Der Status quo kann auch bis zu zwei Jahre in der Vergangenheit liegen. Damit sollen Unternehmen, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen, nicht benachteiligt werden.

Maßnahmen zur Reduzierung sind festgehalten

In dem Aktionsplan wird zudem festgehalten, welche Maßnahmen zur Reduzierung geplant sind. Laut Krug sind das nicht selten einfach umzusetzende, aber äußerst effektive Maßnahmen wie Schulungen für wirtschaftliches Fahren, eine andere Netzwerkgestaltung, Neuinvestitionen in Fahrzeuge oder eine andere Beleuchtung in der Lagerhalle. Letzter Punkt des Aktionsplanes ist das Projektmanagement. Dort wird beleuchtet, wer verantwortlich ist, welche Zeitrahmen gesetzt sind und welches die jeweiligen Leistungskennzahlen sind.

Mit Nachhaltigkeitsbemühungen werben

Im Anschluss daran bewertet eine unabhängige Prüforganisation den Aktionsplan. Das Beurteilungsverfahren dafür können Unternehmen einsehen. "So können Unternehmen vorab entscheiden, ob sie die Ziele der Initiative umsetzen können und ob eine Teilnahme Sinn macht", sagt der Projektmanager. Fällt die Bewertung positiv aus, erhält das Unternehmen den Award und darf sich öffentlich mit dem Logo der Initiative schmücken und somit mit seinen Nachhaltigkeitsbemühungen werben.

"Das ist ein Award, der anstiften soll, sich mit dem Thema zu beschäftigen", sagt Krug. Lean and Green zeichne nicht wie andere Preise nur vergangene Leistungen aus. "Damit wollen wir schon die Absichtserklärung, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, honorieren."

Im zweiten Schritt folgt das Audit

Doch das ist noch nicht alles: Im zweiten Schritt folgt das Audit – wenn die Ziele erreicht sind oder spätestens nach fünf Jahren. Dann steht dem Unternehmen ein externer Besuch ins Haus. Dabei wird kontrolliert, ob die Maßnahmen durchgeführt wurden und ob die Berechnungen mit dem übereinstimmen, was eingereicht wurde. Erst danach erhält das Unternehmen das eigentliche Zertifikat, den Lean and Green-Star.

Kosten einsparen

Krug ist zuversichtlich, dass die Unternehmen auch über den Award hinaus den Stern als Auszeichnung anstreben. "CO2 einsparen heißt nichts anderes als Kosten einsparen. Es wäre ja Unsinn,  wenn ein Unternehmen Arbeit in einen Aktionsplan steckt und dann nichts weiter macht, als das Logo einzusetzen."

In den Niederlanden, so erzählt Krug, sind inzwischen mehr als 300 Unternehmen an der Initiative beteiligt, rund 40 tragen schon den Stern. Dort gibt es inzwischen auch ein Zwei-Sterne-Konzept für ein kontinuierliches Fortführen der Nachhaltigkeitsanstrengungen.

Die Auszeichnungen sind wichtig, aber als wirklich entscheidender Punkt von Lean and Green bezeichnet Krug das Netzwerk, das durch und um die Initiative entstehen soll. "Damit haben die Unternehmen die Möglichkeit, Kontakte herzustellen und das Projekt aus anderer Sichtweise zu betrachten." Um den Community-Gedanken zu unterstützen, soll spätestens im Februar eine Online-Plattform live geschaltet werden, auf der sich alle Teilnehmer von Lean and Green austauschen können.

Zusammenspiel von Logistik und Nachhaltigkeit

Zu den deutschen Gründungsmitgliedern gehören etwa die Unternehmen Henkel, Lekkerland und Chep. Es beteiligen sich alle Branchen an dem Programm, laut Krug etwa auch ein Hafenbetreiber. "Schließlich geht es bei der Initiative um das Zusammenspiel von Logistik und Nachhaltigkeit – und das findet ja fast in allen Branchen in irgendeiner Art statt."

Da trifft sich auch gut, dass Lean and Green mit einer anderen Nachhaltigkeitsinitiative zusammenarbeiten will – mit Green Freight Europe. In einer gemeinsamen Absichtserklärung verpflichten sich beide Programme im November, ein gemeinsames Rahmenwerk für die Berechnung und Zusammenführung von CO2-Emissionen und Transportleistung zu erstellen. Damit soll letztlich die Möglichkeit geschaffen werden, basierend auf der DIN EN-Norm 16258, einen standardisierten Vergleich in einer Gruppe herzustellen.

Projektmanager Krug hat das Ziel, den CO2-Ausstoß national zu senken. Deswegen wäre es ihm zufolge auch gut, das Programm in Richtung der Länder oder auch des Bundes zu schieben, um über Fördermöglichkeiten zu sprechen. "Das ist eine Maßnahme, die sehr gut zu den CO2-Zielen passt, die Deutschland hat. Deshalb stoßen wir auch hier auf großes Interesse."


 

Die Initiative

Die Initiative Lean and Green wurde von Connekt ins Leben gerufen, einem unabhängigen Netzwerk aus den Niederlanden, das sich nachhaltige Mobilität zum Ziel gesetzt hat. Neben den Niederlanden und Belgien läuft die Initiative auch in Italien sowie jetzt in Deutschland. Neben Lean and Green Logistik gibt es auch Lean and Green für den Individualverkehr und Lean and Green für die Binnenschifffahrt.

Ilona Jüngst

Autor

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erikdegraaf - Fotolia

Datum

24. Januar 2014
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