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Nachhaltigkeit: Auf der Umweltschiene

Die Spedition Paneuropa-Rösch aus Vechta ist einer der Pioniere bei der Berechnung von Treibhausgas-Emissionen in der Logistik. Bis Jahresende will die Firma die Bilanzierung gemäß der neuen DIN-Norm 16258 abschließen.

Guten Schinken gibt es nicht nur in Parma, sondern auch in Niedersachsen. Der ist gerade in Italien äußerst beliebt. Also befördert ihn die Spedition Paneuropa-Rösch aus Vechta seit Jahren nach Verona. Und das nicht etwa auf der Straße, sondern auf der Schiene. Das Unternehmen ist einer der Pioniere beim Transport von temperatur-
geführter Ware im Kombinierten Verkehr. Ob Pizza, Spinat oder eben Schinken – eine Vielzahl an Lebensmitteln reist seit dem Jahr 2009 unter der
Regie von Paneuropa-Rösch per Bahn über die Alpen.

Nachdem der Einstieg in das Lebensmittel-Segment damals einigen Medienrummel auslöste, präsentiert sich das Unternehmen nun ein weiteres Mal als Vorreiter. Die Spedition  setzt sich als eine der ersten Firmen mit der neuen DIN-EN-Norm 16258 zur Berechnung der Treibhausgasemissionen in Transport und Logistik auseinander. Partner bei dem seit etwa einem halben Jahr laufenden Projekt ist die Sachverständigenorganisation Dekra.

Paneuropa-Rösch will bis Endes des Jahres die CO2-Bilanzierung abschließen

"Wir werden die CO2-Bilanzierung bis Ende des Jahres abgeschlossen haben", sagt Paneuropa-Rösch Geschäftsführer Carsten Hemme im Gespräch mit trans aktuell. Noch seien einige Punkte offen. Beispielsweise müsse man einen Weg finden, um Leerkilometer zu verbuchen. Außerdem sei es erforderlich, Standards zu entwickeln, um unterschiedlich lange Vor- und Nachläufe zu berücksichtigen.

"Mal entladen wir in Emden und mal in Cuxhaven, entsprechend unterschiedlich lang sind dann bei einem Kunden in Bremen die Anfahrten", berichtet Paneuropa-Rösch Vertriebsleiter Marek Dolinski, der die Umweltaktivitäten bei dem Unternehmen koordiniert. Doch man könne diesem Kunden, sofern er an CO2-Nachweisen für seine Fahrten von Bremen nach Verona interessiert sei, nicht jedes Mal unterschiedliche Werte liefern – obwohl Paneuropa-Rösch das aufgrund der unterschiedlich langen Vorläufe eigentlich müsste.

"Wir wollen alles sehr korrekt und für Kunden nachvollziehbar berechnen", erklärt Dolinkski. Daher benötige die Umsetzung der CO2-Bilanzierung noch etwas Zeit. "Wir hätten das Projekt auch schon vor drei Monaten abschließen können", sagt der Vertriebsleiter. "Doch dann hätten wir bei unseren Zahlen 70 Prozent Spielraum."

Thema CO2-Blianz wird an Bedeutung gewinnen

Warum macht sich Paneuropa-Rösch dann überhaupt die Mühe, das knifflige Thema so frühzeitig anzupacken? "Wir gehen davon aus, dass es an Bedeutung gewinnen wird und künftig jedes Unternehmen entsprechende Werte ausweisen muss", sagt Firmenchef Hemme. Den Konzernen will er dabei nicht das Feld überlassen. "Wir finden es wichtig, gerade als Mittelständler solche Aufgaben frühzeitig anzugehen", ergänzt er.
Was die Rentabilität des Ganzen angeht, gibt sich Hemme aber keinen Illusionen hin: "Einen Ertrag gibt es dafür nicht." Er glaubt auch nicht, dass jeder Auftraggeber an diesen Werten interessiert ist. "Die meisten wollen wissen, wie hoch ihre CO2-Reduktion ist, nicht aber, wie hoch die Belastung ist." Daher werde Paneuropa-Rösch diese Werte auch nur auf Anfrage auf den Rechnungen ausweisen.

Transport per Schiene spart jährlich 30.000 Tonnen CO2 ein

Von dieser Erkenntnis lassen sich Hemme und Dolinski aber nicht stoppen. Sie wollen sich so früh wie möglich mit dem Thema auseinandersetzen und Vorreiter sein. Getreu dieser Devise haben sie auch schon im Jahr 2008 einen CO2-Rechner auf ihre Homepage gestellt. Ein Jahr später haben sie begonnen, interessierten Auftraggebern Zertifikate über die auf der Schiene eingesparten CO2-Emissionen zuzuschicken. Das kam gut an. Immerhin spart Paneuropa-Rösch nach eigenen Angaben durch die Verlagerung von Verkehren auf die Schiene jährlich mehr als 30.000 Tonnen CO2 ein. 

Man könnte meinen, dass das Unternehmen seit Jahrzehnten auf der Umweltschiene fährt. Tatsächlich feiert es erst dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum im unbegleiteten Kombinierten Verkehr (KV). Im Jahr 2002 zaghaft mit kleinem Volumen gestartet, rangiert Paneuropa-Rösch nach eigenen Aussagen inzwischen unter den Top-Zehn-Kunden von Kombiverkehr. "Wir haben festgestellt, dass man mit zehn Aufliegern im KV nicht viel erreicht", sagt Geschäftsführer Hemme. Also habe man die Zahl der Trailer kurzfristig auf 50 verfünffacht.

Von da an ging es im Schienentransport stetig bergauf. Den Grundstein für die rasante Entwicklung im KV bildete 2004 dann die Übernahme der Spedition Rösch aus Bremen, damals einer der großen KV-Spezialisten. Drei Jahre später übernahm die dann umbenannte Firma Paneuropa-Rösch das operative Geschäft eines in Hamburg angesiedelten Wettbewerbers. Ein Jahr später kam eine weitere Spedition aus dem Raum Köln hinzu.

Mit der Rösch-Übernahme KV-Volumen verdoppelt

"Allein durch die Rösch-Übernahme haben wir unser Volumen im KV verdoppelt", berichtet Hemme. Als die hauseigene Rennstrecke bezeichnet er die Achse nach Italien, auf die das Gros des Geschäfts entfällt. "Im Italienverkehr wickeln wir inzwischen mehr als 80 Prozent unserer Hauptläufe auf der Schiene ab", erklärt er. Achtmal die Woche geht es nach Verona, beispielsweise ab Köln, Bremen und Hamburg. In der norditalienischen Stadt betreibt die Spedition auch eine eigene Niederlassung, was die Disposition deutlich erleichtert.

Noch hat die Spedition in Richtung Italien aber nicht alle Güter der Schiene anvertraut. Regelmäßig werden diese Relationen auch noch von rund 30 Lkw bedient. Noch. Denn ob Textilien, Stahl, Pizza oder eben Schinken – fast alle Arten von Gütern befördert Paneuropa-Rösch inzwischen auf der Schiene über die Alpen. Aus Überzeugung.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Paneuropa-Rösch

Datum

6. September 2012
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