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Motoreninstandsetzung

Ganslmeier macht Triebwerke fit

Eine Motoreninstandsetzung ist bis zu 30 Prozent günstiger als ein originaler Tauschmotor. Ganslmeier in Ingolstadt und Landshut setzt Lkw-Triebwerke nach RAL-Kriterien instand.

Im internationalen Fernverkehr sind jährliche Laufleistungen von 150.000 Kilometern oder mehr keine Seltenheit. Ältere Trucks erreichen locker Laufleistungen von einer Million oder mehr Kilometern. Doch mit hoher Laufleistung steigt auch das Risiko von Motorschäden. Laut Motoren- und Maschinen-Instandsetzungsbetrieb Ganslmeier treten am häufigsten Ventil- und Kolbenschäden auf, meist ab sehr hohen Laufleistungen von mehreren Hunderttausend Kilometern. Mangelschmierung ist entgegen der landläufigen Meinung seltener ein Problem, meist sind Verbrennungsstörungen Ursachen für Motorschäden. Schaden früh bemerken hat Vorteile "Wenn etwa defekte Einspritzdüsen nachtropfen, kann sich ein Loch in den Kolbenboden brennen", sagt Hans Henger, Werkstattleiter am Ganslmeier-Standort Ingolstadt. Je früher der Fahrer einen Schaden bemerkt, desto weniger muss hinterher repariert werden. "Wenn plötzlich die Leistung einbricht, frisst möglicherweise gerade ein Lager. Klopfgeräusche deuten auf einen Pleuellagerschaden hin", erklärt Henger. Schnell entwickeln sich teure Folgeschäden: Wenn ein Pleuellager frisst, entsteht Wärme, Späne bilden sich, die sich im Ölkreislauf verteilen und weitere Lager schädigen können. Neue Kurbelwelle kostet bis zu 6.000 Euro Je nach Motor kostet allein eine neue Kurbelwelle bis zu 6.000 Euro. Daher wird versucht, sie erneut zu verwenden. Mittels elektromagnetischer Rissprüfung und UV-Licht wird die Welle auf Risse untersucht. Die Monteure prüfen jede Welle auf Härte und Schlag – maximal 0,02 Millimeter Schlag ist erlaubt. Alle Lagerzapfen werden nach Herstellervorgaben präzisionsgeschliffen und poliert, die Kurbelwelle bei Bedarf feingewuchtet. Zeit ist Geld. Gerade im Transportgewerbe zählt jeder Tag, den der Lkw nicht auf der Straße ist. Manche Kunden wollen daher am falschen Ende sparen: "Wenn die Kurbelwelle nitriert ist und wir die schleifen, sollte die natürlich wieder nitriert werden", erklärt Henger. Da das Nitrieren nicht im Haus geschieht, dauert es rund zwei Tage, bis die Kurbelwelle einbaufertig ist. Manchen Kunden dauert das zu lange und sie verzichten aufs Nitrieren. "Dann muss der Kunde aber schriftlich versichern, dass es auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin nicht gemacht wird", berichtet der Werkstattleiter. Kunden von Ganslmeier sind hauptsächlich freie Werkstätten und Speditionen, die nicht das nötige Know-how oder die richtigen Werkzeuge für eine Instandsetzung haben. So können die Werkstätten zwar eine Kopfdichtung selbst wechseln, den Zylinderkopf aber nicht planen – hier kommt Ganslmeier ins Spiel. "Wir fahren auch in die Werkstätten und reparieren die Motoren vor Ort, wenn das möglich ist", sagt Hans Henger. Mercedes-Motoren kommen ihm und seinen Mitarbeitern selten in die Finger. "Mit seinem eigenen Motorenwerk in Mannheim macht es Mercedes den kleineren Instandsetzungsbetrieben nicht leicht", berichtet Henger. So habe Mercedes schon vor Jahren einen Preiskampf auf der Instandsetzungsschiene begonnen – aggressiver als andere Hersteller. Bis zu 30 Prozent Kostenersparnis möglich Eine Instandsetzung lohnt sich dann, wenn der Motor nicht kapital geschädigt ist, also kein Loch im Block oder einen komplizierten Kurbelwellenschaden aufweist. "Das hängt natürlich von den Teilen ab, aber bei einer kompletten Instandsetzung liegt die Kostenersparnis gegenüber einem neuen Motor bei 25 bis 30 Prozent", sagt der Betriebsleiter. Günstiger wird es sogar, wenn sich Teile reparieren lassen, was oft der Fall sei. Konkrete Summen kann Henger nicht nennen. Jeder Fall ist anders und es kommt immer auf den Zustand der jeweiligen Teile an. Weichen etwa Zylinder von ihrer runden Form ab, wird nach Herstellervorgaben gehont. Der Schleifprozess verleiht der Zylinderwand die Oberflächeneigenschaften, die für einen optimalen Einlaufprozess des Motors und eine hohe Laufleistung bei geringem Ölverbrauch notwendig sind. Auch beim Zylinderkopf ist höchste Präzision gefragt. Entspricht ein Kopf nicht den Vorgaben, wird er bei Ganslmeier plan geschliffen. Ventile, Führungen und Sitzringe werden erneuert, die Ventilsitze immer gefräst. Bei der Generalüberholung nach RAL-Kriterien werden grundsätzlich alle Verschleißteile erneuert. Dazu gehören etwa Pleuellager und Pleuelschrauben. Doch nicht nur der eigentliche Motor, sondern auch alle Nebenaggregate werden geprüft und wenn nötig instand gesetzt oder erneuert. Dazu gehören Turbolader, Einspritz-, Wasser-, Kraftstoffförder- oder Ölpumpen, außerdem Ölkühler. Ob Traktor, Porsche, Lkw oder Schiffsdiesel – die 36 Mitarbeiter an den Standorten in Ingolstadt und Landshut setzen alle Arten von Motoren instand. Zwischen zwei und vier Lkw-Motoren landen pro Monat bei Ganslmeier, die Instandsetzung eines kompletten Triebwerks dauert rund eine Woche. "Manchen Kunden dauert das zu lange, vor allem wenn sie kein Ersatzfahrzeug haben. Letztendlich ist es eine Zeitfrage", sagt Werkstattleiter Henger.

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12. April 2016
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