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Motor-Leistungssteigerung: Trick mit der Blackbox

Kraftstoff sparen bei zugleich höherer Motorleistung – ein reizvoller Gedanke. Die Firma Hydro-Hybrid verspricht, die Motoreffizienz per Software zu verbessern.

Ein schwarzer Kasten, kaum größer als eine Zigarrenkiste, Zwischenstecker und ein Kabelstrang: Das ist schon alles, was vom EES der Firma Hydro-Hybrid aus Stuttgart zu sehen ist. EES steht für Energie-Einspar-System. Ein mit dem Zusatzsteuergerät ausgerüsteter Pkw-, Transporter-, Lkw- oder Busmotor soll dank Elektronik-Eingriff mehr maximales Drehmoment und eine höhere Leistung erzeugen und gleichzeitig weniger Kraftstoff konsumieren.

Hydro-Hybrid will kein Chip-Tuner sein

In die Nähe von Chip-Tunern oder "sonstiger Anbieter obskurer Spartechnik" will Hydro-Hybrid aber nicht gebracht werden. "Solche Gimmicks nutzen im besten Fall demjenigen, der sie verkauft, können aber auch gravierenden Schaden anrichten", sagt Daniel Tomic, Geschäftsführer von Hydro-Hybrid.

Doch wo liegt beim EES der Unterschied? Geschaltet ist das Motor-Zusatzsteuergerät zwischen die Schnittstelle der Sensorik, die entsprechend des Motor-Betriebszustands etwa Werte zu Gaspedalstellung, Luftmassenstrom, momentaner Drehzahl und Temperaturen liefert, und das Originalsteuergerät des Motormanagements. Das Zusatz-Steuergerät soll die Daten im Dialog mit dem Motormanagement-Rechner in Steuerbefehle umsetzen und diese an die jeweiligen Motorkomponenten weiterleiten. "Wir manipulieren dabei weder das Original-Steuergerät, noch bauen wir fragwürdige Hardware ein", sagt Peter Walter von Hydro-Hybrid. EES soll vielmehr die originalen Software-Lizenzen nutzen, wie sie die Fahrzeugzulieferer – das sind größtenteils Bosch und Delphi – auch in ihren eigenen Steuergeräten einsetzen.

Leistung und Drehmoment bei Zugmaschinen am wichtigsten

Hydro-Hybrid geht von der Tatsache aus, dass Leistung und Drehmoment die wichtigsten Größen beim Kauf einer Zugmaschine sind.  In einer Modellreihe wird häufig ein und derselbe Motor verwendet, der aber vom Hersteller immer in mehreren Leistungsklassen angeboten wird.  Den höchsten Preis bezahlt der Kunde für die Variante mit der höchsten Leistung, für die der Motor konstruktionsbedingt ausgelegt ist. Alle weiteren Varianten entstehen per sogenanntes Downgrade. Die zusätzlichen Kosten für Anpassung und Entwicklung entsprechender Software, so Hydro-Hybrid, schlage der Fahrzeughersteller auf die Varianten mit höherer und höchster Motorleistung. "Für die Motoren mit höherer Leistung", erklärt Daniel Tomic, "zahlt der Kunde also einen höheren Preis, obwohl die Aggregate von ihrer Konstruktion her eigentlich dafür ohnehin ausgelegt sind."

Laut dem Stuttgarter Unternehmen hat das Downgrading aber noch einen weiteren Haken. "Das Drosseln der Motorleistung per Software führt nicht nur zu geringerer Leistung, sondern auch zu höherem Verbrauch", argumentiert Daniel Tomic. Durch ein höheres Drehzahlniveau werde der Motor auch weniger effizient arbeiten. Er geht davon aus, dass ein Fahrer einen Motor mit geringerer Leistung auch automatisch höherdreht und gleichzeitig auch stärker belastet. Ob das in der Praxis immer zutrifft, steht auf einem anderen Blatt.

EES liefert Motormangement Daten

Das EES soll dem Motormanagement jedenfalls die Daten zuliefern, für die das Aggregat in seiner höchsten Leistungsvariante ausgelegt ist. Die vom Hersteller einkalkulierten Sicherheitsreserven des Motors halte man selbstverständlich ein. Motorfachleute wie die Experten aus der Daimler-Motorentwicklung sehen das System naturgemäß mit Skepsis. Man könne sich nicht vorstellen, dass damit ein Motor vernünftig zu betreiben sei, heißt es dort. Manipulationen durch Zusatzgeräte führten bei Fahrzeugen mit automatisiertem Getriebe zu Problemen mit der Schaltabstimmung, zudem erkenne das Diagnosesystem den Einsatz. Letzteres ist laut Daniel Tomic beim EES aber nicht der Fall. Spuren im Fehlerspeicher soll das System nicht hinterlassen, über die Diagnosesoftware seien keine Hinweise festzustellen. Was sicher stimmt, ist, dass das Zusatzsteuergerät bei Bedarf ebenso schnell wieder aus- wie eingebaut sein dürfte.

Die Motoren-Fachleute bei Daimler bezweifeln aber auch, dass Verbrauchsvorteile erzielbar sind. Hierzu müsse das Drehmoment im unteren Drehzahlbereich angehoben werden. Dies begrenze aber die Physik. Eine Leistungssteigerung bei höheren Drehzahlen wirke sich jedoch eher verbrauchserhöhend aus. Eine Verbrauchsreduzierung sei zudem nur dann zu erzielen, wenn beim automatisierten Getriebe die Schaltstrategie angepasst werde.

Hydro-Hybrid bietet fünf Jahre Garantie

Über fünf Jahre bietet Hydro-Hybrid auf sein System eine Garantie, im Fall eines Motorschadens mit bis zu 100.000 Euro, weitere in Folge entstehende Schäden sind mit fünf Millionen Euro versichert.

Hydro-Hybrid-Kunde Timo Roth von der Spedition Roth in Wüstenrot ist jedenfalls mit dem System zufrieden. Die damit zu erzielende Kraftstoffersparnis beziffert er je nach Einsatz auf zwischen 5 und 15 Prozent. Preis des Kästchens: etwa 2.500 Euro.

Andreas Wolf lastauto omnibus

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Hydro-Hybrid

Datum

13. August 2013
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