Spedition Huster, neuer Actros, Fahrerbindung Zoom

Motivation: Neuer Actros als Anreiz

Die Huster Spedition aus dem Vogtland bekämpft mit einem Bündel an Maßnahmen die Fluktuation. Sechs neue Actros sollen dazu beitragen, die Fahrer an die Firma zu binden.

Bäder und Musik. Beides gibt es im Vogtland – verspricht die braune Tafel an der A 72. Speditionen in der Region können mit derlei Freizeit- und Kulturprogramm nicht aufwarten. Die Huster Spedition aus dem sächsischen Oelsnitz lockt mit anderen Annehmlichkeiten. Sie hat sechs neue Mercedes-Benz Actros in Euro-5-Ausführung auf dem Hof, der siebte rollt im August an. "Wir waren die erste Spedition im Vogtland, die den neuen Actros hatte", sagt Geschäftsführer ­Andreas Huster nicht ohne Stolz. Der 38-Jährige leitet eine auf Volumen- und Gefahrguttransporte spezialisierte Spedition mit 50 Mitarbeitern, die 40 eigene Glieder- und Sattelzüge einsetzt.

Neue Fahrzeuge steigern die Motivation

Die Fahrer wissen ihre neuen Arbeitsgeräte zu schätzen. "Ich bin mit dem Actros mehr als zufrieden", sagt Detlef Emmerich. Spediteur Huster hört die zustimmenden Worte gerne: Dann geht seine Rechnung nämlich auf. Er hat die Lkw nicht zuletzt deshalb angeschafft, um die Bindung an das Unternehmen und die Motivation zu steigern.

Hintergrund: "Wir hatten voriges Jahr eine relativ hohe Fluktuation", sagt Huster, der seit 1999 als Geschäftsführer im väterlichen Unternehmen tätig ist. Daraufhin habe er Ursachenforschung betrieben und überlegt, wie er gegensteuern könne. Auslöser Nummer eins für den häufigen Wechsel von Mitarbeitern ist nach Einschätzung von Huster der Fachkräftemangel. Fahrer sind stark umworben und können relativ leicht woanders eine Stelle finden.

Neuen Actros fahren?

Ist mehr Geld die Triebfeder, kann Huster nur beschränkt mitziehen. Er zahlt nach eigenen Angaben bereits mehr als den ortsüblichen Lohn. Zum anderen hat der Firmenchef selbstkritisch erkannt, dass Fahrer oft keine große Bindung zu seiner Spedition aufgebaut hatten. "Daraufhin haben wir gesagt: Wir müssen etwas tun."

Das Ergebnis sind unter anderem die sechs neuen Zugmaschinen. Huster hat sie bewusst auch als Marketinginstrument eingesetzt. Mit dem Slogan "Neuen Actros fahren?" hat er Interessenten in Stellenanzeigen auf sein Unternehmen neugierig gemacht. Entsprechend viele Bewerbungen habe er daraufhin erhalten. Doch betont Huster auch, dass sich Fahrer natürlich erst durch entsprechende Leistungen für dieses Fahrzeug qualifizieren müssten.

Der neue Actros ist nicht die einzige Reaktion auf die Fluktuation. Zum einen hat die Spedition Fahrer verstärkt aus anderen Regionen eingestellt, um flexibler disponieren und den Mitarbeitern am Wochenende die Fahrt nach Hause ermöglichen zu können. Zum anderen versucht die Firma ihren Namen stärker bekannt zu machen – sei es durch Werbung in sozialen Netzwerken wie Youtube oder klassisch über neue Flyer.
Damit nicht genug: Die Fahrer sollen künftig auch eine höhere Wertschätzung und Aufwertung ihrer Tätigkeit erfahren. Huster setzt den Hebel vor allem bei seiner Disposition an. "Das Zwischenmenschliche muss dort eine größere Rolle spielen", sagt er. "Unsere Fahrer haben unter der Woche keine anderen Kontakte in das Unternehmen, deshalb kommt der Schnittstelle Disposition eine hohe Bedeutung beim Thema Fahrerzufriedenheit zu."

Anreize stabilisieren die Belegschaft

Und was die Aufwertung des Berufsbilds angeht, ist Huster dazu übergegangen, die obligatorischen Weiterbildungen attraktiver zu gestalten. Bisher waren die Huster-Mitarbeiter gemeinsam mit Kollegen aus anderen Unternehmen bei der lokalen Fahrschule zu Gast. Nun gibt es beim Mercedes-Händler in Plauen exklusive Schulungen nur für die Huster-Belegschaft.

Ein weiterer Anreiz ist in Form von Prämien angedacht, bei denen Auswertungen des Telematiksystems Fleetboard von Mercedes-Benz zugrunde liegen. Starten soll das Anreizsystem im September. "Bis dahin müssen wir alle Fahrer erst einmal auf ein gemeinsames Niveau bringen", sagt Huster.

Die Schritte im Kampf gegen die Fluktuation tragen bereits Früchte. "Inzwischen ist Ruhe in der Belegschaft eingekehrt", bilanziert Huster. Das gibt auch ihm wieder mehr Freiräume. Denn es sei immer ein hoher Aufwand, Personal zu akquirieren – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Der Betriebswirt hofft, dass sein Team nun stabil bleibt. Doch eine Gewähr gibt es nicht. Bis zur Grenze nach Bayern ist es nur ein Katzensprung. Zwar gibt es auch dort für Fahrer weder ein Freizeit- noch ein Kulturprogramm. Die Löhne gehören aber zu den höchsten in Deutschland. Also will Huster mit anderen Dingen punkten – wie dem neuen Actros.

Das Unternehmen

Die Huster Spedition aus Oelsnitz im Vogtland beschäftigt rund 50 Mitarbeiter und hat sich auf Volumen- und Gefahrguttransporte spezialisiert. Dafür stehen ihr 31 schwere und drei leichte Gliederzüge sowie sechs Sattelzüge zur Verfügung. Mit dem eigenen Fuhrpark erledigt das 1987 von Reiner Huster gegründete Unternehmen 70 Prozent der Aufträge im Selbsteintritt, den Rest erledigen feste Partner. 80 Prozent der Fahrten finden innerhalb der Republik statt, 20 Prozent sind grenzüberschreitend. Die Spedition ist zugleich Vertriebspartner des Anbieters Air Liquide Deutschland für technische und medizinische Gase.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Datum

25. Juli 2012
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