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Molkerei Wiegert: Mal im Nah- mal im Fernverkehr unterwegs

Für die Fahrer der Molkerei Wiegert im Münsterland hat der Wechsel von Nah- und Fernverkehr besondere Reize.

Beide haben ein Faible für die Landwirtschaft und beide sind begeisterte Lkw-Fahrer: Theo Hülsdenker arbeitet seit mehr als 25 Jahren in diesem Beruf. Norbert Haagmann ist eigentlich Landwirt und nur im Nebenerwerb mit dem Lkw unterwegs. Während der 49-jährige Hülsdenker sich schon immer für Lkw interessierte und ihm das Herumkommen ganz besonders gefiel, hat Haagmann 1976 bei der Bundeswehr seinen Klasse-2-Führerschein gemacht und dabei festgestellt, dass ihm die Fahrerei im Blut liegt. Einziger Unterschied: Hülsdenker sitzt für die Firma Wiegert ständig als Fahrer in der Kabine eines MAN TGS und Kollege Haagmann (58) tauscht seinen Fendt-Traktor immer dann gegen einen DAF XF105, wenn die Molkerei ihn braucht. Und das ist meistens an vier bis fünf Tagen im Monat der Fall. "Ich kenne den Chef schon lange. Wir duzen uns sogar", erzählt Haagmann.

45 Lkw sind auch an Feiertagen und Wochenenden unterwegs

Wie viele andere Betriebe ist die Molkerei Wiegert im münsterländischen Velen auf qualifizierte Fahrer angewiesen. Hinzu kommt, dass die 45 Lkw des Traditionsunternehmens auch an Feiertagen und Wochenenden unterwegs sind. Einerseits muss die Milch mit Sammeltankwagen von den Höfen in der Region abgeholt werden, andererseits geht es um den zeitnahen Transport von ­unterschiedlichsten Milchprodukten zur ­Weiterverarbeitung.

Wer glaubt, dass die Lkw der Molkerei Wiegert nur regional unterwegs sind, der irrt. Zwar gelangt die Rohmilch zunächst einmal komplett auf das Molkereigelände nach ­Velen. Dort wird sie unter anderem zu Industriemilch, Milchkonzentrat oder auch zu Buttermilch, Sahne und Molke weiterverarbeitet. Anschließend gehen diese Produkte mit den Wiegert-Tankzügen auf die große Reise.

Kunden sitzen in ganz Europa

"Wir fahren frische Lebensmittel und die Kunden sitzen in ganz Europa", berichtet Geschäftsführer Claus Wiegert. Er ist froh, dass er beim Personal auf ein Team von qualifizierten und engagierten Fahrern setzen kann: "Die Vielfalt unserer Transporte verlangt zwar Flexibilität, bietet den Männern aber auch eine Menge Abwechslung." Spätestens jetzt ist klar, wie vielseitig das Unternehmen aufgestellt ist und welche Anforderungen an die Mitarbeiter gestellt werden. Lkw-Fahrer bei der Molkerei Wiegert zu sein bedeutet tatsächlich, Lust aufs Unterwegssein und Nähe zu den Kunden zu haben.
Theo Hülsdenker fährt seit nunmehr elf Jahren für Wiegert. Beim FERNFAHRER-Termin ist er mit einem 440 PS starken MAN TGS unterwegs. Es geht von Hof zu Hof – ganze vier Stunden lang. 28.000 Liter Milch fasst der Ein-Kammer-Auflieger aus V2A mit zwei Schwallwänden. Wenn Hülsdenker die engen Hofanlagen ansteuert, muss er höllisch aufpassen. "Ich bin selbst auf dem Bauernhof groß geworden und ich liebe die Landwirtschaft", sagt er. Doch das ist es nicht allein. Wenn es Fahrer-Engpässe gibt und er Lust darauf hat, im internationalen Verkehr unterwegs zu sein, steigt er vom Milchsammel­wagen auf einen Tankzug um: "So wird es nie langweilig."

Wechsel vom Nah- in den Fernverkehr

"Für viele unserer Fahrer ist es durchaus eine willkommene Gelegenheit, vom Nah­verkehr auf den Fernverkehr wechseln zu können oder auch umgekehrt. Oft kommt es auf die persönlichen Lebensumstände an", berichtet Geschäftsführer Wiegert. „Das gilt vor allem, wenn Kinder kommen.“ Immer wieder fragen daher bei Wiegert auch Lkw-Fahrer an, die näher bei ihren Familien sein möchten und deshalb mit einem Platz am Milchwagensteuer liebäugeln. "Für viele ist es reizvoll zu wissen, dass sie bei uns hinterher tatsächlich die Möglichkeit haben, ­wieder weite Touren zu fahren." Genau in dieser Situation war auch Theo Hülsdenker, der als Fahrer von Viehtransporten etwas Ruhigeres ­suchte. Inzwischen genießt er bei Wiegert die Abwechslung, fährt sowohl im Sammelverkehr als auch international.

Willkommen sind Wiegert stets Fahrer, die eine besondere Nähe zur Landwirtschaft mitbringen. So war es auch eine gute Fügung, als 1992 Norbert Haagmann bei ihm anklopfte. "Wir hatten 16 Kühe, aber es hat sich einfach nicht mehr gelohnt", erzählt der Landwirt, der seitdem monatlich 40 bis 50 Stunden als Aushilfs­fahrer arbeitet.

Auf Schweinezucht umstrukturiert

"Inzwischen habe ich meinen 28-Hektar-Betrieb auf Schweinezucht umstrukturiert und es klappt prima." Klar stellt der Nebenjob durchaus eine Doppelbelastung dar, aber etwas Schöneres als die Fahrerei könne er sich eigentlich nicht vorstellen. Der Vater von drei Kindern fügt hinzu: "Genau genommen ist das für mich sogar Entspannung und ein ganz toller Ausgleich. Vor allem lässt sich diese Arbeit herrlich mit meinem Hof kombinieren und die Firma nimmt stets Rücksicht."

Vorwiegend an den Wochenenden ist Haagmann unterwegs, um Milch oder Milchrohprodukte zu fahren. Diesmal bringt er mit einem Dreikammer-Tankwagen 25.000 Liter Magermilchkonzentrat zu einer Molkerei in den Nachbarkreis Warendorf. Eine Stunde Fahrzeit, eine Stunde Abpumpen und dann geht es wieder zurück. Aber auch weite Touren nach Nord- oder Süddeutschland, die regelmäßiges Übernachten erfordern, sind Haagmann nicht fremd. Besonders gefällt ihm, dass er bei Wiegert nicht nur als Fahrer eingesetzt wird, sondern auch Verantwortungsgefühl und extreme Sorgfalt in Sachen Hygiene gefragt sind. Es geht um die gründliche Reinigung der Tankwagen, deren blitze­blanker Zustand das Aushängeschild des Unternehmens ist. Für ihn eine Selbstverständlichkeit: "Stellen Sie sich doch einmal vor, wir würden Milch mit schmutzigen Lkw transportieren. So etwas geht doch gar nicht."

Fuhrpark besteht aus MAN und DAF

Pure Leidenschaft fürs Gewerbe klingt durch, wenn Firmenchef Wiegert über seinen größtenteils aus neuen MAN sowie DAF bestehenden Fuhrpark spricht. Top gereinigt stehen sie frühmorgens in Reih und Glied auf dem Hof. Dabei ist für Außenstehende wirklich nicht zu erkennen, dass viele der Edelstahltanks bereits einige Jahre beziehungsweise Hunderttausende von Kilometern auf dem Buckel haben. "Die gute Pflege ist nicht nur gut fürs Geschäft, sondern sie zahlt sich langfristig auch aus.
Nach jeder Tour wird alles gründlich gereinigt. Das gilt nicht nur für die Lastwagen, sondern vor allem für die Tanks", erklärt Claus Wiegert. "Neben der Außenwäsche gibt es auch eine intensive Tankinnenreinigung. Milch ist nämlich ein sehr sensibles Produkt."

Cleaning in place -  Reinigung auf dem Firmengelände

Fachleute nennen das, was Wiegert beschreibt, "cleaning in place" – Reinigung auf dem Firmengelände. Es gibt das Vorspülen, den Hauptgang und das Nachspülen.
Jeder der Fahrer ist durch Schulungen eingewiesen und strenge Kontrollen der ­Landesvereinigung der Milchwirtschaft verraten, wie sensibel dieses Thema ist. Norbert Haagmann und Theo Hülsdenker haben das längst verinnerlicht. Sobald sie mal ­einen Moment Luft haben, greifen sie zum ­Schrubber, um den Kollegen beim Reinigen ihrer Lkw zu helfen. Nicht nur, weil’s dann ­schneller geht, sondern weil hier noch jeder jedem hilft.

Autor

Foto

Norbert Böwing

Datum

2. Januar 2015
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