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Modulschulung: Kochen als Teil der Bkf-Weiterbildung

Die Weiterbildung nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz kann nicht nur lehrreich sein, sondern auch gesund, nahrhaft und lecker.

Seit September des letzten Jahres ist die zweite Runde der Weiter­bildung gemäß Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz eingeläutet. Alle fünf Jahre müssen Lkw-Fahrer im gewerblichen Gütertransport fünf sogenannte Module aus drei Kenntnisbereichen absolvieren. Wieder heißt es fortan für viele Fahrer, ihren freien Samstag zu opfern, um sich, wie sie oft beklagen, in überwiegend theorie­beladenen Kursen das anzuhören, was sie ohnehin schon einmal gelernt haben. "Hier die Mitarbeiter erneut zu motivieren, dass sie etwas lernen, ist nicht so einfach", sagt auch Hans Georg Schmitz, in dritter Generation Geschäftsführer der 1926 gegründeten ­Spedition Robert Schmitz in Hagen. "Es ist daher ­meine Aufgabe als Unternehmer, den Fahrern beim ungeliebten Thema der Weiterbildung auch mal etwas anderes zu bieten."

Hagen liegt im südöstlichen Teil des Ruhrgebiets und ist traditionell ein Zentrum der metallverarbeitenden Industrie, die damals auf die Wasserkraft der Ruhr und anderer Flüsse zur Energieversorgung angewiesen war. Auch heute noch sind in dieser Region bis ins vordere Sauerland namhafte Zulie­ferer der Automobilindustrie angesiedelt. Hier­auf hat sich die Spedition spezialisiert: Aus ganz Europa werden Coils aus Stahl und Ringe aus Eisen per Bahn angeliefert und in den eigenen Hallen oder auf dem riesigen Freigelände zwischengelagert. 600.000 Tonnen wurden allein 2014 umgeschlagen. "Die Firmen vertrauen uns praktisch ihr gesamtes Vormaterial an, weil sie wissen, dass wir es pünktlich anliefern", erzählt Schmitz. Der eigene Fuhrpark mit elf MAN, sechs DAF, vier Scania und drei Mercedes-Benz Actros in der Leistungsklasse von 440 bis 480 PS ist hochspezialisert. Die Standardauflieger mit Coilmulden sind alle von Krone, dazu bauen kleinere Hersteller wie Eistel (Nistertal) und Schmidt (Hagen) individuelle Lösungen, die vor allem dazu dienen, die Fracht schnell zu laden und zu sichern. Denn im Nahverkehr wickeln die Fahrer in der Regel bis zu zehn Touren am Tag ab. Dazu gibt es ein- bis zweitägige Fahrten innerhalb Deutschlands mit Rückladungen bei Stahlwerken. "Unsere langjährigen Fahrer sind das wichtigste Bindeglied zum Kunden", erläutert Schmitz. "Denn als Spedition bieten wir das an, was andere nicht können." Die branchenübliche Fluktuation, darauf ist er besonders stolz, gibt es bei ihm nicht. Das liegt neben dem guten Lohn an der regelmäßigen Arbeitszeit und der Tatsache, dass die Fahrer nicht nur bei der Einstellung von neuen Fahrern, sondern auch bei der Neubeschaffung der Lkw ein gewisses Mitspracherecht haben. "Sie danken es uns mit absoluter Zuverlässigkeit und einem prima Betriebsklima."

Idee nimmt auf der IAA Form an

Am Dekra-Stand auf der IAA-Nutzfahrzeuge 2014 in Hannover kam Schmitz mit Reinhard Buchsdrücker ins Gespräch, der seit elf Jahren Instruktor an der Dekra-Akademie im Service Center Norderstedt ist. Mit dem mobilen Fahrsimulator besucht er im Rahmen der Modulschulungen regelmäßig Transportunternehmen. "Schnell haben wir vereinbart, die Schulungen zum Fahrertag für alle zu machen", sagt Schmitz. Schon seit 2003 investiert er, nachdem er anfangs als Fahrer im väterlichen Betrieb selbst Erfahrungen sammeln konnte, in praxisorientierte Fahrsicherheitstrainings. "Wir sind zwar nicht die typischen Kilometerfresser, aber all unsere Lkw sind mit der jeweils modernsten Sicherheitstechnik ausgestattet. Aber irgendwie fehlte mir noch der gewisse Clou. Und als Buchsdrücker erzählte, dass er im Rahmen des Unterrichts anbietet, nicht nur über gesunde Ernährung zu reden, sondern mit den Fahrern auch zu kochen, war der Entschluss schnell gefasst, dass eine Gruppe meiner Fahrer für die anderen Teilnehmer das Mittagessen zubereitet."

Denn Buchsdrücker ist, wie er dem ­FERNFAHRER verrät, auch gelernter Koch und hat lange in der Kantine des Hamburger Axel Springer Verlags gearbeitet. "Eigentlich war geplant, dass ich meinen eigenen Kocher mitbringe und demonstriere, wie man sich unterwegs im Lkw für wenig Geld selbst ein gesundes und nahrhaftes Gericht zubereiten kann", berichtet Buchsdrücker. "Doch bei dieser neuen Aufgabenstellung mussten wir umplanen." So wurde die Großküche der nahegelegenen Freien Evangelischen Schule in Hagen zum Ort für kreatives Braten. Zwei einfache, aber schmackhafte Gerichte hat sich Buchsdrücker ausgedacht, die Zutaten am Vortag vor Ort frisch eingekauft. Nach einer theoretischen Einführung über gesunde Ernährung (nachzulesen im Schulungsbuch "Fahrer und Image" der Dekra Akademie), greifen schließlich alle am frühen Vormittag zu Schneidemesser und Kochlöffel. Buchsdrücker ist als Dirigent mit seinem un­nachahmlichen Wortwitz mittendrin.

Richtig ernähren unterwegs

"Es bringt nichts, wenn man sich unterwegs ein kalorien­armes Essen zubereitet und dann drei Portionen davon isst. Dann hängt man wieder schlapp im Sitz." Martin Barwicki etwa, seit acht Jahren bei Schmitz, hat eine Frau, die daheim meistens kocht. Unterwegs greift er aber eher mal schnell zur Currywurst. "Ich bin überrascht, wie schnell man sich etwas zubereiten kann", meint Barwicki am Herd. "Und ich wusste gar nicht, dass man solche Module überhaupt machen kann. Heute habe ich eine neue Variante gelernt, wie man Kartoffeln zubereiten kann." Richtig zufrieden ist auch Detelf Köster. "Meine Frau ist selbst Köchin, daher habe ich daheim Küchenverbot", lacht Köster. "Dieses Modul ist einfach nur genial. Wir sind sowieso schon ein familär geprägtes Unternehmen, aber dieser Tag födert auf alle Fälle den Teamgeist." Auch Peter Willmes und Ralf Brinke, ebenfalls langjährige Fahrer bei Schmitz, haben Riesenspaß, unter den wachsamen Augen des Chefs Hackfleischbällchen zu formen und anzubraten.

"Ich achte schon lange auf gesunde Ernährung und esse auch unterwegs viel rohes Gemüse", verrät Brinke. Er hat einen Kocher im Auto. "Meist geht es dann doch nicht über Fertiggerichte hinaus. Die beiden Rezepte werde ich auf alle Fälle einmal ausprobieren, wenn ich mal wieder eine längere Tour über Nacht habe." Und Peter Willmes ergänzt: "Unser Chef hat sich schon immer Gedanken gemacht, wie man mehr Praxis in die Modulschulung bringt. Schon das ist der große Unterschied. In vielen Firmen ist man der Geschäftsführung als Fahrer doch egal."

Gemeinsame Mittagspause

Pünktlich zur Mittagspause kommt dann der große Moment: Die anderen 18 Fahrer und die drei weiteren Dekra-Ausbilder strömen hungrig in den Speisesaal der Schule. Auf die Minute genau sind die beiden Gerichte fertig geworden. "Das ist echt die Krönung", lobt Michael Filtz, seit über 21 Jahren im Betrieb und damit der dienstälteste Fahrer. "Die Schulung im Simulator war schon erste Sahne, man absolviert in kürzester Zeit so viele gefährliche Situationen, wie man sie in der Realität zum Glück kaum vorfindet. Doch was die Kollegen hier zubereitet haben, ist wirklich lecker. Ganz ehrlich, das hätten wir alle nicht gedacht."

So endet der Samstag mit einem Versprechen von Hans Georg Schmitz. "Im Herbst wiederholen wir die Schulung und dann dürfen zehn andere Fahrer kochen." Und auch Reinhard Buchsdrücker ist plötzlich auf den Geschmack gekommen. "Ich habe noch so viele gute Rezepte auf Lager, dass ich plane, sie als kleines Buch zu veröffentlichen."

Spaghetti aglio e olio "Fernfahrer speziale"

Zutaten (für eine Person):

125 g Spaghetti
1 Teelöffel Speisesalz
2 Knoblauchzehen
1 kleine Peperoni
2 Esslöffel Olivenöl
4–6 Kirschtomaten
1 kleine Salatgurke
6 Champignons
1 Hähnchenbrust
Etwas Meersalz, Pfeffer,
italienische Kräuter.
Basilikum getrocknet,
Parmesan
Wer möchte, etwas Petersilie und/oder Rucola.

Zubereitungszeit: circa 20 Minuten

Die Spaghetti in Salzwasser bissfest kochen.

Die Knoblauchzehen abziehen und in Scheiben schneiden oder hacken. Die Gurke waschen, vierteln und in kleine Stücke schneiden. Die Tomaten waschen und vierteln. Die Peperoni waschen, in der Mitte durchschneiden und entkernen, anschließend in dünne Streifen schneiden. Die Hähnchenbrust mit einem Küchentuch abtupfen und in kleine Streifen schneiden.

Die Spaghetti abgießen und abtropfen lassen.

In einer großen Pfanne oder Topf das Olivenöl erhitzen und anschließend das Hähnchenfleisch kurz anbraten. Knoblauch und Peperoni dazugeben und mit anbraten, die Spaghetti dazugeben und darin schwenken. Mit Meersalz, Pfeffer und den italienischen Kräutern ordentlich würzen. Die Kirschtomaten, Champignons und Gurkenstückchen unterheben und mit Parmesan und Petersilie oder Rucola je nach Geschmack bestreuen.

Guten Appetit!

Kartoffel-Gemüsepfanne mit Hackbällchen "King of the Road"

125 g gemischtes Hackfleisch
1 kleine Zwiebel
1 Ei
2–3 Esslöffel Semmelbrösel

200 g Kartoffeln
1–2 Möhren
1 kleine Zucchini
1 Knoblauchzehe  
1 Paprika
2 Esslöffel Olivenöl
Etwas Meersalz, Pfeffer,
Majoran, Muskat, Paprika
edelsüß, Basilikum, Koriander

Zubereitungszeit: circa 30 Minuten

Das Hackfleisch mit den Semmelbröseln, dem Ei und der kleingeschnittenen Zwiebel gut vermengen und mit Hackfleischgewürz abschmecken. Anschließend daraus kleine Bällchen formen und in einer Pfanne bei mittlerer Hitze von allen Seiten anbraten.
Kartoffeln waschen und vierteln, Möhre schälen und in dünne Stücke schneiden, Paprika waschen, entkernen und in dünne Streifen schneiden, Zucchini in dünne Scheiben schneiden, Knoblauch schälen und in dünne Scheiben schneiden.

Die Hackbällchen auf einen Teller zwischenlagern, Kartoffeln bei mittlerer Temperatur ca. fünf Minuten rösten, anschließend das Gemüse hinzufügen und alles zusammen nochmals fünf Minuten schmoren, ab und zu wenden. Mit den Gewürzen je nach Geschmack abschmecken. Wer möchte, kann das Ganze mit ein paar Schafskäsewürfeln oder saurer Sahne aufpeppen. 

Guten Appetit!

Diese Gerichte lassen sich auch mit einem Campingkocher und entsprechenden Töpfen und Pfannen zubereiten. Neben der Tatsache, dass sie echt lecker sind, bieten sie wenig Kalorien und ordentlich Vitamine und Nährstoffe, die der Fahrer benötigt. Außerdem macht es unwahrscheinlich Spaß, so den Feierabend zu verbringen. Preiswert ist selbst kochen auch.

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

13. Juli 2015
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