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Mitfahrzentrale für Stückgut: Bitte beständig beiladen

Colo21 ist an den Start gegangen, um die Auslastung von Lkw zu steigern.Geschäftsführer Jörg Frommeyer erklärt im trans aktuell-Redaktionsgespräch, warum dasOnlineportal alles andere als eine Frachtenbörse ist.

Auf vielen Relationen ist auf dem Lkw noch Platz im Laderaum – oftmals sogar ein sehr genau vorherbestimmbarer. Genau an diesem Punkt setzt Jörg Frommeyer mit seiner Idee einer Mitfahrzentrale für Stückgut an. Wobei der gelernte Speditionskaufmann bewusst nicht den Spotmarkt im Auge hat. Im trans aktuell-Redaktionsgespräch erläutert der 48-Jährige, wie Transporteure ihre freien Transportkapazitäten auf E-Groupage vermarkten können. Und warum es auch für Kooperationen durchaus Sinn macht, den Service von Colo21 zu nutzen. Für Verlader präsentiert sich das Ganze als transparenter Marktplatz.

trans aktuell: Herr Frommeyer, Ihr Vermittlungsservice namens E-Groupage ist kürzlich gestartet, um die Auslastung im Stückgut zu erhöhen. Braucht es denn noch eine Frachtenbörse?

Frommeyer: Da sind wir schon beim ersten grundlegenden Missverständnis. E-Groupage ist keine Frachtenbörse, auf der Frachtraum und Ladegut auf einem Spotmarkt zusammentreffen. Bei uns geht es um eher längerfristige Kontrakte, um den Aufbau und die Optimierung von Stückgutnetzen durch einfache und intelligente Vermittlung von Beilademöglichkeiten. So kann ein Transporteur beispielsweise die Stückgutverteilung in einer bestimmten Region anbieten. Oder Stückgut-Linien auf unserer Onlineplattform abbilden, auf denen er jeden Mittwoch noch zwei Lademeter frei hat.

Und das nutzt der Verlader dann, um eine Palette mitzuschicken?

Verlader können über E-Groupage nicht selbst versenden, sondern nur über Spediteure. Aber die nutzen das, um konkrete Transportaufträge bedienen zu können, aber eben nicht nur einmal. Vielmehr bietet der Spediteur in dem genannten Beispiel seinerseits an, eben jene zwei Lademeter für das kommende halbe Jahr zu füllen – oder eben auch nur einen Teil davon. Ich spreche daher gerne von einer Mitfahrzentrale für Stückgut.

Wobei das ja nicht blind – quasi per Anhalter – erfolgt. Aber wie bringen Sie Sicherheit in den Ablauf?

Zunächst überprüfen unsere Mitarbeiter die angemeldeten Unternehmen natürlich. Dabei werden beispielsweise Versicherungsbescheinigungen unter die Lupe genommen. Wir gehen aber darüber hinaus und ermöglichen die gläserne Spedition. Gläsern deshalb, weil für potenzielle Kunden das komplette Netz eines Spediteurs sichtbar ist und auch seine Leistung auf Knopfdruck transparent wird. Dafür haben wir den  sogenannten Opex-Score entwickelt, der auf einer Skala von eins bis fünf anzeigt, ob die versprochenen Leistungen eingehalten wurden. Je höher der Wert ist, desto besser. Das Ganze wiederum ist das Ergebnis einer unabhängigen Qualitätsmessung.

Also keine Bewertung des Dienstleisters durch den Kunden?

Nein, das funktioniert bewusst anders: Der Dienstleister selbst gibt beispielsweise an, welche Laufzeit er für eine Relation benötigt. Unser System bewertet dann anhand der objektiven Scan-Daten einer Sendung, ob die Laufzeit eingehalten wird. Deshalb ist es sinnvoll, stets eine realistische Laufzeit anzugeben – und nicht die Wunschvorstellung des Marketings. Denn gebe ich 24 Stunden an, habe dann aber einige Ausreißer mit 48 Stunden, schlägt sich das negativ in der Bewertung nieder. Gebe ich hingegen gleich die 48 Stunden an, bekomme ich die volle Punktzahl.

Das heißt, immer die Suche nach dem Partner mit der vollen Punktzahl?

Theoretisch ja. Praktisch wird es Länder geben, in denen eine drei schon eine sehr gute Bewertung ist. Auch wenn das von den Logistikern gerne anders dargestellt wird, ist das Niveau in Europa keinesfalls einheitlich.

Qualität ist das eine – aber wie sieht es mit der Transparenz des Preises aus?

Unser Service E-Groupage ist nicht dazu da, um die Frachtraten nach unten zu drücken. Der Verlader findet zwar Infos zur Dienstleistung und zur Qualität, nicht aber zum Preis. Colo21 bietet Spediteuren und Transportunternehmen ein Schaufenster für ihre Leistung und ein Hilfsmittel, die Auslastung bestehender Verkehre zu erhöhen, Netze zu knüpfen und zu optimieren. Ein Verlader kann recherchieren, welche Anbieter das passende Portfolio im Angebot haben. Danach tritt er mit ihnen in Kontakt und handelt schlussendlich natürlich auch den Preis aus. Das geschieht allerdings bilateral auf Unternehmensebene, ohne dass Colo21 daran beteiligt wäre.

Woran verdienen Sie als Colo21 eigentlich? Gibt es eine monatliche Grundgebühr oder eine Einstellgebühr?

Weder noch. Bezahlt wird ausschließlich erfolgsabhängig über Vermittlungsgebühren. Zusätzlich übernehmen wir das Clearing zwischen den Partnern und sogar das Ausfallrisiko. Die Transporteure erhalten also auf jeden Fall ihr Geld. Da die Kosten für die Vermittlung von vornherein feststehen, sind sie für die Unternehmen entsprechend kalkulierbar.

Ist Ihr Kalkül denn aufgegangen – oder anders gefragt: Wie war der Start?

Eigentlich ganz gut. Natürlich können es immer noch mehr werden. Es haben sich bereits einige Firmen registriert, die in einzelnen Regionen oder ganzen Ländern Stückgutdistribution anbieten. Zudem gibt es bei uns Transportfirmen, die auf mehr als 800 Linienkorridoren regelmäßig Ladekapazität haben.

Wie sieht Ihre Zielgruppe aus?

Aus unserer Sicht ist unser Service ideal für kleinere und mittelständische  Transportunternehmen und Speditionen, aber auch für Stückgutkooperationen. Denn auch deren Auslastung lässt sich noch verbessern.

Aber braucht es dafür eine weitere Plattform?

Ja, denn unseren Service gibt es bisher nicht. Bislang konnte das Beiladepotenzial im Stückgutmarkt nicht genutzt werden, weil das zu kompliziert und zu aufwändig war. E-Groupage macht den Beiladeprozess so einfach und effizient, dass Firmen mit Stückgut wieder Geld verdienen können. Gleichzeitig machen wir die Qualität transparent. Damit können erstmals Stückgutdienstleistungen nicht nur am Preis, sondern objektiv an ihrer Qualität gemessen werden.

Und wo geht die Reise mit Colo21 hin?

Wir sind zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr bereits eine Millionen Sendungen über E-Groupage vermitteln. Außerdem erleben wir es gerade verstärkt, dass Verlader oder auch Speditionen ihre Geschäftspartner dazu animieren, ihre Leistung bei E-Groupage anzubieten. Denn die Plattform ist nicht nur ein betriebliches Instrument, um sich zu optimieren, sondern auch ein Marketinginstrument, um die eigene Leistungsfähigkeit transparent darstellen zu können.


Zur Person

Jörg Frommeyer ist gelernter Speditionskaufmann und Inhaber sowie Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Concipio Management Solutions mit Sitz in Bernstadt bei Ulm. Gemeinsam mit André Probst, dem Inhaber des Ulmer Data- Management-Spezialisten Alpha Quest, hat er 2014 Colo21 gegründet. Zuvor war er lange Jahre bei Kühne + Nagel in mehreren verantwortungsvollen Positionen tätig. Zuletzt war er unter anderem für das gesamte Stückgutnetz der Unternehmensgruppe verantwortlich.

Portraits

Autor

Foto

Fotolia/Yodiyim, Montage: Mannchen

Datum

1. Juni 2015
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