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Mit Feinblechen durchs Sauerland: Ende gut, alles gut

Rüdiger Raschinsky und Klaus Roos haben einen neuen Job 
gefunden – bei einem ehemaligen Kollegen.

Bleierne Dunkelheit liegt am Freitagmorgen um halb sechs über dem Lkw-Parkplatz des Hagener Feinblech Service (HFS) in Haspe, doch Rüdiger Raschinsky ist schon länger hellwach. Gegen fünf Uhr ist er bereits mit seinem Sattelzug von Schwerte aufgebrochen, unter der Woche darf er den Lkw mit nach Hause nehmen. "Das erspart mir täglich rund 40 Kilometer mit dem eigenen Pkw", sagt Rüdiger. "Es ist Teil des tollen Gesamtpakets, das ich als Fahrer bei Gerald Pukat aus Iserlohn gefunden habe." Er meldet sich im Versand, fährt kurz über die Waage und sofort danach in die große Halle. Im ersten Teil, dort wo die Coils lagern, bleibt er direkt unter der Kranbahn stehen, öffnet mit wenigen Handgriffen die Schnellverschlüsse der Plane, schiebt das Edscha-Verdeck nach vorne und holt, etwa in der Mitte des Aufliegers, fünf Abdeckungen aus dem Trailerboden. Das alles geht derart schnell, dass die vier tonnenschweren Ringe Feinblechzuschnitt schon über dem Heck des Sattelzugs schweben, als Rüdiger den Spezialauflieger ladebereit hat. Etwa 35 Lkw werden täglich bei HFS befrachtet. "Wir arbeiten mit den Lagerleuten Hand in Hand. Deswegen gibt es mit uns auch niemals Probleme bei der Verladung."

Rüdiger und Klaus kennen sich seit 1979

Im vorderen Teil der Halle lagern die Bleche in Paketen. Dort werden bereits zwei andere Lkw beladen. Rüdiger nutzt die Zeit, die vier Ringe mit Ketten zu sichern. Vor und hinter den Ringen verankert er je zwei Dreieckstützen in den dafür vorgesehenen Aufnahmen. Dann geht er zum Kaffeeautomaten. Ein Heißgetränk ist für Carlos, den Lagermeister, das andere für den Kollegen Klaus Roos, 55, dessen Lastwagen in der Verladezone der Blechpakete steht. Zeit genug, um an dieser Stelle eine wunderbare Geschichte einzufügen.

Rüdiger und Klaus kennen sich seit 1979. Sie arbeiteten gemeinsam, aber mit verschiedenen Lkw für die Spedition Holzrichter aus Ergste im nationalen Fernverkehr. Noch ganz genau erinnert sich Rüdiger, wie er 1982 einen jungen Mann als Beifahrer mit auf eine Tour nach Berlin nahm. Gerald hieß der neue Kollege. Als Holzrichter dann Mitte der 80er-Jahre insolvent wurde, wechselten Rüdiger und Klaus zu Lueg nach Hagen. Gerald ging zu einer anderen Spedition. Klaus hielt weiter Kontakt zu ihm. Sie wohnten im selben Ort und besuchten die gleichen Schulungen zum Berufskraftfahrer.

Pukat machte sich 1997 mit zunächst einem Lkw selbstständig

Bei Lueg wurden Rüdiger und Klaus als erster und zweiter Vorsitzender in den Betriebsrat gewählt – bis auch dieses vorbildliche Unternehmen, ausgelöst durch die Opel-Krise, 2009 in die Insolvenz ging. Als FERNFAHRER seinerzeit über Lueg berichtete, war die Stimmung sehr gedrückt, die Zukunft unsicher. "Wir waren zunächst in einer Transfergesellschaft, die uns neue Jobs vermitteln sollte", erinnert sich Rüdiger. "Doch ich wollte nicht für 1.800 Euro oder weniger arbeiten. Als ehemaliger Betriebsrat haben mich einige Speditionen im Raum Hagen schlicht und einfach nicht genommen."

So war es wohl Fügung, dass sich Gerald  1997 mit zunächst einem Lkw selbstständig gemacht hat und heute, mit 51 Jahren, sieben Sattelzüge für den Hagener Feinblech Service einsetzt. Klaus ging 2009 sofort als Fahrer zu seinem einstigen Kollegen, der händeringend erfahrene Kollegen suchte. Rüdiger folgte schon ein Jahr später. Der einstige Beifahrer nahm ihn gerne ins Team auf. Kein Wunder: "Gerald zahlt deutlich mehr als die meisten Transportunternehmen hier im Raum. Und er ist absolut sozial eingestellt. Dafür leisten wir aber auch gute und zuverlässige Arbeit."

Der "Freundliche Charly"

Die kleine Pause ist vorbei, Lagermeister Carlos lädt vor und hinter die Ringe je einen Stapel mit Paketen, die Rüdiger sofort mit Gurten sichert. "Mein Arbeitstag beginnt damit, dass ich schon morgens einmal komplett durchgeschwitzt bin. Aber das hält mich körperlich fit." Noch einmal auf die Waage, beim "Freundlichen Charly", wie der Versandmitarbeiter von den Fahrern genannt wird, gibt es die Papiere, dann geht es auf der B  7 durch Hagener Vororte, die zum Teil so aussehen wie die DDR vor der Wende, zu drei Kunden ins Sauerland. "Ich fahre auch nach 33 Jahren immer noch unheimlich gerne Lkw. Diese Tour besteht fast nur aus Landstraße. Das macht viel mehr Spaß als zwischen Lärmschutzwänden über die Autobahn zu fahren. Allerdings weißt du am Abend auch, was du getan hast."

Der erste Kunde bekommt die vier Ringe. Einzeln lädt sie ein Staplerfahrer ab. Weiter geht es hinauf bis nach Brilon und Olsberg über teilweise schmale Straßen durch den spätherbstlichen Wald. Zwei Stunden rund um Hagen ist der normale Radius, alles kleine mittelständische Betriebe der Metallverarbeitung. "Dort arbeiten überwiegend freundliche Leute im Lager." Gelegentlich gibt es für die Crew von Gerald aber auch Touren nach Duisburg oder Salzgitter. „Wir holen für HFS auch die Coils von der Stahlindustrie."

Man merkt dem Chef an, dass er selbst Fahrer war

In Bestwig, dem letzten Ort vor der unterbrochenen A  46, macht Rüdiger in einem kleinen Imbiss bei einem Kaffee seine Pause. Mit Lenkzeiten um die sechs Stunden und weiteren rund drei Stunden für Abfahrtkontrolle, Laden, Sichern und Abladen liegt er genau im gesetzlichen Rahmen. "Man merkt unserem Chef an, dass er selbst Fahrer war. Er disponiert ganz allein und lädt am Samstag die Lkw vor, wenn es nötig ist. Dafür zahlt er lieber uns etwas mehr, weil er weiß, dass er sich auf seine Fahrer verlassen kann. Es gibt so viele kleine Firmen, die sich auf Kosten der Kollegen bereichern wollen."

Für den Rückweg wählt Rüdiger die A  46, die A  44 und die A  1, das ist etwas länger, aber, so kurz vor den Freitagsstaus, auch schneller. Auf der A  1 passiert er bei Hagen-Nord das ehemalige Gelände von Lueg. Von der Speditionsanlage ist nichts mehr zu sehen. Demnächst soll hier ein Autohof entstehen. "Sobald wir endlich das uns zustehende Geld aus dem von uns damals ausgehandelten Sozialplan erhalten haben, ist das Thema Lueg für Klaus und mich endgültig abgeschlossen. Allerdings kümmere ich mich immer noch als Vorsitzender des Verdi-Ortsvereins Hagen um die Sorgen und Nöte vieler Fahrer. Gerald hat kein Problem, dass ich mich in meiner Freizeit gewerkschaftlich engagiere."

In Hohenlimburg, am zweiten Standort vom Hagener Feinblech Service, nimmt Rüdiger noch schnell ein 28 Tonnen schweres Coil für Haspe mit. Dort lädt er den Lastwagen für Montag vor. Übers Wochenende bleibt der Zug in der Halle. Auch Klaus stellt seinen Lkw dort wieder ab. Das Resümee der beiden: "Am Ende muss man sagen, dass wir mit unserem neuen Chef großes Glück gehabt haben."

Fahrzeugschein

Hersteller: MAN Salzgitter
Motorwagen: TGX 18.44 EEV 4x2 mit Automatik und Retarder, mittleres Fahrerhaus, 1.350-Liter-Diesel-Tank, 100-Liter- Adblue-Tank, digitaler Tacho von VDO
Auflieger: dreiachsiger, 12,60 m langer Coilauflieger aus Aluminium von Schmidt (Hagen) mit vorversetzter Liftachse, 8,40-m-Coilmulde, Planenschnellverschluss, Edscha-Schiebeverdeck, drei 4- m-Brakken, 21 Abdeckplatten (40 cm), je Seite 13 Gurtösen und 7 Schwerlast-Ösen, 8 Paar Aufnahmepunkte für jeweils 2 Paar Dreieckstützen oder 4 Vierkantrohre zur Ladungssicherung; als Zubehör ca. 30 Gurte, 2 Ketten (5 m) und 3 Kettenzüge
Zulässiges Gesamtgewicht: 40 Tonnen (Sondergenehmigung für 45 Tonnen bei Einzelstücken)
Leergewicht Motorwagen: 7.900 kg
Leergewicht Auflieger: 5.720 kg
Gesamtlänge: 15,50 m

Fahrerkarte

Name: Rüdiger Raschinsky
Alter: 56
Wohnort: Schwerte
Familienstand: verheiratet, 2 Kinder, 3 Enkel
Gelernter Beruf: Werkzeugmacher
Fahrer seit: 1977
Arbeitgeber: Pukat Transporte
Kilometerleistung: ca. 100.000 km/Jahr

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

18. Januar 2013
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