Porträt: Frank Huster Zoom

Huster ist neuer DSLV-Hauptgeschäftsführer: Mit der Freude am Gestalten

Bereits in seiner Jugend hat er Pipeline-Aufbauten auf Binnenschiffen gestrichen. Der Logistik ist Frank Huster treu geblieben. Er ist der neue DSLV-Hauptgeschäftsführer.

Die Branche hat ihn schon früh in ihren Bann gezogen. Es war ein Segment in der Logistik, mit dem wohl nur wenige Schüler in Berührung kommen – die Binnenschifffahrt. Der eine hilft im Lager eines Versandhändlers aus, der andere macht Frachtbriefe bei einer Spedition fertig. Frank Huster dagegen heuerte in seiner Jugend bei Reedereien an.

Kilometerlange Pipeline-Aufbauten gestrichen

Was er dort gemacht hat? "Kilometerlange Pipeline-Aufbauten gestrichen", berichtet er. Die Jobs seien vielleicht nicht gerade lukrativ gewesen, "aber unglaublich spannend". Huster kam viel herum und war immer an der frischen Luft. Gelbe Sonne, rote Haut – so seine Erinnerung an viele Passagen, die von den Häfen in Rotterdam und Antwerpen zu den Ludwigshafener BASF-Werken vorbei an der Loreley führten.

Heute ist Frank Huster nicht mehr die Aushilfskraft, sondern der Kapitän. Zu Jahresbeginn ist er zum Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV) mit Hauptsitz in Bonn und Filiale in Berlin aufgestiegen. Der 48-Jährige vertritt die Interessen von rund 3.500 Betrieben, die jeweils Mitglied der DSLV-Landesverbände sind. Ihm zur Seite stehen 25 Mitarbeiter, die in ihren Fachgebieten alle wesentlichen Aktivitäten und Bereiche der Logistik abdecken. Huster folgt auf Heiner Rogge und Dr. Gregor Schild, die zum Jahresende in den Ruhestand gewechselt sind. Sie hatten den Verband in einer Doppelspitze geführt.

Seit 20 Jahren beim DSLV

Völlig neu ist das Terrain für Huster nicht: Bereits im April vorigen Jahres hatte der DSLV-Gesamtvorstand ihn zum Stellvertreter von Rogge und Schild ernannt. Damit war er in die wichtigen Entscheidungen und Projekte eingebunden. Branchen- und Verbandskenntnis hat Huster aber schon viel länger: Seit 20 Jahren ist er bereits beim DSLV beziehungsweise dessen Vorläuferorganisation BSL tätig. In dieser Zeit leitete er unter anderem das Referat für Gefahrgutlogistik, Sicherheit und Umwelt. Da er tief im Geschehen drin und entsprechend vernetzt ist, kann der Diplom-Volkswirt auch nicht einfach loslassen – dafür sind die Themen für die Branche und den Verband zu wichtig.

So bleibt es dem neuen DSLV-Chef auch nicht erspart, noch kurz vor Weihnachten Akten über eine Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen zu wälzen. Huster befürchtet, dass die Branche das Thema in seiner Sprengkraft noch nicht erkannt hat. "Hält das Umweltministerium an seinen Auflagen fest, hätte das gewaltige negative Auswirkungen auf alle Stückgut-Umschlaganlagen", sagt er.

Huster nützte seine Kenntnisse der Verbandsstruktur und -historie

Huster weiß, wovon er redet. Sein Fachwissen dürfte ihm bei der Bewerbung um den DSLV-Chefsessel in jedem Fall zugutegekommen sein. Ebenso seine Kenntnisse der Verbandsstruktur und -historie. Zum Beispiel hat Huster die 2003 erfolgte Fusion noch in guter Erinnerung: Damals hatten sich der Bundesverband Spedition und Logistik (BSL) sowie die Vereinigung Deutscher Kraftwagenspediteure (VKS) zum DSLV zusammengeschlossen. "Vor diesem Hintergrund habe ich meine Bewerbung mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein ausgesprochen", erklärt Huster. Ein Selbstläufer war sie trotzdem nicht: Rund 100 Bewerber waren im Rennen. Der Sicherheits- und Umweltexperte kam schnell in die engere Wahl – und setzte sich am Ende durch. "Ein gutes Gefühl", bestätigt er.

Allein das Fachliche reicht aber nicht. Auch Führungsqualitäten sind gefragt. Huster muss nicht lange überlegen, um seine Stärken zu nennen "Ich denke, dass ich diplomatisch und sensibel vorgehen kann – ob im Innen- oder Außenverhältnis", sagt er. Als Teamplayer versteht sich der blonde Verbandsmann mit seiner dunklen Brille allemal. "Mit der Brechstange erreicht man gar nichts", betont er.

Der Verbandsexperte beschäftigt sich in seiner Freizeit gern künstlerisch

Mit diesem diplomatischen Geschick will sich der gebürtige Hamburger in den nächsten Monaten an wichtige Themen herantasten. "Es gibt einige Ideen, die ich in meiner neuen Funktion transportieren und an das Präsidium herantragen möchte", sagt Huster, ohne diese zu benennen. Ihn reizt es, Dinge gestalten zu können. Diese Freiheiten habe er schon in seiner vorherigen Funktion geschätzt. "Beim DSLV wird die Kreativität der Mitarbeiter nicht eingeschränkt", sagt er. Das heiße nicht, dass man machen könne, was man wolle. "Aber ich habe doch immer die Möglichkeit gehabt, Dinge voranzutreiben und zu gestalten", erzählt Huster.

Freude am Gestalten findet er auch im Privaten. So beschäftigt sich der Verbandsexperte in seiner Freizeit gern künstlerisch. Er streift durch Museen, genauso wie er selbst zur Farbe greift. Auf Klein-Klein lässt sich Huster in seinen kreativen Phasen erst gar nicht ein. Großformatig müssen die Werke sein. Ansonsten ist er nicht festgelegt "Ich male vieles – von extrem gegenständlich bis extrem gegenstandslos", berichtet er.

Auch die Musik genießt Huster sowohl aktiv als auch passiv

Huster verhehlt nicht, dass manch einer das befremdlich finden könne. Seine Frau jedenfalls habe sich an seinen Stil gewöhnt. In den eigenen vier Wänden werden die Bilder meist aber doch nicht aufgehängt. Wer eine grobe Vorstellung davon bekommen möchte, was ihn inspiriert, dem gibt Huster einen Hinweis auf den zeitgenössischen Maler und Fotografen Gerhard Richter.

So breit gefächert wie das Interesse an der Kunst ist auch der Musikgeschmack. "Ich höre fast alles – von britischer Gitarrenmusik über 70er-Soul bis hin zu Klassik", sagt Huster. Und noch eine Parallele zur Kunst: Auch die Musik genießt er sowohl aktiv als auch passiv. Aktiv hat er sie früher als DJ praktiziert und passiv konsumiert er sie als Hörer.

Der Musikliebhaber erinnert sich noch gut daran, wie er als 16-Jähriger in der Essener Grugahalle ein Gastspiel von "The Who" genossen hat. "Ein einzigartiger Augen- und vor allem Ohrenschmaus", sagt er und seine blauen Augen blitzen in der Erinnerung auf.

Die ersten Kontakte mit der Logistik machten Lust auf mehr

Das entsprechende Kleingeld für solche Konzertbesuche – wir erinnern uns – verdiente sich der Jugendliche damals auch an Bord von Tankschiffen. Diese Kontakte mit der Logistik machten Lust auf mehr: Nach dem Abitur absolvierte Huster eine Ausbildung zum Speditionskaufmann bei der Stinnes Reederei in Duisburg. Die verließ er im Jahr 1985, um ein Studium der Volkswirtschaft in Hamburg und Köln zu beginnen.

Der Weg zurück zur Logistik war dabei vorgezeichnet. "Mir war die Branche immer schon sympathisch und als Volkswirt sehe ich erst recht ihre Bedeutung", sagt Huster. Also wählte er die Verkehrswissenschaft als Wahlpflichtfach und trat seine erste Stelle – was nahe lag – in der Logistik an, genauer als Vorstandsassistent in der Sparte Binnenschifffahrt bei Rhenus in Dortmund. Anderthalb Jahre später konnte sich Huster dem Lockruf des Verbands nicht entziehen. Heute, 20 Jahre später, steht er an dessen Spitze.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Sepp Spiegl

Datum

9. Januar 2013
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