Actros in Mali 29 Bilder Zoom

Mit dem Actros durch Afrika: Verkaufstour nach Mali

Einen älteren Actros auf dem Hof und keine Ahnung, wohin mit ihm? Wie wär‘s mit einer Verkaufstour nach Mali in Afrika?

Es nieselt in Sittensen. Manfred und ich stehen vor einem Actros 2535, Baujahr 2000. Damit wollen wir durch Marokko und Mauretanien in das 7.000 Kilometer entfernte Bamako fahren, der Hauptstadt von Mali. Unser Auto ist ein Dreiachser (Radformel 6x2) mit 700.000 Kilometern auf dem Tacho. Als Aufbauten hat er eine Wechselbrücke mit Plane und Spriegel und am Heck eine einklappbare Hebebühne. Hinten auf der Ladefläche steht noch ein alter 190er Mercedes.

Der Actros ist noch gut in Schuss

Der erste Eindruck vom Actros ist gut. Der Motor läuft rund, Straßenlage, Luftfederung und Lenkung sind okay, fast wie bei einem Neufahrzeug. Gut so, denn in der Westsahara steht im Notfall nicht unbedingt gleich eine Pannenhilfe bereit.

Vier Tage später sehen wir im Hafen von Algeciras schon einige Lkw mit spanischen Überführungskennzeichen und afrikanischen Besitzern. Darunter sind mehrere Sattelzüge, vollgepackt mit gebrauchten Matratzen, Kühlschränken, teils auch mit Pkw beladen. In Gesprächen mit den Fahrern höre ich, dass sie dasselbe Ziel haben wie wir, einige aber auch noch weiter fahren nach Guinea, Elfenbeinküste oder Burkina Faso.

Wir finden sogenannte Zoll-Deklaranten für die Ausfuhrbestätigung. Einschließlich Fährticket zahlen wir für die zwei Fahrzeuge schließlich rund 300 Euro. Am Donnerstagnachmittag kommen wir nach zweistündiger Überfahrt im neuen Hafen Tanger-Med an.

Am Atlas vorbei Richtung Marrakesch

Auf dem Schiff ist auch ein Hängerzug einer deutschen Textilspedition und ich frage den Kollegen spaßeshalber, ob ihm der Nahverkehr BRD–Marokko gefällt. Als ich erkläre, dass wir noch gute 4.000 Kilometer weiter nach Süden in die Sahara wollen, verdreht er die Augen.

Richtung Marrakesch haben wir dann am Samstag das Gefühl, dass unsere Tour jetzt richtig losgeht. Wir passieren die Ausläufer des Atlas-Gebirges, dessen Gipfel schnee­bedeckt sind. An einer weitläufigen Rechtskurve hat sich ein Kühlsattel auf die lehmbraune Erde geworfen und ein großer Autokran beginnt gerade mit dem Aufrichten. Mittlerweile ist es um die 18 Grad warm, der Himmel ist bedeckt, es nieselt leicht.

Afrikanische Nächte

Nachtfahrten auf den Nationalstraßen verlangen im Dunkeln wegen der schmalen Fahrbahn und der blendenden Lichter entgegenkommender Lkw höchste Aufmerksamkeit. Polizisten fragen nach dem "Fiche" (Zettel). Das ist eine Kopie des Reisepasses und muss ab Südmarokko unbedingt bei jedem Kontrollposten abgegeben werden. In einem kleinen Hotel nehmen wir für 300 Dirham, knapp 28 Euro, ein Zimmer und am Sonntagmorgen brummt der Actros schon weiter gen Süden.

Die Ausläufer des Atlas lassen wir am Sonntag hinter uns, die endlose Weite der nördlichen Sahara beginnt. Die Straße nähert sich der Küste und verläuft dann südlich parallel zum Meer. Wir erreichen abends Boujdour, gönnen uns nochmals ein Hotel. Leider komme ich nicht zur Ruhe. Ich habe vier Wanzen im Bett, die mich beißen. Von Manfred kommen keine Klagen.

Noch immer drohen Minen abseits der Straße

Auf der marokkanischen Seite brauchen wir am Dienstag viereinhalb Stunden für viel Bürokratie und Stempelsammeln beim Zoll. Dann geht es über Felsen und Sand durch vier Kilometer Niemandsland, komischerweise wie die afghanische Provinz "Kandahar" genannt, bis zur mauretanischen Grenzsta­tion. Hier ist nur Schritttempo möglich, deshalb kaum unter einer Stunde zu machen. Ein französisches Ehepaar im Camper gibt nach halber Strecke entnervt auf und dreht um Richtung Marokko. Am Pistenrand stehen Hinweisschilder, die vor dem Abweichen von der Route warnen. Im Sand liegen immer noch versteckte Minen aus dem Krieg.

Ein Toyota mit einem vermummten Fahrer umkreist uns und fährt dann vor zum Zollhof. Er meldet dort die baldige Ankunft von Europäern, das bedeutet gute Geschäfte. Der Zollhof liegt mitten in der Wüste unter heißer Sonne. Mittwochabend um 18 Uhr sind die Papiere nach langer Warterei fertig, wir können endlich abfahren. Die Straßenkontrollen verlaufen in R.I.M. (Republique Islamique de Mauretanie) etwas freundlicher, die Soldaten schütteln uns sogar die Hände.

Unterwegs auf der Straße der Hoffnung

Hinter der Hauptstadt Nouakchott liegen kleine Dörfer links und rechts der "Route de l’Espoir" (Straße der Hoffnung) Von dieser großen Hauptverkehrsader zwischen Mali und Mauretanien aus sehen wir immer wieder Kinder, die zwischen den Häusern spielen. Sandkästen brauchen sie hier bestimmt nicht. Später bekommt die bisher flache Wüste neue Dimensionen mit lang gezogenen Bergen am Horizont. Es geht über eine Passstraße und durch einige kleine Dörfer. Schwer beladene Lkw, meist alte Mercedes-Dreiachser mit langer Haube, kommen uns entgegen.

Ein deutscher Autobahnpolizist würde angesichts der hier fehlenden Ladungssicherung Schnappatmung bekommen. Säcke und andere Güter sind bis zu zwei Meter höher als das Fahrerhaus gestapelt, mit nur zwei senkrechten Ästen als Sicherung nach vorne. Alle 20 bis 30 Kilometer liegen tote Kühe, Hunde und Ziegen am Straßenrand, die offensichtlich angefahren und liegen gelassen wurden. Gegen 22 Uhr stoppt uns eine Straßenkontrolle 40 Kilometer vor Ayoun el-Atrouss. Weiterfahrt in der Nacht verboten: Zwangspause bei 30 Grad Hitze.

Armee-Eskorte für 30 Euro

Wir stehen am Samstag vor einem Schlagbaum auf der mauretanischen Seite, einige Geldscheine wechseln die Besitzer. Dann geht es weiter auf die Grenzseite von Mali, wo Visum und Autoversicherung fällig sind. Zu guter Letzt steigt ein Soldat der Armee mit ins Fahrerhaus, da angeblich eine Eskorte für uns Europäer wegen der Entführungsgefahr durch Islamisten obligatorisch ist, macht 20.000 Francs CFA (gut 30 Euro). Wir können die Lage nicht richtig einschätzen.

Es sind knapp 100 Kilometer bis zur nächstgrößeren Stadt Nioro du Sahel, wo wir abends auf den Hof einer Kontrollstation rollen. Hier halten sich mehrere Soldaten und ein Inspektor auf, alle mit Kalaschnikow ausgerüstet: Der Actros und seine Fracht, ein alter 190er Benz, müssten vor Bamako verzollt werden, macht 2,6 Millionen Francs CFA (knapp 4.000 Euro). Wieder warten. In das Zentrum des kleinen Ortes dürfen wir nur mit Eskorte. Am Montag heißt es, dass auch eine Kontaktperson in Bamako den Zoll entrichten kann. Zum Glück hat Manfred von früheren Aufenthalten dort einen Bekannten, Oscar aus Burkina Faso, der den Job übernimmt.

Mit Kalaschnikow nach Bamako

Mit zwei bewaffneten Soldaten treten wir nach viel Bürokratie schließlich am Dienstag den Weg nach Bamako an, etwa 460 Kilometer entfernt. Die Landschaft wird grüner, zwischen den Sandflächen stehen nun Bäume am Straßenrand, hin und wieder fahren wir über einen kleinen Fluss. Unterwegs lasse ich mir von einem Soldaten einige Worte auf Bambara, dem hier gebräuchlichen Dialekt, beibringen. Wir erreichen schließlich die Stadtgrenze von Bamako, wo auf einem ­großen Platz das Leben tobt. Händler wollen ihre Ware loswerden, Lkw und Busse fahren vorbei, Hunderte von Menschen laufen quirlig umher, aus Lautsprechern tönt Musik. Die Wucht der vielen Eindrücke überwältigt uns.

Die zwei Soldaten liefern uns bei der deutschen Botschaft ab. Wir fühlen uns frei.
Am Donnerstag erkunde ich zu Fuß das Zentrum. Es ist heiß, die trockene Luft und Abgase stechen in der Lunge. Ich komme an der großen Moschee vorbei, dann am Grand Marché, lande schließlich im Hotel. Manfred hat inzwischen den Pkw verkauft. Alte Daimler gehen hier weg wie warme Semmeln. Er will morgen mit dem Lkw weiter nach Segou und Mopti am Niger.

Letzte Fahrt

Für mich jedoch ist hier Schluss. Abends bringt mich ein Taxi zum Flughafen. Es ist ein Höllenritt, die Stoßdämpfer der alten Karre sind vollkommen ausgeleiert. Bei jeder Bodenwelle schlägt der Wagen hart auf. Die Hinterachse versetzt das Auto manchmal in seitliche Schwingungen. Der Fahrer lacht und weicht den kreuzenden Fußgängern und Autos geschickt aus. Die Fahrweise ist apokalyptisch, aber mittler­weile habe ich mich daran gewöhnt.

Um zwei Uhr nachts steigt meine Maschine der Royal Air Maroc in den dunklen Himmel über Bamako. Au revoir Mali. K’an ben sooni – auf Wiedersehen Mali. Bis bald.

Autor

Foto

Stefan Hück/Andreas Mischkin

Datum

18. August 2014
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