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Spedition Hammer: Ministerpräsidentin Kraft als Praktikantin

Der Fachkräftemangel schlägt zu. Dass man einer Praktikantin aber schon ein Jahr im Voraus eine Einladung zukommen lassen muss, um diese für sich zu gewinnen, ist aber noch eher die Ausnahme.

Die Spedition Hammer aus Aachen hat diese Erfahrung gemacht. Doch bei der Praktikantin handelt es sich auch um eine etwas ungewöhnliche – nämlich um Hannelore Kraft, die seit Juli 2010 amtierende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen.
Seit Jahren schwärmt die Sozialdemokratin bereits zu solchen Sondereinsätzen in die Unternehmen aus. Mehr als 20 Praktika hat sie unter dem Motto "Tatkraft" bereits absolviert und in dieser Funktion schon Kühe gemolken, Müll umgeschlagen oder Patienten gepflegt. Warum sollte die Sozialdemokratin nicht auch mal einen Tag lang hinter die Kulissen einer Spedition schauen, fragte sich der Verband Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen (VSL NRW) vor einem Jahr – und lud Kraft zum Praktikum ein.

Gesagt getan. Im grünen Pulli steht die Ministerpräsidentin auf dem Speditionshof und freut sich auf ihren Einsatz. "Ich bin überzeugt, dass es ein spannender Tag wird", sagt sie. Ihre Hoffnungen werden erfüllt. Die Hammer-Mitarbeiter verschonen die Politikerin auf eigenen Wunsch nicht. In Blaumann mit Namenszug drauf fährt sie Paletten durch das Lager, schleppt Kartons, bedient den Hochregalstapler und spielt eine neue Software auf Handys auf. Natürlich lässt sie sich auch in die Tourenplanung einweisen – überhaupt schaut sie sich in der Disposition alles ganz genau an. Dieser Bereich hat sie mit am stärksten interessiert.

Ministerpräsidentin Kraft bekommt Lob vom Firmenchef

Firmenchef Wolfgang Hammer wollte ein guter Gastgeber sein. "Doch es hat geheißen: Bleib weg, Frau Kraft soll ungefilterte Eindrücke bekommen." Was also tun? Hammer hat sich über die Vorgabe hinweg gesetzt und die ungewöhnliche Praktikantin kurz im Lager besucht und in die Kantine begleitet. Bei einer Podiumsdiskussion, die den Abschluss des Tatkraft-Tags markiert, zollt er der Politikerin ein besonderes Lob. "Das Interesse war nicht gespielt, die Fragen waren super", sagte er. Für die Abendveranstaltung hat das Unternehmen seine Lagerhalle 7 zu einem Kongressraum für geladene Gäste umfunktioniert. Auch Kraft fühlte sich gut betreut. "Die Mitarbeiter waren allesamt freundlich zu mir und haben jede noch so dusselige Frage beantwortet", erklärte sie. Die Logistik sei eine spannende Branche, "Das war schon Hammer."

Der direkte Kontakt mit den Menschen in den Unternehmen ist ihr wichtig. Firmenbesuche stehen ja auch sonst auf dem Programm einer Landesmutter. "Doch üblicherweise bekommt man dann ein paar Daten zum Unternehmen, trifft sich mit der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat, schaut sich bunte Bilder an und wird vielleicht noch mal durch das Unternehmen geführt."

Das vermittle ihr nicht die authentischen Eindrücke, auf die sie es abgesehen hat. Im Rahmen der Tatkraft-Tage lerne sie zum einen etwas über die Branche, zum anderen aber auch etwas über die Menschen. "Denn die große Gefahr ist, dass sich Politiker abschotten, also auch nicht wissen, was einen Fahrer oder Disponenten bewegt."

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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NRW

Datum

21. Februar 2013
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