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Militzer & Münch-CEO im Exklusiv-Interview: Das sind die Pläne von Dr. Lothar Thoma

Militzer & Münch-CEO Dr. Lothar Thoma spricht über seine Deutschland-Pläne und die Projektlogistik in fremden Märkten.

Der Logistikdienstleister Militzer & Münch will seine Präsenz in Deutschland deutlich ausbauen, um auch stärker wieder vom Markt wahrgenommen zu werden. Der neue Vorstandsvorsitzende Dr. Lothar Thoma erläutert im Redaktionsgespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell exklusiv, wie er das erreichen will. So sei geplant, die Zusammenarbeit mit der Stückgutkooperation Cargoline auszubauen und sich vermehrt auf Exportverkehre aus Deutschland heraus zu fokussieren. 

trans aktuell: Herr Thoma, seit 1. Januar sind Sie bei Militzer & Münch. Gut angekommen?

Thoma: Eigentlich habe ich schon im November begonnen, mit einer Dienstreise in den Iran. Es folgten Budgetmeetings, bei denen ich viele Mitarbeiter kennengelernt habe und mir einen Überblick über die Ergebnisse und die weiteren Planungen verschaffen konnte –sozusagen eine Druckbetankung, bei der ich innerhalb von vier Wochen die Philosophie des Unternehmens aufgenommen habe. Im Dezember folgte zudem ein internationales Managementmeeting der Trans-Invest-Gruppe, zu der wir ja auch gehören.

Wie sieht denn die Philosophie von Militzer & Münch aus?

Wir sind ein Nischenspediteur. Unsere Stärken sind unser Know-how und unsere  qualifizierte Mitarbeiter in fremden Märkten. Unsere lokal agierenden Geschäftsführer handeln dabei wie Unternehmer. Das ist die DNA von Militzer & Münch.

Und wie steht das Unternehmen wirtschaftlich da?

Wir haben einen jährlichen Umsatz von rund 350 Millionen Euro und knapp 2.000 Mitarbeiter in 27 Ländern. Wir sind profitabel und haben eine vernünftige einstellige Umsatzrendite, die wir aber noch ausbauen wollen, weil wir in den Märkten, in denen wir tätig sind, noch Potenzial sehen.

Wie das?

Militzer & Münch hat sich in den vergangenen Jahren aus einigen Märkten zurückgezogen. Auch in Deutschland hat eine größere Desinvestition stattgefunden. Das ist ein Ansatzpunkt für mich – wir brauchen wieder eine bessere Reputation und wieder mehr Präsenz auf dem deutschen Markt. Wir haben zu wenig nach außen kommuniziert, was dazu führte, dass unser Rückzug aus der Fläche aus dem Stückgutgeschäft von einigen Akteuren so verstanden wurde, dass Militzer & Münch sich komplett aus Deutschland zurückgezogen habe. Wir müssen wieder dahin, dass wir auch in Deutschland als der Spediteur mit besonderer Erfahrung im Osten und im Maghreb wahrgenommen werden.

Wie sehen denn Ihre Pläne für Deutschland aus?

Deutschland ist für uns der wichtigste Markt, auch was das Ergebnis betrifft. Deshalb wollen wir hier wieder mehr Fuß fassen. 

Wie soll das gelingen?

Indem wir unsere Kooperation mit Cargoline wieder verstärken. Dabei geht es darum, den Partnern, die doch eher national fokussiert sind, unsere Produkte vorzustellen, etwa für Osteuropa, und sie gegebenenfalls zu Kundengesprächen zu begleiten. Das bietet uns eine große Chance, weil die Kundenkontakte der Cargoline und die Flächenpräsenz gigantisch sind. Wenn man das gut kombiniert, kommt für Cargoline und für Militzer & Münch deutlich mehr heraus.

Wie sieht denn die Zusammenarbeit bislang aus?

Cargoline-Partner sind wir mit unserer Niederlassung in Eichenzell, die uns auch als Hub dient. Dabei arbeiten wir auf dem Gelände des Cargoline-Partners John. So verknüpfen wir das Hub-and-spoke-System von Cargoline mit unseren eigenen Verkehren nach Osteuropa, oder mit unserem zweiten Hub in Sofia. Von dort aus verteilen wir das Stückgut dann oder konsolidieren nochmals für die lange Strecke, etwa nach Usbekistan oder Iran. Wir werden uns auch weiter auf Exportverkehre aus Deutschland heraus fokussieren und suchen  wie mit der Cargoline dafür Multiplikatoren. Im Bereich Air & Sea wollen wir im deutschen Markt ebenfalls wieder aktiver werden und damit wiederum andere Länder befruchten, etwa den Iran. 

Wie wollen Sie den Sendungszuwachs generieren – durch einen Ausbau der Präsenz oder vertriebliche Schritte?

Wir wollen eher durch vertriebliche Maßnahmen wachsen. Das war auch der Hintergrund, warum wir die beiden operativen Gesellschaften –M&M air sea cargo GmbH sowie M&M Militzer & Münch GmbH mit Schwerpunkt Landverkehr – unter eine gemeinsame Geschäftsführung gestellt haben. In der Praxis sieht das dann so aus, dass etwa in Düsseldorf die  Air & Sea-Niederlassung künftig auch Landverkehre anbietet und mit den Partnern von Cargoline die operative Abwicklung darstellt. Im Grunde legen wir einfach die Anzahl der Standorte übereinander, die dann aber alle Produkte verkaufen.

Heißt das auch Investitionen im Vertrieb?

Derzeit suchen wir gezielt Vertriebsmitarbeiter. Investieren wollen wir aber auch in Projektlogistiker – das fordern die Märkte.  Wir befördern derzeit beispielsweise eine Glasfabrik nach Kasachstan. Das ist ein hochinteressanter Markt. Und wenn irgendwann die Sanktionen gegenüber Russland aufgehoben werden, und auch die ganzen Länder im Einflussbereich Russlands wieder wachsen, dann zahlt sich das aus.

Sehen Sie da erste Anzeichen?

Der Rückzug aus Syrien ist vielleicht ein erstes Zeichen, dass sich da etwas zwischen den USA und Russland bereinigt. Ich hoffe, dass dieses Jahr die Sanktionen zumindest teilweise gelockert werden.

Projektlogistik ist an sich schon ein schwieriges Geschäft. Gibt es bei solchen Exportmärkten dann auch so etwas wie einen Rundlauf?

Bei der Glasfabrik etwa transportieren wir Schmelzöfen, die so groß sind, dass sie auf einer Barge schwimmen und per Spezialtransporter bis zur Baustelle befördert werden. Der Spezialtransporter muss dann leer zurück. Wir versuchen natürlich so viel wie möglich in Standardgefäße zu packen – Bahnwaggons, Container, Lkw – und die zurück wieder zu befrachten. Für Osteuropa und in den GUS-Staaten, also in Zentralasien, kaufen wir die Container oft und versuchen sie dann in einen Kreislauf einzubringen. Aber Projektlogistik ist per se ein Einbahngeschäft.

Welches sind aus Ihrer Sicht die Märkte, die sich besonders gut entwickeln?

Ganz klar Nordafrika, mit allen Abstrichen und politischen Vorbehalten. Langfristiges Thema für mich ist aber die neue Seidenstraße. Welche Investitionen China in den Ländern westlich von China vornimmt! China schafft sich da  – wie schon einmal in Afrika - den Markt der Zukunft. In der Folge werden viele Transportströme in den Markt hinein und heraus gehen. Da muss man mit dabei sein, insbesondere wir mit unseren Erfahrungen im Osten und den GUS-Staaten. Die europäischen Logistiker blicken noch von Europa aus in die Welt, langfristig muss man aber den Blick von China in Richtung Westen suchen. In der Folge werden auch die Zugangebote etwa auf der Transsibirischen Eisenbahn und der Seidenstraße bis beispielsweise nach Duisburg wachsen. Aber das dauert noch.

Ist Wachstum auch durch Zukäufe vorgesehen?

Ich schließe es nicht aus, wobei es eher die Militzer & Münch-Philosophie ist, mit den Menschen zu wachsen als durch Zukäufe. 

An welchen Zielen macht Militzer & Münch denn seine Wachstumsziele fest – Rendite, Umsätze?

Wir haben natürlich einen Budgetprozess, auch zusammen mit unseren Eigentümern, die uns aber keine unrealistischen Vorgaben machen. Unser Ziel ist es, die Umsatzrendite in den Märkten deutlich zu verbessern.

Wie weit?

Das ist eine Frage der Langfristigkeit und auch abhängig davon, wie sich Russland entwickelt.

Entwicklung einzelner Märkte

Iran: "Unser Schwerpunkt im Iran-Geschäft wird zunächst auf dem klassischen Seefrachtgeschäft liegen – es gibt ja schon wieder wöchentliche Abfahrten. Auf dem Landweg führen zwei Korridore in den Iran, einmal über Sofia, zum anderen über die Türkei, in der wir mit einer eigenen Organisation in Istanbul vertreten sind. Die könnte auch von dem Sanktionsende profitieren."

Maghreb: "Die Erwartungen waren nach dem Arabischen Frühling groß, was sich durch die Unsicherheit im Markt abgeschwächt hat. Trotzdem laufen unsere Geschäfte hier erfreulich. Am 20. April haben wir im Freihafen im marokkanischen Tanger ein neues Terminal eröffnet. Außerdem sind wir dabei, auch in Algerien die Landesorganisation zu reaktivieren – wir wollen vorbereitet sein, wenn sich das Land wieder stabilisiert."

Russland: "Wir haben noch Geschäft, aber es ist deutlich weniger geworden. Kosten sind deshalb ein wichtiges Thema. Aber unser Management in Russland denkt sehr langfristig. Lieber tragen wir den Leerstand einer guten Lagerimmobilie eine Weile und sind dann bereit, wenn es wieder losgeht. Ähnlich machen wir es bei den Mitarbeitern."

China: "Für die Rennstrecke per Bahn nach China muss man ein Angebot haben. Wir arbeiten dabei mit unserer Schwester Interrail zusammen, und können das gesamte Portfolio anbieten. Aber der Markt ist unter Druck. Wie so häufig in der Logistik sind hier sehr viele Anbieter sehr schnell eingestiegen und bieten mehr an, als es Nachfrage gibt. Da muss man einfach Geduld haben, bis die nötigen Mengen zusammenkommen."

Zur Person

  • Dr. Lothar Thoma ist seit 1. Januar Chief Executive Officer (CEO) der Millitzer & Münch International Holding in St. Gallen und verantwortet das Gesamtgeschäft des Unternehmens
  • Die vergangenen sieben Jahren sanierte er als Geschäftsführer den Sicherheitslogistiker Securlog (später Prosegur Deutschland)  in Düsseldorf
  • Zuvor hatte er Führungspositionen bei Kühne + Nagel sowie Dachser inne. Seine  berufliche Laufbahn begann er 1996 bei Schenker, wo er unter anderem als Niederlassungsleiter in Stuttgart arbeitete
  • Thoma stammt aus einer klassischen Spediteursfamilie in Freiburg

Das Unternehmen

  • Die Millitzer & Münch Gruppe wurde 1880 gegründet und hat ihren Sitz in St. Gallen (Schweiz) 
  • Das Unternehmen ist Teil der Trans-Invest-Gruppe, zu der insgesamt 119 verschieden Firmen gehören, die unter mehreren Subholdings gebündelt sind, neben der Millitzer & Münch Holding die Interrail Holding (Bahnlogistik), Iran Harakat Investment sowie All Trans Holding (Transport und Logistik) 
  • Transinvest ist im Privatbesitz 
Ilona Jüngst

Autor

Foto

Carsten Nallinger

Datum

19. April 2016
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