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Miete: Orten und Fraikin elektrisiert

Bei der diesjährigen IAA präsentiert der Fahrzeugbauer Orten Electric-Trucks neben neuen Modellen auch Fraikin als Partner.

Die verkehrliche Zukunft ist, zumindest aktuell, elektrisch eingestellt. Schon zur Messe Automechanika hat die Firma Orten, Umrüster von Diesel-Lkw auf Elektro, ein relativ neues E-Baby präsentiert. Getauft auf den Namen Orten E 75 AT, schafft der wendige 7,5-Tonner für den Stadtverkehr mit Leichtbaukoffer und Ladebordwand eine Distanz von 100 Kilometern und darf mit seinen gemütlichen 80 km/h Höchstgeschwindigkeit auch auf die Stadtautobahn.

Transporter wichtige Zielgruppe

Im Angebot hat der Hersteller aus Bernkastel-Kues zurzeit drei E-Transporter-Varianten (30 V, 35  M, 50 MC) und zwei Versionen eines 7,5-Tonners (E 75 AT, E  75  TL). Ergänzt wird die Palette an umgerüsteten Gebrauchten zur IAA durch einen VW T5 Caravelle 8-Sitzer mit Frontantrieb. „Damit decken wir jetzt auch diesen Bereich ab“, sagt Robert  Orten, Geschäftsführer von Orten Fahrzeugbau. "Um die Transporter wollen wir uns verstärkt kümmern. Hier liegt das große Potenzial", fügt er an. Der Wachstumsmarkt E-Commerce hat die Zahl der leichten Nutzfahrzeuge auf fast zehn Millionen in Europa anwachsen lassen.

Bis Ende 2017 soll die Orten-Produktpalette weiter wachsen – die bisherigen Gewichtklassen von 4,25 bis 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht auf 12 bis 15 Tonnen ausgeweitet werden. "Um schneller in den Markt zu kommen", arbeitet Orten neuerdings mit dem französischen Nutzfahrzeugvermieter Fraikin zusammen.

Fraikin will Elektro-Nische besetzen

Für den auf Langzeitmieten von 36 Monate bis zehn Jahre spezialisierten Anbieter, der im deutschen Markt gerade erst Fuß fasst, brächte die Vermietung von E-Lkw und Transportern die Chance auf ein Alleinstellungsmerkmal. Bisher scheuen sogar die Großen der Branche die hohen Anschaffungskosten und es gibt nur Ein­zel­anfer­ti­gun­gen. Das schreckt Fraikin nicht: "Für uns sind Absatzzahlen nicht relevant", sagt Marcus Burmeister, Fraikin-Vertriebsleiter für Deutschland, mit Blick auf die herstellergebundene Konkurrenz. "Wir sind bereit, in diese Nische zu gehen, und wollen lange Laufzeiten mit attraktiven Preisen und Umweltbewusstsein verknüpfen", erklärt Burmeister.

Der nach eigenen Angaben größte Vermieter Europas dehnte seinen Wirkungskreis in jüngster Zeit auf Russland, Italien, Holland, Saudi-Arabien und eben Deutschland aus. Die frisch besiegelte Partnerschaft mit dem Umrüster Orten soll zur IAA 2016 starten. In der Innenstadtlogistik ohne Feinstaubbelastung sehen beide Partner eine große Zukunftschance, wird doch in einigen Städten schon laut über Dieselfahrverbote nachgedacht (siehe trans aktuell 17, Seite 3).

Neues Feld mit Potenzial

Orten elektrifiziert neue und gebrauchte Diesel-Nutzfahrzeuge bereits seit 2012. Damals war die E-Mobilität für den auf Getränkeaufbauten spezialisierten Fahrzeugbauer fast "ein Hobby" - mit 200.000 Euro Startkapital. Einfacher und billiger für Orten wäre es, statt gebrauchter Lkw direkt ein Basisfahrzeuge vom Hersteller zu kaufen. "Es ginge deutlich schneller, wenn die Hersteller kooperieren würden", sagt Orten, etwa indem sie die CAN-Bus-Schnittstellen zur Verfügung stellen oder eben ein Basisfahrzeug liefern.

Das Herzstück für die Orten E-Lkw, wie Motor- und Batterie-Komponenten, liefert die Firma Elektro Fahrzeuge Stuttgart (EFS). Seit März hat EFS einen chinesischen Mehrheitseigner aus dem Automobilsektor und will mit diesem stärker wachsen. Für den KEP-Dienstleister UPS wurde zeitgleich der 100ste E-Sprinter für den Einsatz in Paris zugestellt. "Ideal wäre, wenn die Politik in den Städten Signale setzen würde, zum Beispiel in Stuttgart", wünschte sich Orten schon 2014 auf der IAA – da war Fritz Kuhn als grüner Oberbürgermeister zwei Jahre im Amt. "Wir als kleiner Mittelständler gehen voran – und rüsten um."

In Stuttgart drohen Fahrverbote für 2018

Seitdem ist auch in Stuttgart der Druck gestiegen, E-Lasten­räder und einige leise Transporter kurven durch die Straßen im Talkessel. Und was macht Kuhn? Er schaut sich um und bereitet sich vor, mit Modellversuchen, neuen Hybridbussen, Gesprächen, E-Lastenrädern. "Wenn die Messwerte am Neckartor nächstes Jahr noch überschritten werden, müssen ab 1. Januar 2018 zwingend Verkehrsbeschränkungen folgen", sagt ein Rathaussprecher auf Anfrage.

Orten ist ein Unternehmen mit Visionen, die der Umwelt zugutekommen. 2016 präsentierte das Unternehmen seinen E-Lkw Elci als Auslieferfahrzeuge für den Kunden Deutsche See unter der Rubrik "elektrisierende F(r)ische". Neuester Coup ist ein gemeinsamer Test mit dem Citylogistiker CFL Multimodal in Luxemburg. Die Zeit ist reif für bat­te­rie­betrie­be­ne Lkw, die nachhaltige Mobilität bieten, um die immer schärferen Gesetze für den innerstädtischen Verkehr hinsichtlich Abgas- und Lärmemission zu erfüllen, zeigen sich beide Unternehmen überzeugt.

Luxemburg elektrisiert

CFL baut derzeit ein Multifunktionslager auf dem Logistikpark des Eurohub Sud in Dude­lange. Vor dem Start sollte die CO2-freie Belieferung vom Hub in die Innenstadt in der Praxis getestet werden. Der vollelektrische Orten E 75 AT hat nach Unternehmensangaben beladen eine Reichweite von rund 100 Kilometern. "So wird es möglich sein, von dort aus die Kunden in Luxemburgs Innenstadt emissionsfrei und ohne Lärmbelästigung zu beliefern", sagt Orten. Eine Vision, die in Stuttgart vielleicht auch schon bald Realität sein wird.

Das Unternehmen
  • Orten Fahrzeugbau aus Bernkastel-Kues, 1925 gegründet, auf Getränkelogistik spezialisiert
  • Das Unternehmen machte 2015 rund 25 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 120 Mitarbeiter

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CFL

Datum

26. September 2016
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