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Mid American Truck Show: Lkw-Industrie in USA boomt

Es geht wieder richtig aufwärts mit der Lkw-Industrie in den USA. Dennoch halten sich die Hersteller fürs Erste mit Großtaten zurück und kümmern sich verstärkt um Nischen, wie eine Visite der Truck-Messe in Louisville zeigt.

Zwei schlechte Jahre haben Europa schwer gebeutelt. Die Lkw-Industrie der USA aber hat ein halbes Jahrzehnt miserabler Geschäfte hinter sich. Vom Rekordhoch mit 350.000 Einheiten Mitte des vergangenen Jahrzehnts stürzte der Markt für schwere Lkw auf 142.000 Einheiten ab. Caterpillar gab die Lkw-Motoren auf, Daimler drehte der Marke Sterling den Hahn zu.
 
Industrie rechnet mit 22.000 Einheiten
 
Jetzt aber zieht der Markt mit Macht an. Mit der stolzen Zahl von 220.000 schweren Einheiten für Nordamerika rechnet die Industrie einhellig. Dennoch agieren die Produktstrategen in der schweren Klasse vorsichtig und tasten sich vor allem in Nischen voran. Kenworth zum Beispiel hatte auf der Mid American Truck Show in Louisville (Kentucky) bei den schweren Fernverkehrsbrummern außer neuen Sitzen nahezu keinerlei Neuheit zu bieten, fuhr aber im Bereich Medium Duty einen ganz neuen T370 mit Achsfomel 6x6 auf. Als Novizen für den Verteilerverkehr hatte Kenworth einen neuen T660 mitgebracht, der durch kürzeren Radstand mit höherer Wendigkeit und generell ein wenig abgespeckt zudem durch höhere Nutzlast glänzen soll. Und damit nicht genug: Auch dieselelektrische Antriebe sowie ein Truck mit Flüssiggasmotor bevölkerten den Stand von Kenworth.
 
Auch Peterbilt bietet mehr LPG-Motoren an
 
Auch Schwesterfirma Peterbilt - beide Unternehmen gehören zum Paccar-Konzern - baut das Angebot an LPG-Motoren aus und bietet bis zum schweren 367er (vor allem Bau) und auch zum 386er (schwerer Fernverkehr) jeweils eine Westport-Gasmaschine an (Westport gehört zu Cummins). Hinter den Leistungen der entsprechenden Diesel braucht sie sich nicht zu verstecken: Bis zu gut 353 kW (480 PS) und knapp 2.400 Newtonmeter (Nm) sind bei dem 15-Liter-Aggregat geboten. Daimler Trucks of North America mit den Marken Freightliner und Western Star hat derweil den Markt der sogenannten Vocational Trucks als letzte Lücke ausgemacht, die es noch zu schließen gilt. Gemeint sind damit Kommunal- oder Sonderfahrzeuge: Aufbaufreundlich haben sie zu sein, ein breites Spektrum an Spezifikationsmöglichkeiten sollten sie aufweisen - und können ansonsten gar nicht nüchtern genug daherkommen. Severe Duty (SD) nennt Freightliner diese neuen Arbeitstiere mit knapp gehaltenem Radstand, die nun unter der Typenbezeichnung 108SD sowie 114SD mit Gesamtgewichten bis rund 35 Tonnen an den Start gehen.
 
Spritsparen hat Konjunktur
 
Bei den schweren Fernverkehrslokomotiven hingegen üben sich die US-Hersteller jetzt emsig im Downsizing des Verbrauchs. Spritpreise von umgerechnet 73 Eurocent pro Liter empfindet der Amerikaner als exorbitant - vor zwei Jahren noch kostete der Sprit die Hälfte. So kommt es, dass jenseits des großen Teichs Spritsparen jetzt plötzlich eine ungeheure Konjunktur erfährt. Super Single für die Antriebsachse wie der Michelin X-One gehen weg wie geschnitten Brot. Detroit Diesel scheint mit den neuen Daimler-Weltmotoren in dieser Hinsicht einen großen Coup gelandet zu haben, auf die es optional 800.000 Kilometer Garantie gibt. Die zu Daimler gehörige Motorenschmiede hatte von Anfang an auf SCR-Technik gesetzt, mit der sich der Rest der Industrie erst später anfreunden konnte - und die einer selbst heute noch verschmäht: Navi-star müht sich nach Kräften, das NOx-Limit von 0,15 g/kWh ausschließlich mit Abgasrückführung zu erreichen. Ist derzeit aber erst bei 0,39 g/kWh angelangt. Freightliner und Western Star als Hauptkunden von Detroit Diesel erfreuen sich nicht nur steigender Verkaufszahlen, sondern auch kräftig steigender US-Marktanteile. „Unsere EPA-10-Technik dominiert den Markt im Fernverkehr“, sagt Daimler-Nordamerikachef Martin Daum stolz auf der Mid American Truck Show in Kentucky und fügt an: „Die Akzeptanz der Kunden ist enorm.“
 
Feilen an der Aerodynamik
 
Kaum ein US-Hersteller, der derzeit nicht an der Aerodynamik feilt: Mack zum Beispiel bringt ebenfalls neue, besonders windschlüpfrig geschnittene Dächer für die hauseigenen Sleeper sowie aerodynamisch optimierte Seitenverkleidungen. Volvo verpasst seinem US-Flaggschiff VN nicht nur neu gestylte Spiegelelemente sowie Seitenverkleidungen, sondern krönt die aerodynamische Optimierung darüber hinaus mit einem Zusatzspoiler auf der Haube, der einen Hauch von Formel 1 verströmt. Mack und Volvo staffieren zugleich das Innere ihrer Fernverkehrsschiffe nun etwas nobler aus. Mack spendiert dem Flaggschiff Pinnacle fernsehsesselverdächtige Ledersitze sowie üppige, abgesteppte Kunstlederelemente in der guten Stube. Western Star wiederum hat das Baukastensystem fürs Innere optimiert, bietet die Option auf mehr Schrankvarianten sowie eine umfangreichere Farbpalette.
 
Die Produktion bei Western Star zieht kräftig an
 
Äußerlich aber bleibt der Fernverkehrs-Truck von Western Star in voller Absicht ein kantiger Geselle, wie ihn die Owner-Driver Nordamerikas seit jeher lieben. Ihn positioniert Daimler derzeit bewusst als Gegengewicht zu den eher gefällig daherkommenden Freightliner-Reihen Cascadia sowie Coronado und hat auch damit bemerkenswerten Erfolg: „Die Produktion bei Western Star zieht gerade um mehr als 50 Prozent an“, beschrieb Daimler-Nordamerikachef Martin Daum auf der Truck-Show in Kentucky das geradezu kometenhafte Durchstarten der kleinen, aber feinen Marke mit dem Stern zwar nicht im Grill, aber doch im Namen.

Foto

Kern, Freightliner, Kenworth, Peterbilt, Volvo Trucks, Western Star

Datum

22. Juli 2011
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