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Meyer Logistics: Der Rasen fürs Pokalfinale

Die Firma Peiffer aus Willich pflanzt Rollrasen für Stadien. Meyer Logistics liefert die tonnenschweren Rollen an – so auch fürs kommende DFB-Pokalfinale am 12. Mai in Berlin.

Das wird ein Finale: Am Samstagabend, 12. Mai, treffen im Berliner Olympiastadion Borussia Dortmund, der alte und neue Deutsche Meister der Fußballbundesliga, und der Rekordmeister FC Bayern München, der Tabellenzweite, aufeinander. Um 20 Uhr geht’s los. Doch wer auch immer diese Spiele am Ende gewinnt beziehungsweise verliert – eine beliebte Ausrede der Spieler zieht nicht: der schlechte Rasen.

Berliner Winter machte den alten Rasen kaputt

Daran kann es diesmal nicht liegen. Der Austragungsort bekommt ein frisches Grün. "Wir hatten im Winter extrem niedrige Temperaturen und dazu eine englische Woche, die dem Rasen im Olympiastation sehr zugesetzt hat", erklärt Platzwart Alan Caerncross, seit 30 Jahren in Diensten von Hertha BSC Berlin und seit nunmehr 15 Jahren für den Rasen des Traditionsvereins zuständig.  "Zusammen mit dem DFB haben wir entschieden, den Rasen zu erneuern. Denn die deutschen Fußballfans wollen einen schönen frischen Rasen für ihr Pokalfinale."

Vier namhafte Hersteller von Spezialrasen gibt es in Deutschland. Zum ersten Mal wählte Caerncross darunter den Züchter Peiffer aus Willich aus. Das Unternehmen vom Niederrhein hat ihm zufolge bei Platzwarten und Fußballmanagern einen guten Ruf. In den Großstadien in Dortmund, München, Hamburg und Köln –  um nur einige zu nennen – liegen die rund 100.000 Euro teure Spielflächen aus Willich. Nicht zu vergessen das Stadion von Borussia Mönchengladbach, das sozusagen ums Eck von Peiffer liegt. "Es ist natürlich schade, dass wir nicht ins Finale gekommen sind", bedauert Arnd Peiffer. "Sonst hätten wir zusammen mit Peter Meyer den Rasen und den Transport sicher in irgendeiner Form gesponsert."

Rollrasen ist eine verderbliche Ware

Seit mehr als 20 Jahren sind Züchter und Logistiker ein Team, wie es in der preisgetriebenen Transportbranche sonst kaum mehr vorstellbar ist. "Unser Rollrasen ist eine verderbliche Ware", erläutert Arnd Peiffer, der mit seinem Team vor Ort die Verlegung übernimmt. Nach spätestens 24 Stunden muss das Grün ausgelegt sein. Da darf unterwegs nichts passieren.

"Manchmal entscheidet die Fifa kurzfristig, dass ein Platz nicht bespielbar ist. Dann können wir einen kompletten Stadionrasen innerhalb von 24 Stunden austauschen", erzählt Peiffer. Ohne eine zuverlässige Logistik sei das allerdings nicht möglich. "Das Schlimmste was passieren kann, ist dass ein Lkw liegen bleibt und ein Streifen der Spielfläche fehlt." Das habe es aber in all den Jahren der Zusammenarbeit mit Meyer noch nie gegeben. Würde es allerdings passieren, dann wäre viel Arbeit kaputt: Rund 16 Monate wächst die Spezialzüchtung auf dem Feld heran. Dreimal die Woche wird der Rasen geschnitten, regelmäßig gewässert und gedüngt.

Doch zurück in die Hauptstadt. Lange stand nämlich nicht fest, ob der Rasen in Berlin tatsächlich getauscht wird. Insgesamt drei Wochen musste Spediteur Meyer warten, bis er grünes Licht bekam.

19 Sattelzüge für den Rasentransport

Das war erst kurz nach dem vergangenen Spiel der Hertha. Da war klar, dass der rasen so nicht bespielbar ist. Die für den Transport benötigten 19 Sattelzüge musste der Logistiker aber vorher einplanen. Nicht wissend, ob sie tatsächlich zum Einsatz kommen.
"Das können wir natürlich nicht alles mit unserem eigenen Fuhrpark abwickeln", sagt Peter Meyer. Daher arbeite sein Unternehmen mit einigen zuverlässigen Subunternehmern zusammen. Schließlich laufe auch das Tagesgeschäft weiter. "Und gerade Berlin ist nicht gerade für seine üppigen Rückladungen bekannt", sagt Meyer.

Eine Woche vor dem entscheidenden Termin kam die definitive Zusage:  Austausch des Rasens. Das heißt: Abtragen des alten Rasens durch ein lokales Unternehmen und danach Planieren des Bodens. Bereits am Sonntag bricht Arnd Peiffer mit seiner elfköpfigen Mannschaft auf. Mit drei Hängerzügen macht sich das Team auf den Weg, die nötige Gerätschaft mit an Bord: einen lasergesteuerten Planierer, drei Traktoren für den Transport der Rollen im Stadion, zwei Verlegemaschinen sowie ein Kleintransporter.
Dabei schweift der Blick der Mitarbeiter sorgenvoll zum Himmel. Denn Sportrasen braucht zwar ständig Wasser zum Wachsen. Aber bei Dauerregen ist eine sauberes Verlegen des Grüns unmöglich.

Im Sommer werden Kühlzüge eingesetzt

Andererseits war es wenigstens so kühl, dass die Rollen über Nacht unter Planen bleiben konnten. "Im Frühjahr bleibt die Kühle der Nacht im verpackten Rasen eine Zeit lang erhalten. Wenn wir im Sommer ein Fußballstadion neu verlegen, kann es sein, dass wir je nach Entfernung sogar Kühlzüge einsetzen müssen", erklärt Peiffer.

Auch das Transportvolumen ist beachtlich. Schließlich misst ein Fußballfeld 110 mal 72 Meter. Die reine Spielfläche hat ein Ausmaß von 105 mal 68 Meter. Das sind laut Peiffer, etwas Verschnitt und etwas Rasen zur Sicherheit mitgerechnet, rund 440 Rollen mit einer Länge von je 16 und einer Breite von 1,20 Meter. Fürs Einhalten dieser Maße sowie einer Dicke von drei Zentimetern ist eine spezielle Maschine zuständig. Die schält den Rasen buchstäblich aus dem Boden und verpackt ihn in eine Folie. Rund eine Tonne kommen da auf Europalette. Macht insgesamt 19 Sattelzüge.

Im 40-Minuten-Takt werden die Lkw beladen

Montagmorgens, 23. April, um 10 Uhr ist der erste Lastzug direkt ans Feld bestellt. In einem Takt von 40 Minuten beladen die Mitarbeiter die ersten zehn Lkw. Das Anliefern in Berlin erfolgt am nächsten Tag ab acht Uhr im selben Takt. So fährt ein Zug nach dem anderen in den Tunnel der Versorgungsgebäudes des Olympiastadions.

Arnd Peiffer  entlädt zusammen mit seinen Mitarbeitern die Rollen. Die Logistik  dafür ist perfekt durchdacht: Eine Bahn, längs verlegt, entspricht sieben Rollen. Die Traktoren stellen diese in bestimmten Abständen auf. Je zwei Verleger rollen sie ab. Ein Mitarbeiter schneidet sie auf Kante, ein weiterer schiebt den Rasen an die zuvor verlegte Bahn. Mit jedem Lkw, der ins Stadion kommt, wächst das neue Spielfeld um drei Bahnen.

Hertha gegen Hoffenheim ist die Feuertaufe

Im Laufe des Mittwochs trocknet die Sonne den vom nächtlichen Regen durchnässten Boden. Um 17 Uhr ist der neue Rasen schließlich komplett verlegt. "Im Prinzip ist er jetzt bespielbar", erklärt Peiffer. Die Arbeit der Rasenexperten ist damit getan und das Team fährt am nächsten Tag zurück nach Willich. "Der letzte Lkw nimmt die leeren Europaletten, drei Gitterboxen mit den Rohren und die Säcke mit dem Plastikabfall zurück."

Bis zum nächsten Spiel hat Platzwart Caerncross aber noch einiges zu tun – Linien ziehen und den Rasen so bürsten, dass die großen breiten Streifen zu erkennen sind, die auch den beiden Linienrichtern beim Abseits eine optische Hilfestellung geben. Noch eine Feuertaufe erlebt die neue Grünfläche vor dem Finale: das letzte Heimspiel von Hertha BSC gegen Hoffenheim. "Vielleicht bringt uns der neue Rasen das nötige Glück. Sonst nehmen wir ihn dann leider in die zweite Liga mit."

Der Logistiker

Mit 180 Mitarbeitern, davon 120 Fahrern, hat sich Meyer Logistics aus Willich-Schiefbahn in der dritten Generation auf nationale Teilladungs-, Getränke- und Lagerlogistik mit 30.000 Quadratmeter Hallenfläche spezialisiert. Das Unternehmen verfügt derzeit über 100 eigene ziehende Einheiten der Marken Mercedes-Benz, MAN, DAF und Scania. Durchladbare Gliederzüge, Sattelzüge und Getränkezüge, zum Teil mit Safe Server Planen, gewährleisten eine hohe Flexibilität.

Der Rasenzüchter

Der Fertigrasen-Zuchtbetrieb Gebrüder Peiffer aus Willich produziert schon seit drei Generationen Rollrasen sowie Fertigrasen und gehört europaweit zu den führenden Anbietern in diesem Bereich. 15 Mitarbeiter kümmern sich um die Saat, Aufzucht, Ernte und den Verkauf des Fertigrasens. Auf besonderen Flächen rund um Willich und im deutsch-niederländischen Grenzgebiet produziert Peiffer jährlich rund 2,5 Millionen Quadratmeter des Grüns – überwiegend für den Privatkundenbereich. Aber auch viele Vereine der 1. und 2. Fußballbundesliga sind Kunde bei Peiffer.

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

2. Mai 2012
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