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Mewa: Vorsprung durch Telematik

Fahrer, die sich viel Zeit für die Kunden nehmen, und Touren, die auf Effizienz getrimmt sind – der Textildienstleister Mewa will beides unter einen Hut bringen. Basis ist eine Telematiklösung, mit der er alle 410 Lkw ausstatten lässt.

Nur 45 Sekunden reichen. Läuft alles wie am Schnürchen, könnte der Fahrer in dieser Zeit neue Ware bringen und alte abholen. Diesen Wert haben Mitarbeiter des Textildienstleisters Mewa mit Hauptsitz in Wiesbaden ermittelt.

Manch ein Spediteur würde sich freuen, wirtschaftlicher geht es kaum. Die Verantwortlichen bei Mewa, die 410 eigene Lkw im Werkverkehr einsetzen, sehen solche engen Zeitfenster eher kritisch. "Eine Kundenbedienung in 45 Sekunden ist zwar möglich. Das wollen wir aber nicht", sagt Stefan Huth, Leiter der Distributionslogistik. Huth ist überzeugt, dass Mewa dann an der falschen Stelle sparen würde. Der Kunde soll nicht einfach abgefertigt werden. Im Gegenteil: Die Fahrer sollen lieber etwas mehr Zeit mit ihm verbringen. Schon heute fungieren sie teilweise als Außendienstmitarbeiter: Die Fahrer beraten den Kunden über Produkte und Dienstleistungen und nehmen Bestellungen sowie gegebenenfalls Reklamationen entgegen.

Mit dem Transport ist es ohnehin nicht getan. "Unsere Fahrer nehmen eine Vielzahl an Serviceleistungen wahr", erklärt Logistikfachmann Huth. Dazu zählen das Einräumen der Waren in Schränke, das Auslegen von Fußmatten oder der Austausch von Handtuchrollen. Nicht zuletzt deshalb ist ein Stopp mit 45 Sekunden eher die Ausnahme und somit nur ein theoretischer Wert.

Doch wie vertragen sich längere Aufenthalte beim Kunden mit der erforderlichen Effizienz in einem großen Fuhrpark und den Restriktionen durch die Sozialvorschriften? Nach Mewa-Auffassung lässt sich beides unter einen Hut bringen. Zum einen fallen die Touren eher in die Kategorie Regionalverkehr. Das Lenkzeitkontingent wird also selten ausgeschöpft. Zum anderen setzt Mewa auf eine neue Telematiklösung, die den Fahrern die nötige Luft beim Kunden gibt.

"Im September beginnen die Pilotinstallationen", kündigt Huth an. In den nächsten anderthalb bis zwei Jahren sollen alle 410 Lkw mit der auf Easyfleet basierenden Lösung von Funkwerk Eurotelematik aus Ulm ausgerüstet werden. Mit dieser Lösung schlägt Mewa mehrere Fliegen mit einer Klappe. Dank einer integrierten Tourenliste und Navigation finden die Fahrer nicht nur schneller ihr Ziel. Sie können auch weitere Mehrwertleistungen erbringen, da alle relevanten Informationen zum Empfänger auf das Endgerät übertragen werden.

Davon profitiert nicht zuletzt der Kunde.  Dank der IT-Lösung kann Mewa auch schneller auf dessen Wünsche oder Anregungen reagieren. "Unsere Servicefahrer können diese Informationen umgehend erfassen und an die Betreuung im Innendienst übergeben", sagt Huth. Der Kunde muss also nicht erst warten, bis der Fahrer an seinen Standort zurückgekehrt ist und dort den Sachverhalt erläutert hat.

Der mobile Helfer in der Fahrerkabine ist ein Alleskönner. Der Fahrer kann den Kunden darüber auch umfassend über das Mewa-Sortiment informieren und bei Bedarf eine Bestellung anstoßen. Möglich macht es der auf das Endgerät aufgespielte Online-Shop. Doch selbst wenn Mewa nur die Telematik-Basisfunktionen nutzen würde, wäre der Dienstleister vielen anderen Werkverkehren voraus. Denn erst eine sehr überschaubare Anzahl der Unternehmen aus Industrie und Handel hat seine Flotten mit vergleichbaren IT-Lösungen ausgestattet.

Die Schattenseite der Telematik: Damit wachsen die ohnehin schon hohen Anforderungen an die Fahrer weiter. Rund 500 stehen bei Mewa auf der Lohnliste. "Wir haben schon jetzt ein Fahrerproblem", sagt Distributionslogistikchef Huth. "In manchen Regionen ist der Markt wie leer gefegt." Sei es im hessischen Rodgau noch recht einfach, qualifizierte Fahrer zu finden, sei dies im Raum Ingolstadt zum Beispiel eine echte Herausforderung. Und das, obwohl Mewa vieles bieten kann, was im gewerblichen Fernverkehr nur schwer zu bekommen ist. Das seien planbare Arbeitszeiten, ein sicheres Wochenende und eine faire Entlohnung, listet Huth auf.

Um einem Engpass an Fahrern vorzubeugen, bildet Mewa seit Jahren Servicefahrer und Berufskraftfahrer aus. Die zuerst genannten durchlaufen eine nur zweijährige Ausbildung, die sich weniger stark um Fahrzeug und Technik als vielmehr um den richtigen Umgang mit den Kunden dreht.

Der richtige Umgang mit den Kunden - den Mewa-Verantwortlichen liegt dieser Punkt besonders am Herzen. Das ist auch ein Grund, warum sie der eigenen Flotte und den eigenen Fahrern eine so hohe Bedeutung beimessen. Wäre eine Spedition im Einsatz, gäbe es keinen direkten Draht mehr zum Kunden. Davon abgesehen, seien die Fahrzeuge auch geeignete Werbeträger, erläutert Logistikfachmann Stefan Huth. "Durch den auffallenden Mewa-Schriftzug auf dem weißen Aufbau haben wir eine sehr hohe Präsenz", sagt er.

Künftig dürften die Lkw auf der Straße oder an der Rampe gar noch stärker ins Auge fallen. Eine zurückgeschlagene Plane, die einen Blick auf die geladenen Produkte freigibt, ziert neuerdings die Aufbauten und Auflieger. Schritt für Schritt wird das neue Erscheinungsbild auf alle Lkw übertragen. "Die Absicht dahinter ist es, unsere Leistungen über das Fahrzeug darzustellen", berichtet Huth.

Dass die Fahrzeuge allein aufgrund des Geschäftsmodells nie leer unterwegs sind, ist ein weiteres Argument für den Werkverkehr. Immer, wenn die Mewa-Fahrer Ware zustellen, holen sie auch welche ab. Saubere Putztücher oder Berufskleidung kommen an, schmutzige Tücher oder Wäsche fahren ab - ein ewiger Kreislauf.

Eine 100-prozentige Auslastung strebt der Textildienstleister trotz garantierter Rückladung aber nicht an. Ein wenig Luft soll noch bleiben, etwa für Neukunden. Denn neue Aufträge sollen nach Möglichkeit nicht neue Touren erzeugen. "Die Kunden stellen sich schließlich auf regelmäßige Abläufe ein", erklärt Huth. Nichts soll sie durcheinanderbringen oder unter Druck setzen. Die Fahrer sollen sich Zeit nehmen, wir erinnern uns. Und deshalb ist zum Beispiel auch eine Belieferung, die nur 45 Sekunden dauert, keine Option.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

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Mewa

Datum

28. Juni 2011
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