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Messerückblick auf die Bauma: Schwer im Geschäft

Höher, nutzlaststärker, flexibler – die Fahrzeugbauer geben auf der Bauma gewohnt ihr Stelldichein, mit variablen Lösungen für schwere und schwerste Aufgaben.

Alle drei Jahre geben auf der Bauma in München Baufahrzeug-, Kran-, Lkw- und Trailer-Produzenten ein Technikfest der Superlative. Bei den Herstellern lag dabei vielerorts der Entwicklungsschwerpunkt auf flexiblen und effizienten Transportlösungen. Dass Innovationen dabei nicht nur an den Ständen von Baumaschinengiganten wie Liebherr, Hitachi oder Komatsu zu finden sind, beweist der Memminger Schwerlastspezialist Goldhofer. Allein schon wegen ihrer schieren Größe ist die Seitenträgerbrücke aus der Faktor-5-Baureihe der Hingucker am Goldhofer-Stand. Namen­gebend für diese Baureihe ist das 1:5-Verhältnis von Eigengewicht zu Nutzlast, das je nach Einsatz bei einem Eigenwicht von 70 bis 130 Tonnen in Relation steht zu Nutzlasten von 350 bis
650 Tonnen. Angetrieben wird das Schwerlastungetüm von selbstfahrenden Goldhofer PST/SL-E-Modulen, die sich je nach Transportlast hintereinander koppeln lassen und jeweils eine Zugkraft von 160 kN auf die Straße bringen.

Ähnlich modular aufgebaut ist die MPA-K-Reihe. Diese funktioniert wie ein Baukasten und besteht aus verschiedenen Fahrwerken, diversen Brückenvarianten (Tiefbett, Flachbett, Kesselbett), Semifahrwerken mit Auszugsröhre und Schwanenhälsen. Dazu gibt es vordere Fahrwerke mit ein bis drei Achsen sowie hintere Semifahrwerke von vier bis sieben Achsen. Die zusätzlichen Fahrwerke lassen sich ohne Umsteckarbeiten an der Lenkstange über einen Schnellverschluss zwischen Ladefläche und Schwanenhals einsetzen. Für einen MPA-Fünfachser ergibt das beispielsweise einen Nutzlastzuwachs von 60 auf rund 90 Tonnen.

Nach dem Baukastenprinzip

Ebenfalls modular präsentierte sich Scheuerle. Als Teil der TII Group teilte sich das Unternehmen auf der Bauma einen Stand mit den Gruppen-Partnern Kamag Transporttechnik und Nicolas Industrie. Besonders auffällig am eng bemessenen Stand: das Transportmodul Intercombi mit wahlweise vier- bis sechsachsigen Fahrwerken und Achslasten von bis zu 45 Tonnen. Scheuerle hat den Intercombi gleich in mehreren Antriebsvarianten im Programm: gezogen, aber auch als hydrostatisch angetriebener Selbstfahrer mit Spurstangenlenkung oder hydraulisch gelenkt mit elektronischer Steuerung.

Blickfang am Stand war der mit einem Rotorblattadapter ausgestattete Intercombi. Laut Scheuerle lassen sich damit die Flügel von Windkraftanlagen in einem Winkel von bis zu 70 Grad anheben, wodurch Hindernisse wie Bäume oder Gebäude leichter umfahren werden können. Ein Windsensor warnt dabei vor zu hoher Windgeschwindigkeit.
Ebenfalls im Schulterschluss und mit gemeinsamem Stand präsentierten sich Kögel und Humbaur. Eine Strategie, die beide Unternehmen nach eigenen Angaben auch auf der IAA 2016 im September in Hannover verfolgen wollen. Neben der breiten Palette an Humbaur-Tiefladern gab es auch zwei neue Kippsattelauflieger von Kögel zu begutachten. Neben dem neuen, thermoisolierten dreiachsigen Stahlmuldenkipper erregte eine neue Zweiachsvariante des Kögel-Stahlmuldenkippers die Aufmerksamkeit der Besucher. Das Fahrzeug bietet mit einem optionalen Ladevolumen von 24 oder 27 Kubikmetern reichlich Platz für Abbruch und Kies.

Tieflader gehören nicht zum alten Eisen

Noch eine Schippe Abraum mehr legten die Kipperspezialisten von Meiller drauf. Neben der thermoverkleideten MHPS-Kippsattelserie und den neu aufgelegten Hinterkippern der AM-Baureihe stachen dabei die Heavy-Duty-Hinterkipper der Baureihen P450 und P560 ins Auge. Trotz des Ladevolumens von 28 und 30 Kubikmetern dürfen diese Dumper-Alternativen auf der Straße bewegt werden. Bei Standortverlegungen werden deshalb auch keine Sonderzulassungen und -fahrzeuge benötigt. Dass Tieflader deshalb künftig zum alten Eisen gehören, darf jedoch bezweifelt werden.

Einen Beleg dafür lieferte der Tiefladerspezialist Kässbohrer. Der auf der Bauma ausgestelllte K.SLA 3 wurde laut Hersteller speziell für den Transport von Radladern, Erntemaschinen und Dumpern entwickelt. Für die entsprechende Flexibilität des 32-Tonnen-Tiefladers sorgen zwei abdeckbare Radmulden, die für eine entsprechende Auslastung des Fahrzeugs sorgen sollen.

Speziell konzipierter Tiefladesattel von Meusburger

Doll hingegen präsentierte sich mit einer neuen 1+3 Panther-Variante mit abkoppelbarem Einachs-Dolly, der fest mit dem Schwanenhals verbunden ist. Laut Hersteller ermöglicht es in Verbindung mit dem hinteren Dreiachs-Fahrwerk, auch im teleskopierten Zustand ein optimierte Verteilung der 50 Tonnen Nutzlast für schwere Baumaschinen. Immer wieder eine Herausforderung sind die Halbschalen-Betonfundamente von Windkraftanlagen. Meusburger hat sich dieser angenommen und stellte auf der Bauma einen speziell für diesen Zweck konzipierten, dreiachsigen Tiefladesattel. Bis zu 43 Tonnen nimmt das rund 13 Meter lange teleskopierbare Tiefbett spielend auf. Für die entsprechende Manövrierbarkeit sorgt eine hydraulische Zusatzlenkung an der reibungs­gelenkten dritten Achse.

Ein Wiedersehen auf der Bauma feierte der  neu erstarkte Trailerbauer Langendorf. Dass die Waltroper sich im Bausegment sichtbar zu Hause fühlen, bewiesen aber auch der neue, speziell auf 6x2-Zugmaschinen zugeschnittene Satteltief­lader SATÜ 30-9,7 mit einer Nutzlast von mehr als 36.000 Kilogramm und dem neuen 4.900 Kilogramm leichten Kippauflieger SKA-HS, mit dem Langendorf seine Tradition im Aluminiumbau wieder aufleben lässt.

Hydraulische Anfahrhilfe

Der Nutzfahrzeug-Zulieferer SAF-Holland stellte auf der Bauma sein hydraulisch angetriebenes Trailerachskonzept SAF Intra Trak vor. Die Neun-Tonnen-Achse vom Typ SAF Intra CD ist speziell für Kipp- und Schubbodenauflieger konzipiert und soll Fahrzeuge im Baustellen- und Deponie-Bereich bei Steigungen und schwierigem Untergrund unterstützen. Der hydraulische Hilfsantrieb wird über die Zwei-Kreis-Hydraulik der Zugmaschinen versorgt. Der Zusatzantrieb aus dem Hause Poclain wird dabei vom Fahrerhaus aus per Knopfdruck aktiviert. Das Aggregat wirbelte auf dem Bauma-Freigelände ordentlich Staub auf. Verbaut in einen Kippmuldenauflieger des Trailerherstellers Reisch, schob die Achse bei der Demonstration einen unbeladenen Kipperzug samt im Leerlauf befindlicher Zugmaschine über den dafür vorbereiteten Schotterplatz. Der Schub erfolgt dabei in Intervallen und wird automatisch deaktiviert, sobald die Zugmaschine wieder selbst genügend Vortrieb erzeugt. Die Systemachse ist nachrüstbar und erreicht ihre Serienreife laut Hersteller Mitte 2017.

Knut Zimmer

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Knut Zimmer

Datum

12. Mai 2016
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