RAI Bedrijfsauto 8 Bilder Zoom
Foto: Oliver Willms

Messe RAI Bedrijfsauto

Die RAI ist zurück

Nach drei Jahren Zwangspause wegen der schwachen Konjunktur meldet sich die niederländische Nutzfahrzeug-Messe RAI zurück. Wir stellen die wichtigsten Neuheiten vor.

Die Messe RAI in Amsterdam meldet sich nach der Zwangspause zurück, die der schwachen Konjunktur geschuldet war. Das Bild hat sich gedreht, volles Haus meldeten die Veranstalter. Das gelte sowohl für die Zahl der Aussteller wie auch für die Besucher. Die RAI Bedrijfsauto meldet sich als Vorbote zarter konjunktureller Aufschwünge im Absatzmarkt  Benelux zurück. In einem Land, in dem das Transportgewerbe durchaus noch einen ehrenwerten Stand darstellt, ist das Interesse an Lkw und an Trailern groß. So überzeugte das Konzept der RAI-­Macher, Lkw und Anhänger nun im gemischten Auftritt aufs Messeparkett zu schicken. Früher hielt man sich bei den gezogenen Einheiten noch vornehm zurück, ein Zugeständnis an die ­Organisatoren der nahe gelegenen Messe Trailer im belgischen Kortrijk. Auf Knopfdruck leise Lokalmatador DAF zeigte sich als Freund leiser Töne und schickte den neuen CF sowie den schwereren Bruder XF in der Ausführung „Silent“ an den Start. Die per Knopfdruck auf 72 dB(A) geräuschreduziert auf Schleichfahrt durch die Innenstadt flüsternden Verteiler-Lkw erfüllen die niederländische Piek-Norm – die Eintrittskarte zur nächtlichen oder frühmorgendlichen Belieferung vieler Kommunen. Um so leise unterwegs zu sein, reduziert die Elektronik das Drehzahlniveau und kappt damit auch die Leistung. Kurz nach der Messe erhielt euch der leichte LF das Flüsterprogramm. Der Benjamin im DAF-Programm bekam zudem zum Modelljahr 2016 ein diskretes Facelift mit modifizierten Seiten- und Dachspoilern, längeren Radstandvarianten und wahlweise einem gigantischen 1.240-Liter-Dieseltank. Nicht nur damit, sondern auch mit dem um fünf Prozent verbrauchsoptimierten Vierzylinder-Antrieb soll der LF künftig noch weiter kommen. Der hubraumgrößere 6,7-Liter-Sechszylinder arbeitet fortan wahlweise auch mit zwölf Gangstufen im automatisierten Getriebe und kommt mit bis zu 314 PS Spitzenleistung auch im mittelschweren CF zum Einsatz. Die jüngste Low-Deck-Variante des XF mit 910 Millimeter Aufsattelhöhe komplettierte den Neuheiten-Reigen. Für die in den Niederlanden äußerst beliebten Vier- und Fünfachser übernehmen nach wie vor die Spezialisten von Ginaf die Aufgabe der verlängerten Werkbank von DAF. Jüngstes Produkt der Spezial-Fahrzeugschmiede ist die X6-Baureihe: hochgeländegängige Solo-Lkw vom 4x4 bis zum 10x8 mit hydropneumatischer Achsfederung und je nach Achskonfiguration bis zu vier Lenkachsen. Überdies steuert Ginaf hydraulisch angetriebene Vorderachsen für DAF-Trucks bei, während Mitbewerber Terberg diesen Job mit dem X-Track-System für Volvo erledigt. E-Motor mit 3.400 Nm Drehmoment Als Gegenentwurf zu den Studien der großen Lkw-Bauer zeigt der agile Kleinserienhersteller die praxisreife Ginaf Durable E-Serie. Auf Basis von Atego- oder Antos-Chassis bauen die ­Niederländer einen vollelektrischen Lkw auf, dessen üppig dimensionierter E-Motor eine Leistungsspitze bis zu 280 kW und enorme 3.400 Nm Drehmoment zu leisten vermag. Je nach Variante speichert der Duratruck von 100 bis zu 180 kWh in den Lithium-Batterien – genug für bis zu 150 Kilometer elektrische Reichweite, bevor er zurück ans 380-Volt-Drehstrom-Ladenetz muss. Als ausländische Messepremiere stößt der ­Scania-Hybrid-Lkw mit kombiniertem Bio­diesel/Elektroantrieb in ein ähnliches Antriebssegment, das in den Niederlanden mit dem vergleichsweise zahlreichen Einsatz von CNG- und LNG-Lkw sehr populär ist. Die Erdgas-Versorgungsstruktur durch Seehafennähe ist deutlich besser als in unseren Breiten – vor allem beim verflüssigten Erdgas LNG. Hoch in der Gunst niederländischer Transportunternehmer steht auch der Trailer, was der Variantenreichtum des örtlichen Angebots deutlich belegt. Die unterschiedlichsten Schwerlasttransporter gehören zur Paradedisziplin der Niederländer ebenso wie Schubbodentrailer. Van Eck zeigte darüber hinaus auf der RAI einen Kühltrailer mit in den Fahrzeugboden integriertem Kettenförderlaufband, das 32 Europaletten am Ladedock innerhalb von sportlichen 3,5 Minuten entladen soll. Die sechs gekoppelten, fernsteuerbaren Transportketten mit 400-Volt-Antrieb wiegen deutlich weniger als ein klassischer Walking Floor und sollen dank Zentralschmierung praktisch wartungsfrei arbeiten. Neben dem schnellen Ladungsaustausch ohne großen Temperaturverlust führt Van Eck auch die Schonung der Ladung beim Be- und Entladen ins Feld. Der ausgestellte Kühltrailer wies neben zwei lenkbaren Trailerachsen noch einen weiteren Kniff auf: Ein Generator in der Achsmitte generiert beim Bremsen Strom, der zur Transportkühlung während der Fahrt eingesetzt wird. So kann der Van-Eck-Trailer kürzere Transportwege ohne zusätzliches dieselbetriebenes Kühlaggregat ermöglichen. Robuste Innenböden Den klassischen Weg, wenngleich mit neuen Materialien, beschreitet Knapen. Mit dem neuen Dura-Floor-Schubboden wollen die Trailer-Bauer dem natürlichen Verschleiß eines Schubbodens durch stark abreibende Ladung wie Schutt, Split, Metallspäne oder Glasscherben Kontra geben. Zur Nutzlastschonung bleibt die Materialstärke der Schubbodenelemente gleich, dafür verwendet Knapen aber hochfeste Stähle, die deutlich länger Widerstand leisten. Dauerhaften Schub liefert die zweite Neuheit bei Knapen. Ein an der Trailerstirnseite montierter 24-Volt-Antriebsmotor spannt über eine Knickarm-Mimik die Kunststoffplane über den Trailer, ohne dabei mit nennenswertem Aushub nach oben zu fahren. Die „Über-Eck-Montage“ des Antriebs erlaubt das Ausnutzen der vollen Trailerhöhe. Nicht nur den Sinn fürs Praktische, sondern auch Raum für Emotionen boten die Sonder- und Showmodelle der Lkw-Hersteller. Ob DAF-Oldie, Mercedes Future Truck oder güldener ­Volvo FH16-750 – der langsam zunehmende Markt hat die RAI aus dem Dornröschenschlaf wach geküsst und wieder zu einer veritablen Messeschönheit gemacht.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 01/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

1. November 2015
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