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Stefan Buchner Zoom

Mercedes-Benz Trucks: Stefan Buchner setzt auf Service

In den ersten Monaten seit Amtsantritt hatte Stefan Buchner, Leiter von Mercedes-Benz Trucks, immer ein Ohr am Kunden – und das weltweit. Deren Zufriedenheit ist sein oberstes Gebot.

Seit rund einem Jahr ist Stefan Buchner der Leiter von Mercedes-Benz Trucks. Im Redaktionsgespräch mit trans aktuell erklärt der 53-Jährige, wie er den Erfolg der Marke Mercedes-Benz im Lkw-Bereich weiter vorantreiben möchte. Neben einem herausragenden Produktportfolio und einem ­effizienten und schnellen Service für seine Kunden legt er dabei auch großen Wert auf den technischen Fortschritt – und sieht auch die Politik in der Pflicht.

trans aktuell: Herr Buchner, was hat sich für Sie seit Amtsantritt geändert, beziehungsweise wie hat sich Ihre Perspektive gewandelt?

Buchner: Ich hatte das Glück, dass ich in meinem ersten Amtsjahr den erfolgreichen Abschluss unserer Mercedes-Benz Lkw Produktoffensive in Euro 6 begleiten durfte: den Arocs sowie den neuen ­Atego, aber auch die sogenannten Mercedes-Benz Sonderfahrzeuge wie den Econic oder den Unimog in der Euro-6-Version. Es gab für mich in meinem ersten Jahr viele Gelegenheiten, mit unseren Kunden ins Gespräch zu kommen und viel über ihre Anforderungen und Herausforderungen zu lernen. Das hat mir  auch eine neue Perspektive auf unsere Lkw-Sparte eröffnet.

Was heißt das genau?

Zum einen habe ich mich sehr intensiv mit unseren Produktionsstätten auseinandergesetzt: von Wörth in Deutschland über Aksaray in der Türkei bis hin zu São Bernardo und Juiz de Fora in Brasilien – um nur die Hauptstandorte zu nennen. Wobei ich mir jeweils auch vor Ort ein Bild machen konnte. Zudem habe ich mir die dortigen Landesvertriebsgesellschaften angeschaut, um die jeweiligen Kundenbedürfnisse besser verstehen zu können, und ich konnte dort auch einige Kundengespräche führen. Das alles hat mir dazu verholfen, schnell einen Überblick über Mercedes-Benz Lkw zu bekommen. Schließlich wollen wir unser Geschäft auch zukünftig erfolgreich weiter vorantreiben.

Was sind für Sie die Säulen des Erfolgs?

Zum einen die Globalität: Daimler Trucks ist weltweit mit seinen unterschiedlichen Marken vertreten. Zum anderen unsere Kundenorientierung: Zum Beispiel haben wir in Europa unsere gesamte Mercedes-Benz Lkw Fahrzeugpalette konsequent an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet.

Konnten Sie schon eine eigene Handschrift hinterlassen?

Für mich ist entscheidend, die Kundenanforderungen zu verstehen – und das in den verschiedenen Ländern. Was sicherlich neu ist: Wir veranstalten unterschiedliche Events. Und zwar sowohl für bestehende als auch für potenzielle neue Kunden. Daraus ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten in der Zusammenarbeit. Nicht nur beim Verkauf, sondern auch über die gesamte Einsatzzeit des Lkw hinweg.

Wie haben Sie eine entsprechende Auswahl der Kunden für diese Veranstaltungen getroffen?

Es gab keine Priorisierung nach Flottengröße, wenn Sie darauf anspielen. Vielmehr ging es mir darum, verschiedene Transportaufgaben beziehungsweise Transportbranchen kennenzulernen, etwa Fern- und Verteilerverkehr. Dabei haben wir von kleinen Unternehmen über Mittelständler bis hin zu ganz großen Lkw-Flotten eingeladen, weil es je nach Größe der Unternehmen auch unterschiedliche Bedürfnisse gibt, die es zu verstehen gilt. Und das wiederum in unterschiedlichen Regionen der Welt.

Auch Ihr Nutzfahrzeug-Vorstand Dr. Wolfgang Bernhard hat die Devise ausgegeben, dass die Kundenzufriedenheit im ­Fokus stehen muss …

Wir haben ab 2014 weltweit eine Vertriebsorganisation, die sich konsequent an den Produkten ausrichtet. Das gilt beim Pkw wie auch für Mercedes-Benz Lkw vom Vertrieb bis hin zum Bereich Aftersales. Diese Kundenorientierung, die wir Customer Dedication nennen, stellt sicher, dass wir eine durchgängige Kundenansprache haben – in unserem Fall für den Bereich Lkw. Das bedeutet, wir haben  für unsere Vertriebsmannschaft eigene Niederlassungen und Servicecenter aufgebaut. So können wir uns noch stärker auf die speziellen Kundenbedürfnisse einstellen.  Ich verspreche mir sehr viel von einer direkten Kundenansprache in den jeweiligen Regionen und bin überzeugt, dass wir unsere Marktstellung dadurch weiter verbessern.

Haben sich die Kundenbedürfnisse so stark gewandelt?

Die Ansprüche der Kunden steigen stetig. Schon allein dadurch bedingt, dass die Speditions- und Logistikbranche sehr professionell und effizient unterwegs sein muss. Auch wir bei Daimler erwarten eine professionelle Dienstleistung, denn wir sind ja zugleich auch Kunde. Dabei spielen nicht nur die Lebenszykluskosten eines Lkw eine große Rolle, sondern auch der Service und die Verlässlichkeit. Ein Beispiel dazu, wir bieten mittlerweile in unseren Niederlassungen ganz andere Servicezeiten an. Ohnehin wird das Thema Service immer wichtiger werden, das sich zunehmend als Differenzierungsmerkmal zum Wettbewerb entwickelt.

Sie haben sich auch im Bereich Technik neu aufgestellt. Wie wird die Zusammenarbeit mit dem Daimler Trucks Entwicklungschef Sven Ennerst aussehen?

Wir bei Daimler Trucks haben in der Tat eine weitere wichtige Entscheidung getroffen. Wir haben den Einkauf und die Entwicklung unter einem Dach zusammengeführt. Das dient einer engeren Verzahnung, von der Entwicklung bis zur Produktion. Das ermöglicht uns im Sinne unserer Komponenten- und Modulstrategie bei Daimler Trucks, die entstehenden Synergien noch besser heben zu können. Auch arbeiten wir seit vielen Jahren in der Entwicklung und Produktion bereichsübergreifend zusammen. Denken Sie an unsere neue Lkw- und Motoren-Plattformen.

Wie ist denn die wirtschaft­liche Entwicklung in den einzelnen Märkten?

Da muss man sicherlich nach Regionen unterscheiden. In Europa ist die Stimmung gut. Im Jahr 2013 gab es eine stabile Nachfrage in den sogenannten EU-29-Staaten. Aktuell würde ich von einem guten Jahr für die Lkw-Branche in Europa sprechen, bis auf einige Länder im Süden Europas. Einen gewissen Effekt gab es in Europa aber sicherlich auch durch die Euro-6-Einführung, den ich allerdings als moderat einstufen würde.

Wie hat sich Daimler im Vergleich zum Markt entwickelt?

Wir haben uns in diesem moderaten Markt sehr gut bewegt. In Europa konnten wir Marktanteile hinzugewinnen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass wir als erster Lkw-Hersteller unsere komplette Produktpalette in Euro 6 anbieten konnten. In Brasilien gab es ebenfalls ein erfreuliches Wachstum. Unser Absatz erhöhte sich dort allein im dritten Quartal um 27 Prozent. Sehr erfreulich hat sich auch der Markt in der Türkei entwickelt, der für uns sehr wichtig ist. Dort haben wir einen Marktanteil von 50 Prozent. Nicht zuletzt haben wir in der Türkei in Aksaray ja auch ein sehr modernes Werk mit einer jährlichen Produktionskapazität von knapp 20.000 Einheiten.

Wird in Aksaray auch für den westeuropäischen Markt produziert?

Im Rahmen unseres Produktionsverbunds haben wir unsere Fabriken so ausgelegt, dass wir sowohl Aggregate als auch Fahrzeuge aus den unterschiedlichen Produktionsstandorten für Kundenaufträge verwenden können.

Um auf Euro 6 zurückzukommen. Welche Rolle spielen denn die Vorzieheffekte?

Wir merken in der Tat, dass es diese Vorzieheffekte gibt. In bestimmten Branchen wurden tatsächlich verstärkt Lkw mit Euro-5-Motoren nachgefragt: etwa Fahrzeuge, die eher im Verteilerverkehr oder auf Baustellen unterwegs sind. Ganz anders sieht es im Fernverkehr aus. Hier haben sich mehr als 80 Prozent der deutschen Transportunternehmen, die 2013 einen Actros geordert haben, für Euro 6 entschieden. Nachdem nun die Koalitionsgespräche abgeschlossen sind, hoffen wir natürlich auf entsprechend verbindliche Pläne der Regierung für eine Mautspreizung.

Warum haben dennoch viele den Kauf des Euro-6-Actros bereits gewagt?

Wir konnten nachweisen, dass wir – anders als vielfach erwartet – den Verbrauch um bis zu fünf Prozent senken konnten. Mit dem Predictive Powertrain Control, dem vorausschauenden Tempomaten, können wir nochmals rund fünf Prozent Sprit einsparen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir  unseren Kunden diese Assistenzsysteme an die Hand geben müssen, damit sie noch effizienter unterwegs sind.

Befürchten Sie für 2014 aufgrund der Vorzieheffekte eine Delle bei der Nachfrage nach Lkw?

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Auftragseingänge in der ersten Jahreshälfte entwickeln werden. Momentan sind wir im Januar und Februar gut ausgelastet.

Nochmals zurück zur Maut: Ist die Ausweitung der Maut für Sie dann nicht sogar vorteilhaft?

Das muss man differenziert betrachten. In Deutschland gibt es rund 53 Milliarden Euro verkehrsbezogene Einnahmen, die der Infrastruktur zugutekommen könnten, wenn sie zweckgebunden eingesetzt würden. Mit der Mauterweiterung, so wie sie jetzt diskutiert wird, werden vor allem kleine und mittelständische Unternehmen mit niedriger Kapitaldecke belastet und können damit  begrenzt neue Investitionen tätigen.

Aber werden es aufgrund der Vorzeichen, die die große Koalition aussendet, härtere Jahre, die auf Sie zukommen?

Zum einen müssen wir erst einmal abwarten, wie die genauen Formulierungen aussehen, die in die Gesetzgebung einfließen. Zum anderen ist die Frage, wann welche Änderungen umgesetzt werden müssen. Für uns bei Mercedes-Benz Lkw ist entscheidend, wie sich das Jahr 2014 entwickelt – und das nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit.

Kommt nach der CO2-Reduktion nun die nächste politische Forderung – etwa weniger Geräuschemissionen?

Grundsätzlich sollte man anerkennen, dass die gesamte Industrie schon seit Langem mit Hochdruck an Verbesserungen arbeitet. Dabei sollte auch gesehen werden, welcher Aufwand hier getrieben wird und welche Investitionen getätigt werden. Wenn das konstruktiv diskutiert wird, bin ich zuversichtlich, dass die Politik nicht gleich wieder neue Ziele stecken will, die dann abermals viel Geld kosten und sich letztlich im Preis niederschlagen. Gerade mit Blick auf die Geräuschemissionen haben wir ja ein gutes und akzeptables Ergebnis zwischen Fahrzeughersteller und europäischen Regulatoren erreicht. Die Ziele sind dabei sehr ehrgeizig – und zwar weit über das Jahr 2020 hinaus. Zudem wurde ja auch noch das Messverfahren verändert. In Summe bedeutet das für uns eine Halbierung der Geräuschemissionen.

Um das zu erreichen, sind erneut teure Umbauten nötig. Wie belastbar sind Ihre Kunden noch?

Ein Beispiel dazu: Durch den höheren Einspritzdruck im Motor haben wir beim Verbrauch viel erreicht. Nehmen wir den Druck jetzt wieder runter, wird der Motor zwar leiser, aber er braucht auch wieder mehr Kraftstoff und verursacht mehr CO2-Ausstoß. Das ist nicht zielführend. Ein anderes Beispiel ist das Gewicht. Sogenannte Abkapselungen, also Dämmungen, sind teuer und schwer. Wir brauchen aber Lösungen, die weder den Geldbeutel noch die mögliche Zuladung belasten. Auch mit Flüsterasphalt lässt sich einiges erreichen. Aber auch sich Gedanken zu machen, wie eine sinnvolle Verkehrsführung möglichst ohne viele Stopps aussehen kann. Wir dürfen nicht nur immer vom Fahrzeug aus denken, sondern müssen parallel auch andere Überlegungen und Alternativen einbeziehen. Meine Erwartungshaltung an die Politik ist, dass diese Maßnahmen ebenso konsequent angegangen werden, wie wir das seitens der Industrie tun.

Zur Person

Nach seiner Ausbildung zum Nachrichtengerätemechaniker bei der Deutschen Bundesbahn machte Stefan Buchner zunächst seine Fachhochschulreife in Esslingen und studierte anschließend Wirtschaftsingenieurwesen, ebenfalls in Esslingen. 1986 begann er seine Karriere als Zentraleinkäufer im Bereich Produktionsmaterial bei Daimler-Benz. Es folgten weitere Stationen, vor allem im Pkw-Bereich. In zunehmend verantwortungsvollen Positionen im In- und Ausland übernahm er ab 2004 die Leitung Einkauf bei Daimler Trucks und Daimler Buses und ab 2010 verantwortete er die Leitung der globalen Aggregate-Produktion und Produktionsplanung Daimler Trucks sowie den globalen Einkauf Daimler Trucks und Daimler Buses. Seit Anfang 2013 ist der 53-Jährige Leiter von Mercedes-Benz Lkw.

Portraits

Autor

Foto

Küppers

Datum

17. Dezember 2013
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